Tagträumer² ist dafür bekannt, mit vollgepackten Vinylcases durch die Weltgeschichte zu touren und in aller Herren Länder sein Verständnis von Musik durch die Boxen zu schicken. Seit über acht Jahren bereist der Berliner DJ, Produzent und auch Labeleigner dutzende von Ländern auf fast allen Kontinenten. Besonderes eindrucksvoll gelten bis heute seine Gigs wie z.B. in China, Süd-Korea, Türkei, Ukraine oder Serbien. Aktuell steht schon die nächste große Tour an, welche Tagträumer² unter anderem nach Kyoto und Novosibirsk führen wird. Grund genug dem mehr als umtriebigen DJ ein paar Fragen zu stellen. Wir haben Ihn noch kurz vor Abflug nach Schottland auf einen Kaffee getroffen.

 

Du bist weltweit gebucht und schaffst es dennoch kontinuierlich druckvolle Produktionen rauszubringen. Wie gelingt Dir dieser Spagat neben all Deinen Projekten?
Es ist wahrhaftig ein Spagat, denn die vielen Reisen zum Beispiel nach Asien lassen nicht die Masse an Produktionen zu. Viele Labels erwarten von ihren Künstlern, dass am besten jeden Monat neue Songs und Remixe erscheinen aber dafür müsste ich jeden Tag im Studio sitzen und das Ganze würde einer Art Fließbandarbeit gleichen. Die Songs brauchen halt Zeit bis sie letztendlich auf Vinyl erscheinen und so kam es auch schon vor das einige Stücke den Weg erst nach zwei Jahren auf Vinyl fanden. Außerdem setze ich viel Wert auf gute Remixer die der Veröffentlichung noch den letzten Schliff geben. Allerdings gibt es an der Sache ein Problem, denn für ein Album müsste ich mir viel Zeit nehmen und auf einige Auftritte verzichten. Das ist wohl auch der Grund warum es seit Jahren noch kein Tagträumer² Album gab.

Nach wie vor legst Du ausschließlich mit Vinyl auf, selbst nach Asien nimmst Du Deine prall gefüllten Plattentaschen mit. Ist das manchmal mehr Fluch oder Segen?
Es ist schon ein tierisches Geschleppe wenn ich an die weiten Wege mit Bahn oder Flugzeug denke. Da wird die Kiste durch viele Länder geschliffen und alle zwei Jahre kann ich mir neue Trolleyrollen anbauen da der Verschleiß so hoch ist. Der größte Fluch kommt aber eher der Angst entgegen. Jedes mal am Kofferband auf seine Platten zu warten und zu hoffen das auch alles ja heil und vollständig ankommt, denn würde das einmal passieren, sollte ich ernsthaft über eine Gesangs oder Stand Up Commedy Kariere nachdenken. Zum Glück haben auch die Platten immer wieder ihr Ziel erreicht und wenn ich in irgendeinem fernen Land wieder meine Scheiben spielen darf – weiß ich das ich mir nichts anderes vorstellen könnte.

Was bedeutet es für Dich ausschließlich mit Vinyl aufzulegen?
Eigentlich war ich vom ersten Tag ein Gegner vom Cd Djing und auch vom digitalen Auflegen. Chris Liebing hatte mich jedoch so stark von seiner Live-Dj Performance überzeugt, dass ich seinen Weg durchaus gut finde.
Selber hatte ich mich auch mit Traktor beschäftigt da ich einige Songs die es nur digital gibt ebenfalls spielen wollte. Bereits nach zwei Monaten verkaufte ich das System wieder und bemerkte, dass es für mich keine Art ist aufzulegen.
Einen Laptop habe ich den ganzen Tag schon zu Hause vor der Nase und der muss nun nicht auch noch zwischen Publikum und mir stehen. Außerdem liegt ein viel größerer Reiz darin sich mit Platten zu beweisen und immer wieder seine Skills zu zeigen. Das Publikum kriegt nämlich sehr schnell mit – ob man die Nadel springen lässt oder das Angleichen der Platten nicht beherrscht. Wenn jemand digital auflegt bekommt doch keiner mit was Können oder Konserve ist.

Du hast gerade erst die Festivalsaison beendet und schon wieder einen vollen Tourkalender rund um den Globus. Wie bereitest Du Dich auf diese verschiedenen Events und Gigs in so unterschiedlichen kulturellen Umfeldern vor?
Man kann jetzt nicht sagen, dass in bestimmten Ländern ein härterer Sound oder eher deeperes Housegeplätscher angesagt sind. Vielmehr ist es entscheidend ob es um ein großes Festival oder einen gemütlichen Club geht. Je nachdem ist dann auch der Plattenkoffer unterschiedlich gepackt. Was ich allerdings immer dabei habe sind Promoplatten um den Gästen und anderen Djs immer wieder ein Geschenk mitzugeben.

Auf welche Länder/Clubs freust Du Dich gerade besonders?
Das sind vor allem die, in denen ich noch nie gespielt habe. Die Tour startet ja jetzt mit dem Auftritt auf einer kleinen schottischen Insel namens „Isle of Arran“. Hier gibt es auch eine kleine Technoszene von 200 Leuten die liebevoll jeden Monat ihre Veranstaltung durchführen. Auch vom Festland zieht es die Leute dorthin.
Ein anderer Auftritt auf den ich mich schon besonders freue liegt im Libanon. Allerdings musste dieser Tourstop auf November verschoben werden, da gerade die politische Situation im angrenzenden Land Syrien nicht gerade sicher ist.
Ich hoffe jedoch, dass sich alles noch zum Guten wendet.

Auch was Releases angeht, legst Du Wert auf Authentizität. Gerade ist Deine neue Single „Own Thing“ auf Deinem neuen Label „Rauschzeit“ erschienen. Allerdings ebenfalls nur auf Vinyl. Ist das für Dich eine besondere Herzensangelegenheit?
Ja denn bei meinem neuen Label will ich vor allem damit sagen, dass Musik etwas Wert sein muss. Das hört sich jetzt wie ein dummer „Gema“-Spruch an aber die Vielzahl von illegalen Downloads ist einfach nicht verträglich.
Mit dem neuen Label wollen wir auch wieder andere Wege gehen und in Zukunft keine digitalen Promos versenden, sondern nur Vinyl. Wer das Stück mit den Remixen gut findet – soll sie sich kaufen oder sich die gekürzte Version auf den  Seiten wie Soundcloud oder Youtube anhören. So merkt man, dass es wirklich eine Herzensangelegenheit ist.

Was kann man von dem Label in Zukunft noch erwarten?
Zum einen wird es um einen ganz besonderen Stil gehen, welches auf unserem anderen Label „BlackFoxMusic“ nicht passend wäre. Vor allem sind es tiefe, warme Housebässe und immer dieser 90er Jahre Einfluss, der deutlich Spür und Hörbar sein wird. Die Remixer werden sorgsam ausgewählt werden, um in andere Bereiche von House vorzudringen. Von den Künstlern werde ich aber noch nichts verraten – haltet euch einfach über unsere Soundcloud Seite auf dem Laufenden: soundcloud.com/rauschzeit

 

4 Responses

  1. musicconcrete

    Schönes Interview! Da hat jemand eine sehr beherzte und galubwürdige Haltung in Sachen Musik und Vinylkultur, ohne sich sinnfrei den Vinyl vs. Digital Grabenkämpfen anzuschließen. Kurzum: toll!

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