Guy Gerber’s Cocoon Album-Debut ist wohl einer der mit am meisten Spannung erwarteten Tonträger des Jahres. Der Israeli, der hinter Hits wie „This is Balagan“, „Sea of Sand“, oder „Belly Dancing“ steckt, hat sich mit seinen Produktionen binnen kürzester Zeit einen Namen im Techno-Business gemacht. Druckvoll minimal, langatmig und hypnotisch, so springt er zwischen den Stühlen hin und her, ohne den eigenen Sound und seine charakteristische Handschrift zu verlieren.


Guy, Du hast Dein Label „Supplement Facts“ vor einigen Monaten gegründet, was können wir von diesem Imprint in der kommenden Zeit erwarten und warum hast Du in solch Musikwirtschaftlich unsicheren Zeiten den Schritt zur Labelgründung gewagt?

Das Label ist mein eigenes, privates Projekt, in dem ich auch meine Design-Ideen ausdrücken kann und das eine weitere Plattform für mich darstellt, bei der ich mehr Kontrolle darüber habe, welchen generellen Sound das Label fährt. Bis jetzt hatte ich nicht viel Zeit, mich darum zu kümmern und war auch nicht sicher, was die Ausrichtung angeht, aber vor kurzem habe ich einige neue Tracks von Chaim und David K. gesignt. Um Ehrlich zu sein, ich denke, Vinyl verkauft sich immer noch und Musik in diesem Format zu besitzen, ist die aufregendste Form von Sammlerei.

Das Kick-off-Release „This Is Balagan“ hat sofort Sven Väth´s aufmerksamkeit erregt, nun bist Du Teil des gigantischen Cocoon-Universums. Fühlst Du Dich in diesem Umfeld so wohl, wie man meinen könnte?

Cocoon ist zunächst eine Familie und zwar eine, die sich kümmert. Sven´s Persönlichkeit ist inspirierend für viele der führenden Künstler im Bereich des modernen Techno, also fühle ich mich natürlich privilegiert, ihm so nahe sein zu dürfen. Sie lassen mich dort tun, was ich möchte. Ich denke, obwohl mein Sound nicht typisch für Cocoon ist, mögen sie ihn sehr.

Deine erste Welt-Tour steht bevor, auf welche der vielen Locations und Länder bist Du besonders gespannt?

Ja, es ist meine erste Welt-Tour und für mich ist es, als ob ein Traum wahr wird. Wir werden T-Shirts mit dem Album-Cover und den Tourdates machen. In den meisten Locations habe ich bereits gespielt, aber ich war beispielsweise noch nie in Australien und ich bin immer neugierig auf Südamerika, dort kann einiges passieren. Japan finde ich auch faszinierend.

Dein erstes Artist-Album „Late Bloomers“ wird im Mai veröffentlicht, wie würdest Du es beschreiben und welcher der enthaltenen Tracks ist Dein persönlicher Favorit?

Es war nicht einfach, dieses Album fertig zu stellen, ich hatte so viele Auswahl-Möglichkeiten, was Tracks angeht, in meiner Bibliothek. Ich wollte, dass es klingt wie eine ganzeitliche Kreation, nicht wie eine Sammlung von Tracks. Nachdem ich bei der Planung eine Weile nicht weiter kam, legte ich den Hauptbestandteil meiner Musik auf die Eigenschaften “hypnotisch” und “romantisch” fest. Mein Lieblingstitel ist der namensgebende “Late Bloomers”, welcher sehr breitwandig und aufwändig angelegt ist.

„Belly Dancing“ und „Sea Of Sand“ sind nur zwei Beispiele für den sehr warmen, fliessenden und sphärischen Sound, den man mit Dir in Verbindung bringt. Warst Du schon immer ein eher melancholischer Typ oder haben sich diese Sound-Präferenzen aufgrund Deines ständigen Aufenthalts in Tel Aviv entwickelt?

Es ist komisch, denn für mich sind alle Melodien, die ich schreibe, zwar melancholisch aber gleichzeitig auch optimistisch. Beide Tracks wurden in verschiedenen Zeiten produziert, in denen ich allerdings emotional tief frustriert war. Tel Aviv hat einen grossen Einfluss auf mein Schaffen, auch in dem Sinne, dass ich hier eine grosse, künstlerische Freiheit geniessen kann, seit die lokalen Gegebenheiten sich verändert haben. Generell habe ich eine Menge an schönen Dingen und Liebe in meinem Leben, also denke ich, meine Musik ist ein Produkt aus diesen Faktoren.

Was ist der deutlichste Punkt der Veränderung für Dich als Künstler, seit „Sea Of Sand“ die Clubs weltweit erobert hat, kannst Du markante Unterschiede fest stellen?

Das wichtigste für mich ist, dass seitdem eine Menge Mädchen meine mySpace-Seite anklicken (grinst). Auf der musikalischen Seite muss ich mich seit neuestem um das Problem des Schubladendenkens kümmern, das viele an den Tag legen, denn vorher habe ich ohne viel Gedanken an Genres und Trends produziert. “Sea Of Sand” wurde von vielen Minimal-Djs gespielt, obwohl mein Style nicht besonders minimal ist. Ich denke, mit Tracks wie “Belly Dancing” oder “MySpace” (mit Chaim) habe ich mir selbst bewiesen, dass ich die Dinge immer noch auf meine Art anpacke und mich nicht wiederhole.

Das denke ich auch. Spielst Du eigentlich auf der Cocoon Summer Residency 2007 auf Ibiza?

Ja, ich spiele am 30. Juli mit Sven im Main Room und Loco Dice und Martin Buttrich auf der Terasse. Ich mag diese Jungs sehr und bin froh, mit ihnen auf dem LineUp zu stehen.

Was sind Guy Gerber´s Pläne für die nähere Zukunft, was können wir demnächst von Dir erwarten?

Mehr Releases auf meinem Label und einige neue Remixe, die ich soeben fertig gestellt habe. Ich möchte mich auch ein bisschen ausruhen und mich auf meine DJ-Skills und mein Live-Set konzentrieren. Des Weiteren werde ich die Möglichkeit geniessen, jede Woche einen neuen Teil der Welt zu sehen, bevor ich wieder ins Studio gehe, um an meinem nächsten Album zu arbeiten, welches vermutlich etwas poppiger werden und auch richtige Songs enthalten wird. Ich weiss nicht. Lass uns einfach sagen, dass ich es liebe, im Studio zu sein. Ich bin ein Freak, wenn es um Musik geht.


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