Meine Stadt: Tobi Ettle. Vom Feinstaub gar nicht zu sprechen.

„Meine Stadt“ kann ich mittlerweile durchaus sagen und auch denken – lebe ich doch schon bald über 15 Jahre in Stuttgart. Um so mehr fühlte ich mich ein bisschen geschmeichelt, als der Patze mir das Befüllen eben jener Kolumne übertrug: Kommen doch an dieser Stelle ausnahmslos solch edle Recken wie der RAM (siehe letzte Ausgabe) zu Wort!

Mit mir und dem Kessel ging es eigentlich schon los, bevor ich hierher gezogen bin. Einer meiner besten Freunde lebte dort und bei Besuchen am Wochenende durfte ich solche fantastischen Etablissements wie das “Unbekannte Tier“ oder den „Weißen Raben“  kennen lernen. Zweifelsohne waren das damals tolle Zeiten und das sage ich nicht, weil ich zu der Sorte Menschen gehöre, die früher alles besser fanden, sondern weil ich jung, ausgelassen und extrem lebenshungrig war. Ich glaube aber auch ohne Übertreibung behaupten zu können, dass das damals in Sachen Nachtleben die besten Zeiten in Stuggitown waren. Danach hat mich nur noch die Ära  „Le Fonque“ richtig gerockt.

Über die Zeit meiner Ausbildung in Berlin und Umgebung sowie längere Auslandsaufenthalte, vor allem in Indien, hatte ich Stuttgart dann gar nicht mehr so recht auf dem Schirm, bis ich meine Freundin kennen lernte, die eben dort studierte. Also stopfte ich an einem verschneiten Dezembertag einen Ford Transit mit meinen Habseligkeiten voll und machte mich, damals wieder von Bayern aus, auf den Weg ins Städtle. Ein Achsbruch des Transits kurz vor Schorndorf (!) konnte mich auch nicht mehr aufhalten und ich zog in eine WG in Bad Cannstatt ein.

So war das am Anfang mit mir und dieser Stadt. Es lief nicht immer alles glatt, aber das war in anderen Städten, in den ich davor lebte, auch nicht anders. Deppen, nervige Dinge und widrige Umstände gibt es überall auf der Welt – und zum Glück auch das Gegenteil.

Während mir in jungen Jahren Berlin wie der Nabel der Welt erschien, muss ich heute gestehen, dass ich dort auf keinen Fall mehr leben möchte. Dort ist mir vor allem auf die Nerven gegangen, dass man immer und überall anstehen musste, wenn man in einen Club, ein Theater oder auch ins Kino hinein wollte. Oder man stand blöd im Stau an den Ausfallstraßen, wenn man am Wochenende zur vermeintlichen Naherholung die Stadt gen Wannsee oder Stralsund verlassen wollte: Einfach zu viele Menschen, die den gleichen Gedanken haben. Dieses Problem habe ich im Kessel nicht, denn hier ist alles extrem überschaubar und die Anzahl der Mitbürger hält sich auch in Grenzen.

Nun, ich bin ja irgendwie per Zufall hierher gekommen. Unumwunden gebe ich auch gerne zu, dass es meiner Freundin zum Beispiel in München und mir etwa in der Schweiz auch recht gut gefallen würde. Oder in Wien.

Sei es drum. Ich bin hier hängen geblieben und es ist schon 12 Jahre her, dass ich meinen  Schallplattenladen auf dem Kleinen Schlossplatz aufgemacht habe. Und mit der Neueröffnung meines Ladens nun in der Hauptstätter Straße bin ich mir ziemlich sicher, nach wie vor den richtigen Standort gewählt zu haben.

Wenn mich allerdings jemand fragt, was mich hier wirklich nervt, dann ist es wohl die Verkehrspolitik. Ich würde mir die Innenstadt autofrei wünschen und diese irrsinnigen Trassen mitten durch die Stadt dicht machen – total uncool und obendrein echt menschenfeindlich. Vom Feinstaub gar nicht zu sprechen.

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