Alexis Tyrel kann man bedenkenlos als Underground bezeichnen, obwohl dies natürlich musikalisch diskutiert werden kann. Das erste Jahrzehnt seines Daseins als Teil der Szene verbrachte er hauptsächlich als Clubber, Promotor und eben auch DJ, um die Vielfalt der elektronischen Musik zu erforschen und Schritt für Schritt vom Konsumenten zum Produzenten zu migrieren. Seine ersten Veröffentlichungen wurden von Künstlern wie Robert Hood, Ben Klock und Steve Rachmad gespielt.

Ebenfalls steht er als Gründer und Betreiber hinter dem Label Lessismore. Nachdem sich Alexis Tyrel, der auch unter anderen Aliases bekannt ist, eine kurze kreative Schaffenspause eingelegt hat, kehrt er nun mit neuer Energie zurück hinter die Decks. Doch auch im Studio war der Niederländer fleißig und hat so einiges am Start. Wir haben uns mit dem DJ getroffen und ein paar Worte gewechselt.

Welche Impulse und Inspirationen geben dir dein Heimatland und dein momentaner Wohnort?
Ich komme aus Eindhoven, der Technologie-Stadt der Niederlande, wo bereits 1959 mit elektronischen Sounds experimentiert wurde. Außerdem sagt man, Eindhoven sei die XTC-Hauptstadt der Welt. Aufgrund dieser Tatsachen könnte man meinen, das Nachtleben sei crazy, ist es aber nicht. Inspiration ziehe ich aus den Gedanken, die mir in den Sinn kommen, wenn ich zur Ruhe komme und durch nichts abgelenkt werde.

Inwiefern hat die digitale Technik das DJing und dein Set-Up verändert?

Ich habe 1993 als DJ angefangen, mit Vinyl. Es fühlt sich an, als wäre es erst gestern gewesen, als ein Freund und ich unter einem Tankstellendach Zuflucht vor dem strömenden Regen suchten und währenddessen die Entscheidung fiel, dass wir DJs werden wollten. Bis zur Veröffentlichung von „Final Scratch“ habe ich Vinyl aufgelegt. Der Titel schien mir passend, das Ende meiner Vinyl-Zeit zu markieren. Momentan benutze ich Traktor, aber ich benutze keine Markierungen oder sowas. Ich mag die Herausforderung und möchte wie ein „prähistorischer“ DJ auflegen.

Was war rückblickend deine herausragendste oder beeindruckendste Performance? Und warum?

Ich habe schon in tollen Locations gespielt: Berghain, Tresor, Awakening, Arma17, Flex etc. Die aufregendsten waren aber die illegalen Partys. Von der Polizei erwischt werden und an einem anderen Ort mit der Party weitermachen, im Wald oder sonstwo: das macht das Auflegen richtig magisch.

Welche Musik aus vergangenen Zeiten inspiriert dich besonders?

Die Synthesizer-Musik der 80er hat es mir angetan. Mit ABBA kam ich das erste Mal mit elektronischer Musik in Berührung. Aber die 90er mit ihrem Rave/Hardcore haben erst richtig den Ausschlag für mich gegeben, Musik zu machen. Es war damals etwas so Neues und Außergewöhnliches, dass ich dem sofort verfallen bin.

Bist du ein „cratedigger“ – stundenlang auf der Jagd nach neuen Tracks?

Als Vinyl noch angesagt war, ja, aber online macht mir das Ganze keinen Spaß. Auf neue Musik stoße ich insbesondere durch den Austausch mit Freunden. Außerdem mache ich ja auch selbst viel. Wenn ich etwas Schönes aufschnappe, versuche ich das Gefühl in Musik umzusetzen.

Wie sieht deine Zukunft in der Welt der elektronischen Musik aus?

Als ich noch jünger war, war ich sehr um meine Zukunft bedacht. Aber heute möchte ich lieber Spaß haben und den Moment genießen. Ich denke nur über das Hier und Jetzt nach, und ein wenig darüber, was im nächsten Jahr passieren wird.

Was steht in den nächsten Wochen bei dir an?

Da habe ich einen straffen Zeitplan. 40% meiner Zeit verbringe ich in Amsterdam, 60% in Eindhoven. In Eindhoven arbeite ich vor allem an meiner Musik. Es stehen ein paar Veröffentlichungen auf angesehen Labels an und ein paar Studio-Alben Anfang 2018. Ich bin fleißig dabei, mit allem rechtzeitig fertig zu werden.

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