Das Jahr 2020 ist für alle Partypeople ernüchternd. Seit mehr als acht Monaten geht weltweit so gut wie nichts mehr. Jetzt hoffen alle darauf, dass es 2021 endlich wieder los geht und Partys stattfinden dürfen. Gibt es vernünftige Szenarien, die das Nachtleben langsam wieder hochfahren lassen, oder sind alle angekündigten Events vom Leichtsinn des Hedonismus getrieben, dem Gesundheit und Coronabekämpfung egal sind?

Es kommt langsam wieder Bewegung in die weltweite Eventszene. Während in Deutschland noch kein Ende der Clubschließungen und Veranstaltungsverbote in Sicht ist, wird in anderen Ländern und auf anderen Kontinenten schon wieder auf Partys gefeiert. In Europa hat jedes Land eigene Regeln, wie die Gastronomie und Clublandschaft mit Gästezahlen und Abstandsregeln umgehen muss. In der Schweiz gibt es dann in den einzelnen Kantonen nochmal unterschedliche Regelungen, so dass in manchen Gebieten mit begrenzter Gästezahl getanzt werden darf, in anderen wiederum gar nicht. Wie die Lage zum Beispiel in Finnland ist, haben wir weiter unten im Artikel noch ausführlicher.

In Südamerika scheint Corona kein Thema zu sein

Während das Nachtleben hier in Europa in großen Teilen ziemlich ausgebremst ist, scheint die Lage in Südamerika eine ganz andere zu sein. Viele große DJs kündigen für die kommenden Wochen wieder Partys an, zu denen sie aus Europa anreisen und an den Stränden wird schon gemeinsam und ohne Abstand getanzt.

 


Die Corona-Fallzahlen in vielen Ländern Südamerikas sind ähnlich hoch, wie in Deutschland, die Regeln für die Partys und wie mit der Situation umgegangen wird aber anders. Das Zamna Festival in Mexico will zum Start ins neue Jahr mit einer zweiwöchigen Party loslegen, bei der Dixon, Sven Väth, Clapton und Boris Brejcha am Start sind. Bei täglich immer noch mehr als 5.000 Neuinfektionen ein irgendwie komisches Szenario, das man sich in Europa nicht vorstellen kann. Luciano wird auch mit dabei sein und den ganzen Dezember durch Südamerika reisen. Mitte Dezember spielt er zum Beispiel im Imagine Land Club in Kolumbien, wo die Corona-Zahlen bei weniger Einwohnern noch deutlich höher sind als in Mexico. Dort gibt es zwar Vorgaben, dass die Besucherflächen in unterschiedliche Bereiche aufgeteilt sein müssen, die Absperrgitter zwischen den Gästen sind aber eher kein großer Schutz gegen umherfliegende Viren.

Mark Dekoda hat auf einer Party in Finnland aufgelegt

Neben dem Blick in die Zukunft wollen wir auch gerne schauen, wie die Situation aktuell in anderen Ländern ist. Mark Dekoda, über dessen neues Album wir im August berichtet haben, war vor Kurzem in Finnland unterwegs und hat uns berichtet, wie der Gig gelaufen ist:

Du hast im November in Helsinki gespielt. Erzähl doch mal, was für ein Event das war und wie viele Gäste da waren.

Ein Event mit sehr viel Liebe zum Detail! Die Finnen verstehen es einfach, Partys zu organisieren und durchzuführen. Ich habe bereits einige Male in diesem schönen Land spielen dürfen, unter anderem in Helsinki, Turku, Vaasa, Espoo und Tampere. Im November ging es zurück nach Helsinki mit einer Begrenzung von 500 Leuten, in eine Halle namens Tapahtumakeskus Telakka.

In Deutschland ist sowas aktuell undenkbar. Was für Coronaregeln gab es für die Besucher denn?

Die nordischen Staaten sind bis jetzt von der Pandemie einigermaßen verschont geblieben. Es gibt zwar tägliche Infektionen, die halten sich aber sehr gering. Ich habe mich vor meiner Reise mit dem Thema Helsinki – Corona auseinandergesetzt und war sehr erstaunt, wie relativ normal dort alles gehandhabt wird. An dem Abend gab es, wie bereits gesagt, eine Grenze der Gästeanzahl von 500 Personen, mehr wurden an dem Abend auch nicht herein gelassen. Den Besuchern wurden im hinteren Bereich der Halle genügend Sitzmöglichkeiten mit Abständen geboten. Masken waren laut der finnischen Regierung nicht notwendig.

Und wie war es als Künstler auf der Stage. Auch viele Auflagen, oder war es wie immer?

Wie man es vor Corona gewohnt war, ja. Mein Manager und ich haben aber darum gebeten, alleine im Backstage zu sein, mit Ausnahme des Veranstalters und zwei seiner DJ Kollegen.

Und wie hat es sich für dich angefühlt, wieder vor einer echten, großen Crowd zu spielen?

Ich habe mich sehr schnell wieder zurecht finden können, mit der gewohnten Euphorie und Leidenschaft, wie ich es auf jeden meiner Auftritte habe. Klar musste ich mir die ein oder andere Freudenträne beim spielen verdrücken, aber Emotionen gehören in so einer Situation selbstverständlich dazu.

Wie bewertest du das Event und deinen Gig jetzt mit ein paar Tagen Abstand. War die Reise vernünftig unter Einhaltung der Vorgaben?

Ich halte mich an Regeln und Vorschriften. Wenn die finnische Regierung Events dieser Art zulässt, dann liegt es auch in der Natur eines finnischen Veranstalters, diese zu organisieren. Angesichts der dortigen, im November sehr niedrigen, Neuinfektionen, konnte ich diese Reise auch mit meinem Gewissen vereinbaren.

Was wäre mit der Erfahrung aus Finnland für dich der nächste, richtige Schritt in Deutschland, um wieder Events zu erlauben?

Erst einmal müssen die Infektionszahlen auf einen sehr niedrigen Stand runter, vorher ist gar nicht an Events zu denken. Es gibt aber Licht am Ende des Tunnels, denn die bevorstehenden Impfpläne hören sich sehr vielversprechend an. Wie schnell sich das Ganze aber auf die Eventbranche auswirkt, bleibt nach wie vor abzuwarten.

Wie geht es in Europa 2021 weiter?

Die Regeln in Deutschland scheinen bei einem Blick in die anderen Länder mit die strengsten zu sein. Ob das sinnvoll oder übertrieben ist, wird sich irgendwann in Zukunft zeigen. Vielleicht lässt sich aus den langsam wieder startenden Partys auf anderen Kontinenten lernen, damit es im Jahr 2021 auch bei uns wieder mit Partys losgehen kann.

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