Alex Scholz und diese „nicht genehmigte Schankwirtschaft” im Club Prag

Hallo Alex! Super, dass du in der Vorbereitung auf das Prag-Jubiläum ein bisschen Zeit hast, um mit uns über deinen Club und die Stuttgarter Technoszene zu reden.

Ihr feiert in diesem Jahr schon das 12-Jährige des Club Prag. Wie kam es damals dazu, dass ihr einen Club eröffnet habt?

Mein Partner Chris List hatte in den heiligen Hallen bereits Anfang 1995 Partys veranstaltet und Ärger mit der Polizei bekommen, da diese eine „nicht genehmigte Schankwirtschaft“ vermutete. Er hat sich dann vorgenommen, das Ganze zu legalisieren und mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte aus dem Lager einen Club zu machen. Ich hab nicht lange überlegt und zugesagt. Dann haben wir fast ein Jahr lang alleine und mit Hilfe von Freunden umgebaut. Eröffnung war dann Ende September 1996.

Welche Läden gab es sonst noch in der Zeit und welche davon sind immer noch im Rennen?

Puh… viele sind nicht mehr da, zumindest unter den gleichen Betreibern. Das Toy (oder wie es auch immer gerade heißt) fällt mir ein und der Perkins Park. Ach ja, das N-Pir hat kurz vor uns eröffnet. Wahnsinn, nicht mehr viele übrig. Ein bisschen leid tut es mir um das M1 – da dachte ich immer, dass es das ewig gibt. Aber der gute Bubi hat wohl versäumt mit der Zeit zu gehen?!

Mit der Neuen Heimat hattet ihr eine der erfolgreichsten Technopartys in ganz Deutschland in eurer Location zu Gast. Welche Partys liefen noch von Anfang an?

Der 0711 Club war zur gleichen Zeit eine der erfolgreichsten HipHop-Veranstaltungen Deutschlands und lief freitags, logischerweise mit einem komplett anderen Publikum. Unser heutiger „Crossover Friday“ war früher der „Crossover Thursday“ und die „Klangfabrik“, die einmal im Monat die Gothic-Szene bei uns versammelt, war unser Dienstag. Das ist sicherlich auch der Schlüssel, warum wir so lange überleben können – ganz unterschiedliche Szenen, die das Prag auf ihre Weise lieben.

Bei all den vielen Partys war sicher auch eine ganz besondere dabei. Welche blieb dir am meisten in Erinnerung?

Das ist 100% die „Eclipse“ zur Sonnenfinsternis 1999, da bekomme ich immer noch Gänsehaut. Wir hatten auf dem Hof des Prags ein Open-Air gemacht und Sven Väth und Jeff Mills haben aufgelegt. Wenn ich mich recht erinnere, lief “Knights of the Jaguar“ von DJ Rolando, als das „Licht ausging“.

Die Party fing an einem Dienstag (!) um 10 Uhr an und endete am Mittwoch ungefähr zur gleichen Zeit. Unvergessen ist, dass irgendwann am frühen Abend eine Bedienung zu mir kam und fragte, was sie machen soll, weil sich Sven Väth mit zwei Mädels in unserem Lager verlustiert. Ich war etwas ratlos und meinte dann, sie solle warten bis er fertig ist.

Gab es auch irgendwelche richtig großen Pannen oder schräge Erlebnisse, die du nicht vergessen wirst?

Ehrlich gesagt fällt mir da, außer Sven Väths Eskapaden an den ungewöhnlichsten Orten im Haus, nichts ein. Ich und mein Partner sind ziemlich akribische Planer und daher sind wir meist auf alles vorbereitet. Ah, doch, eine Sache war der Hammer: 3 Jahre 0711 Club, ca. 1.000 Leute vor der Tür und keine Absperrgitter, so dass wir Mühe hatten die drängende Meute in Schach zu halten.

Wir haben zwei Minuten nach der Cluböffnung die Türsteher in den Laden geholt und die Türe abgeschlossen. Und während sich die Leute vorne schier kaputt gedrückt haben, haben wir den Eingang an den Biergarten verlegt und die Leute dort in den Club geholt. Das war heiß!

In letzter Zeit waren die elektronischen Events im Prag leider nicht mehr so regelmäßig, ab September startet ihr wieder monatlich durch. Wieso die Entscheidung wieder Techno zu spielen?

Techno ist ein schwieriges Geschäft geworden, weil die Gagen der DJ’s immer noch sehr hoch sind im Vergleich zu anderen Musikrichtungen. Dazu kommt, dass die Szene geschrumpft ist. Wenn man sich überlegt, man hat Adam Beyer im Laden, der Ende der 90er 800 Leute gezogen hat, und es kommen gerade noch 200 Leutchen, dann ist das ein „Drauflegegeschäft“. Wir haben dann entschieden nur noch spezielle Dates zu machen. Jetzt haben wir für die Technoevents den Rapha mit seiner Excess Agency, der uns unterstützt und schauen, was passiert.

Wenn du dich mal nicht um deinen Club kümmerst – wo zieht es dich zum Relaxen in Stuttgart hin?

Relaxen?! Was ist das? Wenn ich mal Zeit habe, dann lege ich mich auf mein Sofa. Nein, Spaß bei seite, ich habe mit meinem Partner noch zwei andere Betriebe und eine Cateringfirma und komme momentan zumindest kaum zum Relaxen. Wenn ich dann mal Zeit habe, setze ich mich in ein gutes Restaurant und lasse mich verwöhnen oder ich lege mich im Sommer an unseren schönen Stadtstrand und esse ein Eis. Mehr ist geradenicht drin.

Wir wünschen euch im Club Prag eine super Jubiläumsparty und bedanken uns bei dir für das Interview!

Danke Euch! Übrigens toll, dass es Euch auch noch bzw wieder gibt.

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