Was für ein geiler Trip – aber fangen wir lieber vorne an: Holly North kündigt sein neues Album Odyssey auf 3000 Grad Records an. Nahtlos knüpft er damit an die vorausgehende Single Rebel an, die mit einem beeindruckenden Mollono.Bass Remix um die Ecke stiefelt. Rebel ließ schon erahnen, dass da etwas besonderes auf die Szene zukommt und wir wurden von Holly North nicht enttäuscht.

Ein einzigartiges Album schießt Holly North hier in den Orbit und lädt den Hörer auf eine fantastische Reise durch die Welt des Melodic Techno und Melodic House ein, ohne Berührungsängste zu Trance und weiteren progressiven Spielarten der Genre-Klaviatur zu haben. Ein Freigeist genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Man taucht förmlich in den dichten und berauschen Klang aus Beat, liebevoll inszenierten Synthesizer-Melodien und butterweichen Flächen. Odyssey versetzt in einen außergewöhnlichen Zustand zwischen Gänsehautfeeling wie bei „Thawra“ und melancholischer Aufbruchsstimmung wie in seinem Track „Meer“ in ein neues und vor allem tanzbares Morgen.

Endorphine fliegen hier Hand in Hand durch die endlose Nacht auf der Suche nach dem Morgengrauen. Eine wirklich epische Odyssey. Wir haben mit Holly North über die Arbeit im Studio, das Album und 3000Grad gesprochen.

 

Cello, Klavier und Bass – Deine musikalischen Fähigkeiten sind breit aufgestellt. Welche Vorteile bringt das für die Produktion im Studio mit sich?

Ich denke, es sind vor allem die intuitiven und mir gar nicht so sehr bewussten Prozesse in der Produktion, bei denen mir erst im Nachhinein auffällt, dass mein musikalischer Background sicherlich geholfen hat. So kann ich am Klavier beispielweise leicht Ideen finden und kann durch Variationen in der gleichen Harmonie direkt ganze Tracks erschaffen, bevor ich überhaupt mit der eigentlichen Produktion beginne. Ich komme immer erst von der Musik zur Produktion und technischen Umsetzung, selten andersherum.

 

Du hast regelmäßig Releases auf Traum Schallplatten, Bar25, Curiosity Music und nun ein Album auf 3000Grad – wie wichtig ist Dir die Zusammenarbeit mit einem Label? Worauf legst Du Wert?

Die Zusammenarbeit mit Labels ist nicht nur deshalb wichtig, weil sie mir eine künstlerische Plattform und Reichweite gibt, sondern auch weil sich musikalischen Vorstellungen von Künstler und Label wunderbar ergänzen und gemeinsam ein sehr schönes Endresultat erzeugen können.

Besonders wichtig finde ich, wenn ein Label die Musik in den Vordergrund einer Veröffentlichung stellt und eben nicht so sehr darauf guckt, ob und wo es derzeit „reinpasst“.

Wenn ich merke, dass es dem Label wirklich ernst um die Musik ist, dann fühle ich mich in der Regel auch wohl. Mit den tollen Menschen von 3000Grad ist das definitiv der Fall.

Wie lange hast Du an deinem Album Odyssey“ gearbeitet und welches Konzept hast Du verfolgt?

Ich habe über das letzte Jahr unglaublich viel produziert und Ideen gesammelt. Dass daraus ein Album werden würde, hatte ich eigentlich nicht auf dem Schirm. Umso länger ich dann aber an den Stücken saß, desto mehr bekam ich das Gefühl, dass die Tracks sich gegenseitig super zu einer kleinen Erzählung ergänzen – auch gerade, weil sie nicht immer 100-prozentig zueinander „passen“.

 

Woher nimmst Du im Allgemeinen die Inspiration und Kreativität für Deinen Output?

Wahrscheinlich nehme ich die meisten Ideen aus alltäglichen, mich umgebenen Sounds. Ich habe beispielweise nur sehr selten Kopfhörer drin, wenn ich unterwegs bin, weil ich mir oft denke, dass mir dadurch viele Klänge und somit potenzielle Ideen abhandenkommen könnten.

Dabei kann der urbane Sound der Straße, das Klappern eines Baugerüsts oder das Plätschern von Regentropfen genauso inspirierend sein wie der satte Klang eines Synthesizers.

Die Melodien kommen dann schon von ganz allein.


In der Corona-freien Zeit warst Du viel auf Tour – welche Orte, Festivals und Locations sind Dir dabei besonders ans Herz gewachsen?

Da ich nur Live spiele, finde ich es grundsätzlich toll zu sehen, wie meine Musik sich in verschieden Orten entfalten kann und wie sie den Raum und die Atmosphäre immer wieder anders verändert. Insbesondere in Erinnerung geblieben ist mir eine super durchgeschwitzte Clubshow auf dem kleinen und engen Floor im Bunker in Kiel kurz vor dem ersten Lockdown Anfang letzten Jahres. Dar war es proppe-voll und Musik und Menschen haben sich gegenseitig immerweiter hochgestachelt . Da hat alles gepasst und die Stimmung war großartig!

 

Gibt es auch positive Erfahrungen, die Du aus der Corona-Krise mitgenommen hast?

Ja, viel tolle neue Musik! Und darüber hinaus die Erkenntnis, dass eine Gesellschaft solidarisch sein kann, wenn sie will. Hoffentlich zeigt sie das auch weiterhin und auch in anderen Bereichen, in denen es eben nicht nur um sie selbst geht.


Welche Ziele verfolgst Du in den nächsten Monaten?

Ich produziere weiterhin viel und plane meine nächsten Veröffentlichungen – dieses Jahr kommen neben dem Album noch zwei weitere EPs raus. Gleichzeitig arbeite ich an einem Musikkurzfilm, in denen auch Songs vom Album eine Rolle spielen werden, und ein paar anderen Kollaborationen sowie Remixes.

Das wichtigste wäre mir, bald mal wieder zu spielen und so meine Musik unter die Leute bringen zu können.

Holly North – Odyssey erscheint am  18.06.2021 auf 3000Grad Records.

 

Über den Autor

Martin liebt drückende Bässe, die nicht nur den Magen berühren sondern auch den Geist zum Tanzen bringen. Dreckige Clubs stehen generell oben auf der Liste, während der Hochglanzladen mit Glastheke eher unbesucht bleibt. Immer auf der Suche nach dem neusten Beat, dem frischen Groove und dem mitreißenden Sound schreibt Martin seit Jahren für unterschiedliche Musikmagazine und Blogs ohne dem großen Hype hinterherzulaufen.

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