Cisco Ferreira alias The Advent ist seit 20 Jahren im Techno Business und ein alter Hase erster Klasse. Im Partysan Interview befragten wir ihn nach seinem Weg zu arbeiten und die Problematik mit Mp3 und illegalen Downloads..

Du bist ja ein sehr bekannter Live Act und seit den späten 80er Jahren am produzieren. Als erstes würde uns interessieren, wie du so produzierst und wie sich der Prozess über die Jahre verändert hat?

Du lässt mich aber schön alt aussehen (lacht). Aber es stimmt, ich habe 1986 begonnen, Musik zu machen. Damals war das alles noch total neu und aufregend, weil wir damals nur analoges Equipment hatten. Ich habe damals mit einer Menge an Synthesizern, Drum Machines und Midi Sequencern gearbeitet, darunter eben alle großen Marken wie Roland, Korg, Moog Arp und Emu. Mein Atari 1040ST fungierte als Sequencer und war damals genauso wichtig wie die Instrumente selbst.

Doch jetzt in der Gegenwart sieht das schon recht anders aus. Heutzutage ist der Computer das eigentliche Instrument, mit dem man Musik macht bzw. konstruiert. Klar hat sich über die Jahre die Arbeitsweise verändert, aber man muß hier mit der Zeit gehen und sich die Technik zu nutze machen. Ich vermisse live meine Synthesizer und komme mir hin und wieder doch verlassen vor, wenn ich mit meinen Laptops auf der Bühne stehe und die Leute nur die Computer sehen, aber was am Ende herauskommt, ist dann eben doch weit besser als noch vor, sagen wir mal der Jahrtausendwende.

Wie gehst du ran an das Produzieren? Hast Du da schon was im Kopf oder setzt Du dich einfach hin und machst mal?

Das kommt ganz auf meine Stimmung an, bzw. auf das, was so rund um mich passiert ist an dem Tag oder der Woche, und auf das baue ich dann auf. Ich liebe es, mir für meine Produktionen Zeit zu nehmen und die Musik sozusagen zu entwickeln. Da kann es dann schon vorkommen, daß ich ein paar Tage oder sogar Wochen an einem Track hängen bleibe. Ich versuche, es immer so hinzubekommen, daß es mir gefällt, und das kann eben dauern.

Früher auf den ganzen Synthies und Drum Machines habe ich viel schneller gearbeitet, jedoch heute sind die technischen Anforderungen, die einem gestellt werden, dementsprechend höher, sodaß man sich Zeit für seine Musik nehmen muß bzw. sollte.

Gibt es ein Musikinstrument, das du besonders gerne verwendest und warum?

Ich würde klar sagen meine Computer! Das ist das mächtigste Werkzeug, das ich derzeit verwende. Da ist eben alles drin, was ich brauche, mein Studio, Sound Library, Mastering Studio, Video Studio und natürlich mein Büro. Alles ist möglich, solange man nur eine gute Idee hat und die umsetzen will. Außerdem sind leistungsstarke Computer heute ohne Probleme schon mit geringem Budget leistbar und man kann aus jedem PC, den man heute so kaufen kann, ein kleines Studio basteln. Das bringt aber auch das Dilemma mit sich, daß es jede Menge schlechter Musik gibt, die den Markt sozusagen geflutet hat, was der Szene nicht unbedingt geholfen hat.

Du kommst am 25.12., also einem Tag nach Weihnachten, zum Hypnotic Rave in die Pyramide Vösendorf. Du warst auch schon öfter da, was hältst Du vom Wiener Publikum? Es gibt einige internationale Gäste, die meinten, unsere Clubber sind etwas schwierig…

Ja, das stimmt, ich komme in die Glas Pyramide, ich freue mich auch schon richtig drauf! Ich finde nicht, daß das Wiener bzw. Österreichische Publikum besonders schwierig ist, ich hatte ein paar sehr geniale Gigs bei Euch. Ich glaube eher daran, daß das Line-Up manchmal etwas unglücklich war und die DJs den Sprung in ihren Styles manchmal nicht ganz gepeilt haben. Was ich damit sagen will ist, egal, auf welcher Party man spielt, das Wichtigste sollte doch immer sein, die Leute vor einem zu unterhalten, was ich schon seit fast 20 Jahren versuche.

Als Produzent sicher ein wichtiges Thema für Dich – MP3 und Downloads verändern zur Zeit das Musik Business, welchen Einfluss hat das auf deine zukünftigen Pläne?

Klar, das ändert sich mit der Zeit, und offensichtlich gehört das Runterladen von Mp3 zur Zukunft. Es gibt auch schon einige Portale, wie Beatport und iTUNES, die diese Revolution unterstützen und diesen Prozess der Veränderung mitmachen, gerade die meisten Label-Besitzer und Produzenten dadurch, weil sie eben auch merken, daß sich die Musik nicht mehr so gut oder gewinnbringend verkaufen lässt, wie das noch vor ein paar Jahren der Fall war.

Fast alle DJs und Produzenten, mit denen ich in letzter Zeit geredet habe, verkaufen heute nur mehr die Hälfte von dem, was sie früher einmal an „Hardware“ verkauft haben. Die andere Hälfte geht nun auf das digitale Konto, wie eben Mp3 usw.

Ich glaube, für kleinere Acts wie mich, macht das keinen großen Unterschied, aber bei den großen Majors jammern sie eben, weil die goldenen Zeit eben vorüber sind, siehe zum Beispiel das letzte Madonna-Album.

Mein Ziel als ich angefangen habe, mit meinem Label „Kombination Research,“ war nie 20.000 Platten oder CD’s zu verkaufen, was mir zwar schon gelungen ist, aber für mich war es immer wichtiger, unabhängig von einem Major-Label arbeiten zu können, und meine Musik zu machen, die die Leute wirklich hören wollen. Wenn man in die kommerzielle Schiene geschmissen wird und einem dann große Budgets und Deadlines um die Ohren fliegen, was dir passiert, wenn du „Daft Punk“ usw. heißt, dann macht es eben schon was aus, wenn Leute sich deine Musik illegal aus dem Netz saugen.

Für den Konsumenten selber ist es natürlich toll, wenn man für 10 Euro, was der Normalpreis für eine Vinyl ist, nun 5-10 Tracks bekommt und nicht nur einen. Die Käufer sind im Prinzip die Gewinner dieser Entwicklung, weil die für ihr Geld nun mehr bekommen. Für uns als Label Besitzer ist es deswegen toll, weil uns der Zwischenhändler erspart bleibt und wir 1:1 an den Kunden herantreten können.

 

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