Alex Bau Techno DJ GermanySo, heute mach ich es wahr…
was schon mehrmals durch Erdbeben, Regen und sonstige Naturkatastrophen wie Berlin (sorry, ick mach doch nur Spaß, wa?) verschoben werden mußte, kommt heute mal zur Sprache: die Heimat von Speedy Gonzalez und den Azteken (was für ein Vergleich, hä?): Mexiko.

 

Und wir fangen an mit der immer mal angesprochenen, aber nie beschriebenen „zu-Fuß-Einreise“ von Juarez (MEX) nach El Paso (USA), und das, obwohl das mit meiner kleinen Mexiko-Tour im Oktober rein gar nichts zu tun hat weil es sich schon im Februar zugetragen hat. Dennoch wichtig, denn ich kann so endlich mal mit zwei krassen Vorurteilen aufräumen.

Wer hat schon mal den Film „Getaway“ mit Alex Baldwin und Kim Basinger gesehen?
Genau!

Das ist der Streifen in dem im letzten Viertel des Films ein mieses Hotel in El Paso nach allen Regeln der Schrotflinten-Kunst zerlegt wird nachdem die beiden wilden Sex hatten, von dem es bis heute in Filmkreisen heißt er sei nicht nur gespielt gewesen.

Egal, ich schweife ab, auf jeden Fall am Ende des Films mal wieder der Riesenbammel wie in zahllosen anderen Krimis in dieser geografischen Breite:
Und?
Schaffen wir es unerkannt über die mexikanische Grenze oder nicht?

Ich kann nur sagen: so ein Schwachsinn!
Nach Mexiko einreisen ist im Vergleich zur entgegengesetzten Einreise in die USA ein Spaziergang, der zwar zugegebenermaßen an mexikanischen Maschinengewehrnestern des dortigen Militärs vorbeiführt, aber dann letztendlich so aussieht, daß der durchschnittliche mexikanische Grenzbeamte von nebenan froh ist, im Schatten zu sitzen zu können und nicht in der prallen Sonne irgendeinen Ami-Schlitten nach Drogen, Gangsterkohle oder Wummen durchsuchen zu müssen.

Und da dann das nächste Vorurteil: von wegen die härteste Grenze der Welt…
nachdem ich 15 Minuten über den Stau auf der Grenz-Zufahrtsstrasse hinweg durch einen Gitterkäfig marschiert bin um dann bei der US-Immigration zu landen, stand ich dann da in Reih und Glied als einziger blonder Deutscher inmitten von Honchos und Ponchos.

Also ehrlich, wenn das mal nicht verdächtig aussieht?
Das obligatorische ID-94 Formular mußte ich natürlich noch ausfüllen, also saß ich da und wartete fast ne Stunde bis ich dran war und konnte beobachten wie innerhalb dieser Zeit insgesamt drei Mexikaner in Handschellen abgeführt wurden von den US-Grenzcowboys. Als ich endlich dran war ging es ganz stressfrei, ohne Handschellen, zum Gepäckscreening und nach 5 Minuten war ich in El Paso, und der „Stempel in den Pass hauende“ Grenzbeamte zuvor war einer der freundlichsten Menschen auf der Welt.

Das vergleicht man dann mal mit den Schizos, die sie an die Immigration am Kennedy-Flughafen New York, nach Washington Dulles oder Chicago O`Hare setzen, und dann soll einer noch diese Amis verstehen. Oh mann ey…

Ok, dann wäre das mal abgehakt, und wir kehren in die Neuzeit und meiner Tour in Mexiko mit Stationen in Guadalajara und der dortigen sensationellen Bar Americas, und Mexico-City und dessen Club, auf den ich gleich zu sprechen komme, zurück.

Denn genau der Laden dort, meine lieben Freunde, hat meinen latenten „Hass auf House“ mal wieder durchbrechen lassen. Um es gleich zu klären: ich meine nicht diesen richtig guten House, der mich schon Anfang der 90er, als ich z.B. mal einen Frankie Knuckles in der Charterhalle am Flughafen Riem beim Tribal Gathering 1994 gehört habe, irgendwie voll aus den Latschen gehauen hat, oder auch noch 1996 freitags im Parkcafe in München, wo Herr Novy fast schon Lehrtstunden in Sachen High-Class-House erteilt hat.

Ich spreche von der Sorte House, die sowas von „popproduziert“ klingt, die immer gleichen Scheiß-Samples verwendet, am besten noch nen dämlichen Poser-Rapper einbaut, und nur den einen Zweck hat: den dummen Tösen mit ihren 20cm Highheels, ihren 10 kg Silikon, die vorne aus dem Glitzerabendkleid fallen, und ihren Prada- und Weiß-der-Geier-Handtäschchen zu gefallen hat, damit sie dann ihre Ärsche zum Wackeln bringen können um so Schwachmaten wie Michael Ammer als Matratzenschoner als dienlich zu erscheinen.

So ungefähr muß man sich das Publikum im High-Tech Houseschuppen vorstellen, in den die Promoter in Mexico-City haben umziehen müssen, nachdem ihnen leider ihre ursprünglich geplante Location geplatzt war. Ich weiß, ja, das, was ich beschreibe, ist kein echter House, den es auch heute noch gibt, und der teilweise sensationell avantgardistisch klingt. Aber geh mal raus auf die Strasse, und frag mal 10 Leute was für sie House ist, und mindestens 9 davon werden dir House genau so beschreiben.

Dieser Laden war mal wieder der Beweis, daß es immer und überall zahllose coole, aber leider geldlose Partyfreaks gibt, denen die Musik und ne richtig fiese Feierei wichtiger ist, so wie sie auch an diesem Abend in freudiger Technoerwartung zahlreich gekommen waren. Das Pareto-Prinzip auf Techno, sozusagen.

Aber dann gibt`s da halt diese Handvoll notgeile Geldproleten, die noch ne „für Koks und Prada mach ich alles“ Nutte abzukriegen versuchen indem sie den Megaarsch raushängen lassen, sich cool neben dem „DJ from Germany“ ablichten lassen wollen, und nach dem dritten „Verpiss dich“ immer noch nicht schnallen, daß sie nur nerven und ansonsten gar nix können als so sinnlos rumzuhängen wie die Goldkronleuchter im Schuppen, die ein superexklusives „wir sind teuer, also geil…“ Image vermitteln wollen, und dabei einfach nur vollkommen daneben aussehen.

Aber gut, diese Nightlifeschaben haben halt die Kohle, und wenn ihnen der Sound zu laut weil zu krass ist, gibt`s ein paar Scheinchen für den treu ergebenen lokalen Schwanzlutscher-Resident in dessen Armani-Hemdtasche, und der dreht dann brav am Mainmixer den Master herunter bis es dem Gebieter leise genug ist. Und währenddessen stehen da neben den 300 Vollpfosten samt Botoxschleudern noch 300 technogeile Mexikaner, die einfach mal Bock haben zu richtig Techno zu feiern, scheißegal ob viel zu wenig Bass und / oder viel zu leise. So sind wir Technos halt… „it`s all about the music“!

Mit den Veranstalter-Jungs hatte ich da richtig Mitleid, so gut hatten sie es gemeint, so toll hätte es werden können, und dann so was…

Trotz all der widrigen Umstände  hat sich dann die Technofraktion selbst in diesem Hochglanzschuppen durchgesetzt, und es wurde zwischenzeitlich richtig ravig und man kann sagen sogar gut, bis dann… tja, bis dann der Resident, der mit den Scheinchen im Armani-Hemdchen, der Meinung war es wäre jetzt am Zeitchen die Leutchen auf Kommerz-Housewölkchen sieben zu schicken.

Mann, ging das nach hinten los, haha…
er hatte es dann nach meinen 2,5 Stunden harte Überzeugungsarbeit so eilig, daß er einfach während meiner letzten Nummer, nebenbei bemerkt ein Track mit einem richtig fiesen Technosägezahn, ohne ein ansatzweises „Beatmatchen“ oder Warten auf mein Zeichen „Ich bin fertig, viel Spaß…“ (so wie das unter profesisonellen DJ-Kollegen üblich ist) eine gerade beschrieben Kommerz-Vocalhouse-Nummer durch ein vollkommen talentfreies „Fader-nach-oben-ziehen“ zum Besten gab, woraufhin sich der Bau dachte „so, jetzt reicht`s mir“.

Das hatte der Veranstalter gerade noch rechtzeitig erkannt, und konnte Schlimmeres vermeiden, aber in dem Moment wären mir die Konsequenzen egal gewesen, und ich hätte diesem Idioten am liebsten sein CD-Booklet ins Maul gestopft bis es ihm hinten wieder als das rausgekommen wäre, was es in Wirklichkeit ist: nichts anderes als Scheiße!

Die Crowd auf dem Dancefloor war wie vor den Kopf gestoßen, denn während in den Champagner-Logen die Schlampenfraktion sich schon aufmachen wollte dem zigarrenpaffenden Geldadel die Scheine aus den Hüfte zu „tanzen“, startete auf der echten Tanzfläche ein wahres Pfeifkonzert weil es auf einmal vorbei war mit Däschno.

Brav!
Na ja, was soll man sagen, am Ende blöd gelaufen, aber andererseits auch schön zu sehen daß es immer wieder und überall auf der Welt eine Crowd zu entdecken gibt, die weiß welche Wirkung Musik entfalten kann, deren einzelne Tracks namensmäßig kaum einem Freak auf der Tanzfläche bekannt sind, aber die umso eindrucksvoller in der Wirkung durch die Art der Darbietung werden!

Und moment mal, ja, genau, gab es da nicht vor langer Zeit mal so ne Musikrichtung, die in alten Ware“house“s entstanden ist, und genau so ihren Siegeszug um die Welt angetreten hat?

Bis zum nächsten Mal, wo ich dann hoffentlich über Skandale von der Rave on Snow berichten kann!

Alex Bau – Sleaze Podcast 006 by sleazepodcast

3 Responses

  1. PARTYSAN Award 2011: Bester DJ des Jahres > öl, Monika Kruse, Oliver Koletzki, Robag Wruhme, Sven Väth, Len Faki, karotte, Bester DJ des Jahres 2011, Bester DJ 2011, Chris Liebing, DJ Koze, Felix Kröcher, Alex Bau, Techno, House, Nachtleben, Party,

    […] Alex Bau. Vielleicht ist es seine regelmäßige und äußerst unterhaltsame Partysan Rubrik „Alex Bau`s Tourtagebuch“, die mitgeholfen hat, Ihn so weit nach vorn zu bringen. Vielleicht aber war s auch Alex` Alter […]

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