Hardfloor will survive. Interview mit Oliver Bondzio at PARTYSAN.net

Hallo Oliver, 20 Jahre seid ihr nun am Start und haltet immer noch die Acid-Fahne hoch. Bereits 1998 habt ihr es vorhergesagt – „Hardfloor will survive“ – und in der Tat, ihr habt bisher alle Hypes und Trends überlebt. Macht euch das eigentlich ein wenig Stolz, behaupten zu können, dass ihr stets euer eigenes Ding gemacht habt und nie irgendwelchen Styles nachgeeifert habt ?!


Klar, natürlich sind wir stolz auf unser Hardfloor Projekt und unsere eigene Handschrift.
Wir, vor allem Ramon, haben ja auch noch recht viele weitere Projekte, die für einen ganz anderen, vielleicht sogar angesagteren Sound stehen. Aber mit Hardfloor haben wir uns auf jeden Fall der 303 verschrieben. Auch wenn wir zwischendurch mal „Ausflüge“ in andere Soundwelten wie z.B. auf dem 96er „Homerun“ Album da haben wir wenig 303 eingesetzt. Oder auf dem 2000er „So What!?“ Album, das war sehr vom Brighton Sound beinflusst.

Aber die letzten drei Alben sind dann doch wieder extrem 303 lastig. Da wir einfach wieder sehr viel Spaß an den Maschinen gefunden haben. Man wird als Künstler ja auch oft am größten Hit gemessen, das war bei uns Acperience. Eine Nummer, die einfach auch sehr viel verändert hat. Somit treten wir da also in unsere eigenen Fußstapfen. Ich würde mir wünschen, dass auch andere Künstler so konsequent wären und straight ihre Linie durchziehen würden. Nicht immer nur mit der Zeit gehen und auch mal über seinen eigenen Schatten springen.

Ihr habt es geschafft bzw. schafft es nach wie vor, dass man bei einem Hardfloor Track, sofort hört, das es ein Hardfloor Stück ist – und doch klingen die Tracks nie nach Schema F, langweilig oder gar nach „das haben wir doch schon mal gehört“. Was ist hierbei euer Geheimrezept? Ist das wirklich “nur“ die von euch so geliebte 303?

Das ist erstmal ein schönes Kompliment!
Denn da muss man wirklich erstmal hinkommen bzw. darauf hinarbeiten, so dass ein Außenstehender da auch gleich die Handschrift erkennt. Klar, manchmal ertappen wir uns auch selbst dabei, wenn wir nach „Schema F“ arrangieren oder so, aber gerade bei den Alben wird glaube ich schon eine ganz grosse Bandbreite an Musik sichtbar.

Früher so um 95 als wir unsere Hardcore-Remix-Phase hatten, da kam das öfters vor, dass wir nach einem bestimmten Schema und einem bestimmten Aufbau produziert haben. Aber da wurde das dann auch kommerziell so gewünscht und auch viel Geld für gezahlt. Aber das war dann auch immer nur als Job gesehen.

Bei unseren Alben achten wir da schon drauf, dass wir abwechslungsreich sind. Wir haben Downbeat, Electro, Monotonere, Straighter ACID Sachen. Oder auch die typischen Build-Up Sachen mit dem Break in der Mitte usw.

Nach 20 Jahren „Beziehung“ feiert man ja eigentlich die Porzellan Hochzeit. Ist euch nach so einer langen Zeit überhaupt noch nach feiern zu mute? Oder hat sich bereits die Routine eingeschlichen 🙂 ?

(Lacht ) Das Lustige ist, früher wenn wir feiern waren bzw. bei unseren Gigs gefeiert haben, ist Ramon immer „abgehauen“ und ich war bis in die Puppen am Start – heute ist es gerade andersrum, da ist es Ramon, der dann immer gern länger bleibt und nicht gehen möchte.

Privat geh ich eigentlich nur noch selten feiern in Clubs. Ich liebe die Musik, ich brauche jeden Tag Musik. Erst heute war ich schon bei Decks und Clone in den online Shops am checken, was es neues gibt. Nachher geh ich hier in den Plattenladen usw. Aber in Clubs bin ich privat nur noch selten.
Aber man kann ja auch anders feiern…

Nee, im Ernst, wie kann den eine solche Beziehung über so einen langen Zeitraum funktionieren? Habt Ihr da einen Masterplan?

Das ist eine gute Frage…
Ich denke, wir sind beide wirklich sehr loyal und wir beschränken das Ganze auf die Musik. Vielleicht ist das Geheimrezept, dass wir privat eigentlich gar nicht so viel miteinander zu tun haben. Wir beschränken das eher auf die Studiotermine und auf das touren. So treffen wir uns eigentlich recht selten. So kam es auch noch nie zu Reibereien, Streit oder Meinungsverschiedenheiten.
Das könnte auf jeden Fall ein Teil des Erfolgs sein.

Also eigentlich eine reine „Arbeitsbeziehung“ ?

Ja genau, klar.
So kann man das sagen.
Wir kennen uns jetzt 20 Jahre und gerade wenn man auf Tour ist, und z.B. 1 Woche am Stück in Japan im Hotel zusammen ist, lernt man sich schon sehr genau kennen. Manchmal denke ich mir auch das es schade ist, dass es so ist.

Aber wir haben da eine gesunde Distanz und zwangsläufig sehen wir uns natürlich auch ab und an privat.
Man darf das, wie in einer Beziehung mit einer Frau, einfach auch nicht überstrapazieren.

Hardfloor will survive. Interview mit Oliver Bondzio at PARTYSAN.net

Passend zum Jubiläum gibt’s auch ne fette 3er CD. Wie habt ihr eigentlich die Titel zur „Two Decades of Hardfloor“ Compilation ausgewählt?

Die Grundidee kam aus Japan.
Da fragte uns eine Plattenfirma nach einer Best of Cd. Da wir immer sehr gute Erfahrungen mit den Japanern hatten, waren wir da auch direkt dafür zu begeistern. Aber als wir dann versucht hatten, das alles auf eine CD zu beschränken, stellten wir fest, dass wir so viele Tracks gemacht haben, dass auch zwei CDs nicht ausreichen. Somit haben wir uns dann für eine 3er CD entschieden.

Wir wollen mit der Retrospektive ja uns auch ein wenig belohnen und haben mit die Titel ausgewählt, die wir nachwie vor am besten finden und die auch am besten in die heutige Zeit passen.

Wird es passend dazu auch eine Tour geben? Könnt ihr da schon etwas mehr zu verraten? Wo geht die Reise hin und worauf freut ihr euch besonders?

Eigentlich sind wir ja ständig, seit 20 Jahren, auf einer Best of Tour, denn wir spielen ja immer alte Sachen, neue Sachen und auch Remixes. Gibt natürlich immer Phasen, da spielen wir mal mehr und mal weniger oder sind mal wieder mehr im Studio. Es steht aber auf jeden Fall einiges an Live Gigs an.
Ich glaube als nächstes geht’s nach Finnland.

Habt Ihr eigentlich auch persönliche Lieblingsstücke der letzen 20 Jahre? Oder welche Tracks und/oder Künstler haben euch in den letzen beiden Dekaden beeinflusst?

Das sind natürlich eine ganze Menge. …

Was machen Hardfloor eigentlich privat so? Von Oliver weiß ich, dass er verdammt viel Zeit bei facebook verbringt. Stichwort „51tv“, „Mördan“ und „Hamdullah“ 😉

Naja, das sieht etwas etwas schlimmer aus als es ist. So viel Zeit verbringe ich dann doch nicht bei facebook. Ich schau aber zum Beispiel gar kein deutsches Fernsehen.
Dann poste ich lieber die ganzen trashigen Formate wie 51tv oder Big Brother. Das unterhält mich wirklich ungemein.

Ich ziehe auch echt viel Energie aus den lustigen Kommentaren der Leute auf meine Posts usw. Die meiste Zeit bin ich aber mit Musik beschäftigt. Musik ist einfach meine größte Leidenschaft, ganz klar an erster Stelle. Mit Ramon verbringe ich ja wie gesagt nicht so viel Zeit. Filmjunky bin ich auch noch, gehe viel ins Kino.

Abschließend noch einen Ausblick auf die kommenden 20 Jahre… Weitere 2 Decades of Acid? Oder wie sieht die Zukunftsplanung der Herren Bondzio und Zenker aus?

Wie wär`s mit Hardfloor.TV 😉 ?
Also wir haben auf jeden Fall noch nicht vor in Rente zu gehen. Wir haben weiterhin Spaß an der Musik und Spaß am Produzieren. Wir beschränken das halt auf 1x die Woche oder so, aber es geht auf jeden Fall weiter. Wir sind auch aktuell an einigen neuen Tracks dran.

Haben Pläne fürs Label usw. Für Hardfloor TV fehlt leider die Zeit, wobei das natürlich bestimmt ganz witzig wäre, mal so angelehnt an 51tv. (lacht).


Hardfloor 2Guys, 3Boxes


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