Hey Brian, wir kennen uns ja mittlerweile schon ein paar Jahre, seither hat sich bei Dir ja unglaublich viel getan. Das erste Mal hast Du 2006 bei uns gespielt, erst im On Club in Reutlingen, dann auf der ersten Day and Night in Pfullingen – damals haben wir noch gemeinsam Boxen durch die Gegend geschleppt! Ich kann mich auch noch gut daran erinnern, wie Du mit Deinem Kumpel, dessen Namen ich leider vergessen habe, noch in einem kleinen Opel von Frankfurt zu uns „aufs Land“ getuckert bist, Mensch, von der Zeit gibt‘s ne Menge lustiger Geschichten! Wie ist das für Dich, wenn Du auf die Zeit Deiner Anfänge und der damaligen „Semi-Professionalität“ zurückschaust ?

Hahaha, weißt Du noch, wie wir uns kennengelernt haben und Du mich durch den Club getragen hast? Ich kann nur sagen: Es kommen immer mehr lustige Geschichten dazu. Aber das ich mit einem Kumpel und seinem Opel aufs Land fahre, 20 Stunden Party mache und mit einem Kumpel das Hotelzimmer teile, der nicht eine Sekunde schläft weil er sich zu viel Kaffee gegeben hat ;-), das alles würde heute nicht mehr passieren. Aber dafür passieren andere Sachen, die mindestens genauso lustig sind.

Ebenfalls zu dieser Zeit hatte ich Dich auch das erste Mal in Deinem Studio in Frankfurt besucht. Soweit ich weiß, sind die Räumlichkeiten nach wie vor dieselben, auch wenn sich innerlich viel verändert hat: „Enable Records“ gibt es nicht mehr, aber Chris Liebing ist nach wie vor Dein Studio Nachbar. Erzähl doch mal, wie bei Dir damals alles anfing und wie der Kontakt zu Chris Liebing und CLR zustande kam?

Die Story ist eigentlich echt lustig: Der Kontakt kam über ein guten Freund Toe, der wiederum ein alter Freund vom Chris ist. Er hat damals mein allererstes Release auf seinem Label veröffentlicht. Toe und ich sind damals zusammen mit einem Kumpel ins Pallazzo zu Chris gefahren, dort hat Toe ihm meine neue Platte als Promo in die Hand gedrückt und mich kurz vorgestellt  Toe gab ihm noch seine Tasche mit der Bitte, sie beim DJ Pult irgendwo zu bunkern. Das hat Chris auch gemacht und die Tasche lag dann den ganzen Abend genau unter seinen Füßen. Damals war die Frau von Chris noch mit im Club und wir haben uns fast den ganzen Abend lang genau hinter Chris unterhalten, während er spielte.

Am Ende des Abends hat es wirklich ein ganz flinker Finger geschafft, aus der Tasche, die wie gesagt genau unter Chris lag und die ich eigentlich permanent im Blick hatte, mein Handy und Toe‘s Portmonee zu klauen. Eigentlich hatten wir vor, mit dem Zug nach Hause zu fahren, da unser Kumpel, der uns hingefahren hat, schon nicht mehr da war. Naja ohne Geld geht das nicht und darauf hin hat Chris angeboten, uns mitzunehmen, da er auch in Frankfurt wohnt. ZACK KENNENGELERT!!

Ich muss Chris mal fragen, aber ich glaube nicht, dass er sich heute noch an die Story erinnern kann. Es war auch eher seine Frau, mit der ich darauf hin wirklichen Kontakt hatte und mit der ich schon befreundet war, bevor ich großartig mit Chris zu tun hatte.

Tja und dann ist eines zum anderen gekommen. Tina hat mich ab und zu verbucht und mir immer die Playtime vor Chris gegeben. Das hat ganz gut funktioniert, da ich meistens besser für Chris vorbereiten konnte als ein Resident DJ. Irgendwann wurde aus dem ab und zu ein exklusives Ding und zwar noch bevor es die heutige CLR Booking Agentur gab. Dann musste natürlich auch mal ein Release her und schwupp war ich offiziell bei CLR.

Mittlerweile bist Du fester Bestandteil der CLR Familie, spielst regelmäßig rund um den Globus, sowohl im Rahmen der CLR Nächte als auch allein. Was macht für Dich die Arbeit mit dem CLR Kollektiv so besonders? Was findest Du dort, was Dir andere Labels oder Agenturen nicht bieten können?

Ganz einfach: Gute Freunde!

Welche Rolle spielt Chris Liebing für Euch „Junge“ wie Tommy, Sascha oder für Dich selbst? Seht Ihr ihn als Chef, Partner, Vorreiter, Mentor, Freund, kreativer Kopf, treibende Kraft? Alles von allem oder gar etwas ganz anderes ?

Eigentlich ist er für uns alles in einer Person, aber in erster Linie ist Chris ein guter Freund.

Dazu kommt noch, dass er für mich ein sehr inspirierender Mensch ist, was das Leben an sich angeht. Lach, Monoloc sagt gerade: „Chris ist unser Papa!“

Vor einigen Wochen hatte ich das Vergnügen, ein Interview mit Chris führen zu dürfen. Ich finde es sehr faszinierend, dass er immer versucht, Euch zu pushen. Er nimmt sich oft bewusst zurück, um Euch dadurch eine bessere Plattform und Präsentation zu ermöglichen. Ich finde das sehr beindruckend.  Einerseits ist das Euch gegenüber ein großer Vertrauensbeweis und andererseits eine besondere Verantwortung für Euch, oder wie siehst Du das?

Ich kann Dir da nur Recht geben. Es geht auf CLR Partys nicht „nur“ um Chris, sondern um uns alle – das ist ja der Sinn der Sache. Wir müssen auf so einer Party alle zusammen arbeiten, so sehe ich das auf jeden Fall. Ich für meinen Teil sehe mich auf einer CLR Party auch nicht nur als Live Act und ich würde alles sofort tun, damit die Party funktioniert – sofern ich nicht allzu betrunken bin;)

Wir in  Stuttgart kommen ja regelmäßig in den Genuss des CLR Sounds. Seit 2012 habt Ihr im Lehmann Club eine feste Residency. Was macht dieser Club für Dich aus und warum passen das Lehmann und CLR so gut zusammen?

Ganz einfach: Das Lehmann ist einfach ein saugeiler Laden und die Stuttgarter sind ein mega cooles Publikum, mit dem die Feierei super Spaß macht! Ich spiele ja schon seit längerem regelmäßig in Stuttgart und habe dort noch nie eine schlechte Party gehabt.

Wie ist das eigentlich, wenn Ihr mit eurer „Bande“ auf Tour seid: Hat da eigentlich jeder eine bestimmt „Aufgabe“? Der eine  ist der „Klassenclown“, einer ist eher der „Aufpasser“, dann vielleicht einer eher der „Ruhigere“ oder „Ernstere“, einer ist der „After Hour König“ oder der „Weiberheld“ und einer, der immer zu spät kommt etc.? 😉

Ja, das ist definitiv so, aber wer was ist, bleibt ein CLR internes Geheimnis! 😉

Wenn Du den CLR Sound mit wenigen Worten beschreiben müsstest, wie würdest Du das tun?

Ich kann das sogar mit nur einem Wort beschreiben: TECHNO!!!

Du bist ja nicht als Dj unterwegs, sondern als Live Act, wobei heutzutage der Unterschied ja kaum noch greifbar ist. Wie sieht Dein aktuelles Set-up aus?

In erster Linie liegt der Unterschied bei mir darin, dass ich niemals auf die Idee kommen würde, einen Track von jemand anderem zu spielen. Mit würde es nicht gefallen, wenn die Leute mir zujubeln, obwohl der Track nicht von mir ist. Das ging mir noch nie rein, daher denke ich, werde ich nie ein DJ sein. Momentan spiele ich mit 2 Laptops, einer Native Instruments Maschine, 3 Faderfox Controllern, einem iPad und einem Eventide Effektgerät. Dazu kommt noch der Xone92 als Mixer. Aus dem Ableton Rechner kommen 80% aller Sounds, die ich über 3 Kanäle zum Mixer sende. Gesteuert wird alles über 2 Faderfox Controller und einem iPad. Damit kann ich jeden Sound ein- oder ausschalten, dazu mixen und live komplett neue Tracks produzieren.

Eine detaillierte Erklärung würde aber das Interview sprengen. Ich kann aber sagen, dass ich nicht einfach alles statisch durchklicke, wie es viele andere Live Acts machen. Ich kann z.B. live einen neuen Track produzieren, der aus 10 Sounds besteht, die alle wiederum aus 10 verschiedenen Tracks kommen. Auf dem zweiten Techner habe ich Traktor, mit dem ich hauptsächlich Tools abspiele, die ich im Studio vorbereitet habe und zu meinem Live Act dazu mische. Das sind meistens nur Bassdrums und ein Sound, der sich 6 Minuten lang verändert. Ab und zu spiele ich aber auch mal einen fertigen Track ab und mixe den zu meinem Live Act.

Was Releases angeht, bist Du ja ebenfalls stetig fleißig. Was steht als nächstes auf dem Brian Sanhaji Releaseplan?

Aktuell sind zwei Remixe von mir auf Droid erschienen, das ist das Label von Drumcell. Dann arbeite ich gerade an einem Remix für Motor/CLR. Außerdem kommt noch diesen Monat mein Remix für Jam & Spoon heraus. Danach ist erstmal Schluss mit Remixen, ich habe gefühlte 2 Jahre lang nix anderes gemacht und möchte mich nun um neue Produktionen kümmern. Abgesehen von einem neuen Release auf CLR und auf meinem Label EgoTon werde ich die nächste Zeit im Studio meinem neuen Album widmen, das ich schon lange anfangen wollte. Dazu kommt, dass ich schon seit längerem an einer Sampling CD arbeite.

Seit einigen Jahren bietest Du ja auch professionelles Mastering an. Wie kamst Du dazu und was begeistert Dich an dieser Arbeit?

Das Mastering ist im Grunde genommen mein Alibi, viel zu viel Geld für total geile Geräte auszugeben, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben;). Ich bin dazu wieder über einen Freund gekommen, diesmal war es Patrick, der bei Cocoon arbeitet. Er hat mich irgendwann mal gefragt, ob ich nicht Lust hätte, ein paar Sachen für Cocoon zu mastern. Cocoon Recordings war damals 3 Stockwerke über meinem Studio, das machte die Sache ganz einfach. Da ich vorher schon einiges von Patrick gemastert hatte, wusste er, was ich kann und (damals noch) was nicht. Zu der Zeit bin ich hier im Haus in ein größeres und besseres Studio gezogen und habe alles auf ein sehr hohes Niveau umbauen, ausmessen und verbessern lassen. Nach den ersten Jobs für Cocoon, die ich wohl recht gut gemacht habe, ging’s richtig los und ich hatte so viele Anfragen, so dass es zu einem Job wurde.

Am 16.06. steht dann die nächste CLR Residency an. Diesmal mit Dir, TommyFourSeven und Monoloc. Auf was dürfen sich die CLR Fans freuen und was dürfen sie erwarten ?

Na, ich hoffe ne gute Party!!

Vielen Dank für Deine Zeit – wir sehen uns am 16.6. im Lehmann!

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