Der Aufstand im Schlaraffenland ist vorbei. Die Deichkinder folgen jetzt dem Befehl von ganz unten. Vier Jahre nach ihrem letzten Album sind sie mit einem neuen Werk zurück. 

Direkt bevor sie sich auf den Weg nach Hamburg zum finalen Mastering der neuen Tracks gemacht haben, konnten wir Philipp noch schnell ans Telefon bekommen. Trotz des Masteringtermins und der bevorstehenden Tour hat er sich viel Zeit für ein ausführliches Gespräch genommen und mit uns über den Entstehungsprozess des Albums, die Tour und die Liveshow gesprochen.

„Am Album haben wir alle ganz schön lange gearbeitet, da wir mittlerweile nicht mehr die ganze Zeit zusammen abhängen, sowie früher. Bei allen Deichkindern ist die Situation anders. Ein Großteil der Band lebt in Hamburg, ich habe das Studio aber in Berlin Kreuzberg. Der eine Teil von uns hat schon Familie und Kinder, der andere ist aufs Land gezogen und hat sich ein Häuschen gekauft. Jeder hat so seine eigenen Dinge zu tun und da alle unter einen Hut zu bekommen ist ganz schön viel Arbeit. Für den Befehl von ganz unten haben wir uns deshalb immer mal wieder getroffen und uns dann für ein paar Tage oder Wochen zurückgezogen.

Wir haben uns gemeinsam 2 Wochen ein Haus in der Pampa gemietet, haben gemeinsam unsere Zeit verbracht, gearbeitet und Videogames gezockt. Die Idee, das gleiche auch in München bei Freunden so zu machen hat aber nicht so gut geklappt. Die Ablenkung durch die Biergärten, den Englischen Garten, die Haxen und die leckere Eisdiele ums Eck waren einfach zu groß und wir sind nach zwei Wochen wieder abgefahren, ohne was gearbeitet zu haben. Wie du jetzt aber siehst, haben wir die Deadline Anfang März nie aus den Augen verloren und können das Album jetzt fertig machen und zum Pressen geben.“

Die gemeinsame Arbeit hat sich zum einen so in die Länge gezogen, da alle Mitglieder der Band auch eigene Projekte haben und ihre Familien haben – ein anderer Grund war der Tod von Produzent Sebi vor mittlerweile 3 Jahren.

Als Sebi starb war dass für uns alle ein großer Schock. Er war nicht nur unser Produzent, sondern auch mein bester Freund. Für den Befehl von ganz unten haben wir mit Roy Knauf einen neuen Kopf im Studio dabei gehabt, der jetzt sein erstes komplettes Album produziert hat. Er hat schon bei Peter Fox in der Band gespielt und mit Miss Platnum zusammen gearbeitet und passt super zu uns.“

Auf der ersten Single vom neuen Album „Illegale Fans“ kann man schon hören, wohin einen die Deichkinder mit dem neuen Album führen werden. Es gibt wie gewohnt elektronische Beats mit kritischen, gesellschaftsrelevanten Texten, die man aber nie allzu ernst nehmen sollte. Dass zieht sich vom Albumtitel bis in die einzelnen Songs hinein.

Deichkind! Befehl von ganz unten…„Den Namen des Albums kann man gar nicht so wirklich erklären, denn das wäre als ob man einen Witz erzählt und ihn am Schluss noch mal erklären muss. Es soll einfach ein Gegensatz zum klassischen Befehl von ganz oben sagen. Es soll damit aber keine politische Meinung vertreten werden, oder sie dem Publikum aufgedrängt werden. Wir wollen den Leuten einen Spiegel vorhalten, damit sie sich ein bisschen Gedanken über die Gesellschaft machen. Dabei nehmen wir uns aber nie zu ernst und hoffen auch, dass die Leute das nicht tun.“

Über die Themen „politische Meinung“ und „Aktuelles in der Gesellschaft“ sind wir dann auch unweigerlich auf den Bahnhofsneubau in Stuttgart gekommen. Deichkind haben in den vergangenen Jahren schon in der Röhre und im Rocker33 gespielt, die jetzt beide den Bauplänen zum Opfer gefallen sind.

„Wir finden es einerseits schade, dass so tolle Clubs wegen einer Baustelle aus dem Nachtleben verschwinden. Allerdings heißt das nicht, dass wir Gegner von Stuttgart21 sind. Das Ganze ist eine sehr komplexe Angelegenheit, die wir als normale Leute gar nicht komplett durchschauen können. Wir sind ja auch Musiker und keine Politiker. Außerdem haben wir doch eine große räumliche Distanz, da wir in Hamburg und Berlin leben. Wenn wir unsere Bude jetzt direkt neben dem Bahnhofsgelände bei euch in Stuttgart hätten, würden wir da sicher auch nochmal anders drüber denken.“

Auch sonst sind sie gegen eine „gegen alles“-Haltung. Trotz der Kritik in ihren Texten und dem Image der Vollblut-Partyband, sehen sie das Projekt Deichkind, die Musik und die Auftritte als normalen Job an.

„Klar wollen wir, dass die Besucher bei unseren Shows Spaß haben und mit einem guten Gefühl nach Hause gehen. Wir rufen aber nicht dazu auf, dass die Leute nur noch Bier trinken, Deichkind hören und nicht mehr zur Arbeit gehen. Das Musikerdasein macht zwar Spaß, ist für uns aber ein anstrengender Fultime-Job. Dass sieht man ja auch daran, dass wir bei Universal unter Vertrag stehen und zum Beispiel mit Jägermeister zusammen arbeiten. Nur so können wir unser Leben und unsere Bühnenshows finanzieren.“

Die Finanzierung der Bühnenshows sollten Deichkind bitte auch noch weiter durchführen, denn die sind ein absolutes Erlebnis. Allerdings ist die Show gar nicht so durchgeplant, wie sie immer aussieht.

„Unsere Show wird nicht von vorherein geplant, sie entwickelt sich eher immer weiter. Bei jedem Auftritt merken wir, wo wir noch etwas verbessern können und welche Elemente nicht so gut passen. Deswegen mögen wir es auch nicht, wenn von einer Choreografie gesprochen wird, weil sich das so nach Drehbuch anhört, mit dem alles durchgeplant ist. Klar müssen einige Bühnenelemente im Voraus entwickelt und gebaut werden, wer dann aber wo auf der Bühne steht und welches Teil auf dem Kopf hat verändert sich immer. Wir perfektionieren die Show da immer und bis wir dann Mitte März bei euch in Stuttgart sind, geht es schon gut ab und ist bis zu den Festivals ausgereift.“

Bei den Festivals wird es für Deichkind in diesem Sommer dann auch nochmal eine Nummer größer wie bisher. Nachdem sie die letzten Jahre schon bei der Sonne, Mond & Sterne und beim Southside gespielt haben, kam in diesem Jahr der Ritterschlag.

Deichkind! Befehl von ganz unten…„Die Veranstalter von Rock am Ring und Rock im Park haben endlich einen Scheck geschrieben, der uns überzeugt hat. Wir freuen uns schon sehr darauf, neben Metallica und Linkin Park zu spielen und haben auf der zweiten Stage dann die beste Uhrzeit für unseren Gig. Auf so einem großen Festival aufzutreten ist auch für uns etwas besonderes, da die Leute 3 Tage lang am Feiern sind und komplett entspannt zu unserem Auftritt kommen. Unser Zeitplan ist dort zwar ziemlich eng, da wir mittlerweile mit einer großen Crew und mehreren Nightlinern und Trucks unterwegs sind, aber ich freue mich auch schon drauf, noch ein paar andere Bands zu hören.“

Dann wünschen wir Philipp und dem Rest von Deichkind viel Spaß bei der Tour und bei den Festivals. Euch empfehlen wir, dass ihr euch das neue Album mal anhört und dann zu einem der Tourtermine in der Nähe geht:

Infos zu Deichkind by partysan.net

Deichkind macht auf Pantomime beim Frequency Festival!

 

“BEFEHL VON GANZ UNTEN”

Do. 01.03.12 Rostock – Stadthalle
Fr. 02.03.12 Bielefeld – Ringlokschuppen
Sa. 03.03.12 Dortmund – Westfalenhalle2
Mo. 05.03.12 Düsseldorf – Mitsubishi Electric Halle
Di. 06.03.12 Frankfurt – Jahrhunderthalle
Mi. 07.03.12. Stuttgart – Schleyerhalle
Do. 08.03.12 Saarbrücken – E-Werk
Sa. 10.03.12 Chemnitz – Stadthalle
So. 11.03.12 Mannheim – Maimarktclub
Mo. 12.03.12 Balingen – Volksbankmesse
Di. 13.03. Kempten – bigBOX
Do. 15.03.12 Erlangen – Heinrich-Lades-Halle
Fr. 16.03.12 Würzburg – s.Oliver Arena
Sa. 17.03.12 München – Zenith
Mo. 19.03.12 CH-Zürich – Maag Event Hall
Di. 20.03.12 A-Graz – Stadthalle
Mi. 21.03.12 A-Wien – Stadthalle
Do. 22.03.12 A-Linz – Tips Arena
Sa. 24.03.12 Erfurt – Thüringenhalle
So. 25.03.12 Berlin – Columbiahalle
Mi. 28.03.12 Braunschweig – VW Halle
Do. 29.03.12 Hamburg – O2 World

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