Der DJ sowie Sound Engineer Souldust und A&R des belgischen Labels Electronical Reeds steht für eine dicke Portion Groove und warmen Soundgeist. Es dürfte kein Zweifel bestehen, dass er sein Leben voll und ganz der Musik verschrieben hat. Sei es nun hinter den Decks, im Studio an den Reglern oder im Label-office um neue Demos zu checken. In seiner Biographie stehen ebenso amtliche Residencies im Brüssler Nachtleben wie auch Chartplatzierungen bei Traxsource. Als A&R und Head of Sound des Labels Electronical Reeds, dass mit Artists wie Felix Cage oder auch renommierten Supportern wie Sascha Cawa zu glänzen weiß, investiert Souldust seine ganze Energie auf dieses vielversprechende Projekt. Wir haben uns bei heißen Waffeln und Kaffee zusammengesetzt, um mehr über das Multitalent zu erfahren.

 

Wo kommst du her und wie haben deine Anfänge im Musikbusiness ausgesehen?

Ich komme aus Brüssel. Und begonnen habe ich als Gitarrist in einer Schulband. Das ist zwar kein wirkliches Business, aber so hat alles angefangen. Von da aus ging es dann weiter, ich habe mich mit Technik und Sound auseinandergesetzt und fand mich letztendlich selbst hinter dem Mixer wieder, was mich dann dazu brachte, DJ zu werden. Und eine Klassenfahrt nach London hat mich dann der elektronischen Musik nähergebracht.

Wann hast du dich dazu entschlossen, Teil des Electronical Reeds Team werden zu wollen?

Also ehrlich gesagt… als das ER-Team mich gefragt hat… (lacht)

Anfangs war ich Head of Mastering. Nach einer Weile ist mein Vorgänger (der zusammen mit unserem Label-Manager Laurent ER gegründet hat), leider aus persönlichen Gründen gegangen und das Electronical Reeds Team bat mich, seine Stelle zu übernehmen, da sie mich für genau den Richtigen für den Posten hielten. Wir mussten uns erst einmal aufeinander einstellen, da die Tätigkeit als A&R sehr stark von der individuellen Sichtweise und Gefühl geprägt ist. Das Ganze ist eine sehr persönliche Sache, das kann man gar nicht richtig beschreiben… Außerdem musst du dich natürlich auch an die vom Team festgelegte musikalische Richtung halten. Es ist eine Mischung aus deiner individuellen Leistung und Teamwork. Ich liebe es!

Würdest du uns einen kleinen Einblick in deinen Alltag als A&R geben?

Es gibt zwei Hauptroutinen für mich: Musik anhören und Feedback dazu geben.

Mein Tag fängt damit an, dass ich mir jegliche Musik anhöre, die mir so zu Ohren kommt. Das hilft mir, erst einmal ein Gefühl dafür zu bekommen, in welcher Stimmung ich gerade bin. Das ist mir sehr wichtig bevor ich mir Demos, neue Künstler oder Demos der Künstler meines Labels anhöre.

Jeder einzelne Track bekommt ein Feedback von mir, was keine leichte Aufgabe ist. Denn die Person, die hinter dem Track steht, hat einen Teil ihrer Seele da reingesteckt. Daher muss ich mir den Track mit großer Sorgfalt und Aufmerksamkeit anhören, bevor ich dem Künstler erkläre, wie ich den Track finde und ich ein angemessenes und umfassendes Feedback geben kann. Passt der Track musikalisch zu ER? Ist der Mix ok? Gibt es Verbesserungspotential? Das führt natürlich häufig zu Diskussionen, da jeder die Dinge anders sieht und empfindet. Sobald der Künstler und ich uns einig sind, dass der Track fertig ist und zu Electronical Reeds passt, stelle ich den Track dem Team vor und wir überlegen gemeinsam, wie wir das Juwel der Welt am besten vorstellen.

Was für einen Sound und Spirit suchst du eigentlich für Electronical Reeds?

Dancefloor-driven Cuts und melodische Grooves. Das ist unser Mantra! Ich möchte ergänzen: grooving Sounds und „Dancing Spirits“ (Titel unserer nächsten Veröffentlichung ;-P )

Das erklärt ganz gut, wonach wir suchen: einen Sound, der dich etwas fühlen lässt, der groovt, der sich entwickelt, mit Harmonien. Wie der Track schon sagt: „Let me take you on a trip“!!! Wir sind insbesondere an engagierten und eifrigen Produzenten interessiert, denen wichtig ist, wofür Electronical Reeds steht und die nicht einfach irgendwelche Tracks veröffentlichen wollen. Unsere Genres sind Deep House, Deep Tech und Tech House.

Was sollte man beachten, wenn man euch ein Demo schickt?

Als erstes sollte man sich anhören, was wir im letzten Jahr so veröffentlicht haben… Zeige mir, dass du deinen Track nicht wahllos an alle Labels schickst, weil du ihn einfach nur an den Mann bringen willst. Zeige mir, dass du weißt, wer wir sind und warum du mit Electronical Reeds zusammenarbeiten möchtest.

 

Womit hältst du dich auf dem Laufenden, was musikalisch so passiert?

Mit meinem Team! Sie sind über alles im Bilde, was im elektronischen Musik Business so los ist, was mit wem wo vor sich geht. Und sie können sich das fast alles merken. Das ist sehr wertvoll für mich, da ich ja überwiegend damit beschäftigt bin, mir im Studio Tracks für das Label anzuhören, Feedbacks zu geben und am Mixdown oder Mastering unserer Releases zu arbeiten. Electronical Reeds lebt von Teamwork. Wir tauschen uns viel aus und so halte ich mich auf dem Laufenden. Mein Team ist die beste Informationsquelle für mich.

Hast du mal einen Künstler abgelehnt, der da dann woanders groß geworden ist?

Bevor Amelie Lens ihren ersten Track veröffentlicht hat, hatte ich mich an sie gewendet und gefragt, ob sie auch produziert. Sie sagte ja, aber dass unser Label musikalisch nicht das Richtige für sie sei. Und damit hatte sie auch vollkommen recht! Sie ist die einzige, die mir einfällt, mit der wir vor ihrem Erfolg in Kontakt standen, die dann aber zu einem anderen Label gegangen ist. Wobei das ja ihre eigene Entscheidung war.

Was denkst du über das übermächtige Wachstum der Digitalisierung in der Musik?

Zum einen haben wir dadurch die Chance, unsere Reichweite auf ein ganz anderes Level zu bringen. Jeder kann musikalisch aus dem Vollen schöpfen, alles ist überall uneingeschränkt zugänglich, zumindest solange es die Internetverbindung zulässt, falls man Streamingdienste nutzt :-). Die Streamingplattformen bieten alle nur erdenklichen Genres und Künstler, sogar stimmungsangepasste Playlists an. Du kannst dir mit einem Klick Playlists mit deinen Lieblings-Songs oder neuen Tracks erstellen und überall hin mitnehmen. Zum anderen macht es Musik zu etwas wie Fast Food. Dein Track wird einer von vielen, der in der gewaltigen Masse schnell untergehen und vergessen werden kann.

Wie siehst du deine Rolle als A&R im sich stetig ändernden Musikbusiness?

Man kann mit Musik auf jeden Fall ein Geschäft machen. Aber wenn du dich gegen dein Inneres stellst, wirst du früher oder später Schwierigkeiten bekommen, dein Produkt zu verkaufen. Ich bin der festen Überzeugung, dass du an das, was du tust, glauben musst, ebenso deine Künstler und dein Team. Sonst hast du keine Chance, dich in dieser überfrachteten Musikwelt abzuheben. Also kurz gesagt, bleib dir selbst treu.

www.souldust.net

Über den Autor

Martin liebt drückende Bässe, die nicht nur den Magen berühren sondern auch den Geist zum Tanzen bringen. Dreckige Clubs stehen generell oben auf der Liste, während der Hochglanzladen mit Glastheke eher unbesucht bleibt. Immer auf der Suche nach dem neusten Beat, dem frischen Groove und dem mitreißenden Sound schreibt Martin seit Jahren für unterschiedliche Musikmagazine und Blogs ohne dem großen Hype hinterherzulaufen.

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