Haben wir vor kurzem erst mit dem talentierten Musik-Produzenten und DJ Emil Berliner in Wien einen kleinen Tratsch geführt, so hat sich mit seinem Bruder Gunther gleich ein nächster künstlerisch hoch begabter Österreicher für uns Zeit genommen, um uns ein bisschen was aus seinem und Emils Leben, sowie über seinen steilen Karrieresprung zu erzählen.

Wann hast du zum ersten Mal entdeckt, dass du ein zeichnerisches Talent besitzt?
Ich habe schon von klein auf damit begonnen rund um die Uhr zu zeichnen. In der Volkschule habe ich meine ersten Comics an die Mitschüler verkauft um mir so das Taschengeld ein wenig aufzubessern. Fünf Schilling habe ich dafür glaube ich damals verlangt.

gunther1Die Comics waren generell ziemlich „actionlastig“. In jedem zweiten Bild ist irgendetwas explodiert – und ein blutrünstiger weißer Hai war auch immer mit von der Partie. Und es gab so gut wie keinen Lehrer in meiner Schullaufbahn der nicht von meinen karikaturistischen Künsten verschont geblieben ist. Was nicht immer ohne Folgen geblieben ist.  (lacht)

Wie kam es zum grafischen Kontakt mit der elektronischen Musikszene?
Ich habe nach meiner Berufsreifeprüfung eine Zeit lang komplett auf mein Talent „vergessen“. Ich war damals nur aufs schnelle Geld aus und verrannte mich da ein wenig in der Gastronomie was ich trotz allem nicht bereue.

Mit der Zeit kam ich dann wieder auf den Geschmack, machte dann und wann einen Flyer und fasste in einer tollen Werbe-Firma Fuß die mich in allen Belangen förderte.

Vor ein paar Jahren hatte ich dann in Kombination mit meinem Bruder Emil die ersten zählbaren „Erfolge“. Das mein Bruder in dieser Szene so schnell durchgestartet ist, war bei Gott kein Nachteil für mich.

Meine Grafiken kamen so  schneller in Umlauf. Angefangen hat alles mit einem Coverdesign für „Feel Good“ und einer simplen „Emil Berliner“-Karikatur die er als Maske am Urban Art Forms getragen hat – mittlerweile designe ich alles für ihn! Unter anderem das aktuelle Cover von „Flummifreuden“ und das vor kurzem erschienene Musikvideo zu „Musique Par Le Ballon“.

Kannst du von dir auch behaupten, dass du ein Faible für elektronische Musik hast?
Ich habe selber jahrelang aufgelegt – just for fun – generell liebe ich diese Musik.

Ich bin aber mit der Zeit zum Entschluss gekommen, dass es vielleicht besser und vor allem vernünftiger wäre mich auf meine wahre Leidenschaft/Stärke zu besinnen – das Zeichnen! DJs gibt es heutzutage ja sowieso wie Sand am Meer. Außerdem würde da wohl kein Weg an meinem Bruder vorbeiführen. 😉

emil-berliner-flummifreudenWie ist eigentlich dein Verhältnis zu deinem, ebenfalls sehr erfolgreichen, Bruder Emil?
Wir teilen uns seit mittlerweile fast zehn Jahren das Dach unter dem Kopf und haben eine wirklich aufregende aber oftmals auch sehr turbulente Zeit hinter uns, wo unter Brüdern auch schon mal die Fetzen geflogen sind. Wir haben definitiv nichts ausgelassen!

Heute ist er für mich aber nicht nur der kleine Bruder sondern auch der beste Kumpel.

Und dass wir uns beruflich dann auch noch so gut ergänzen und uns gegenseitig zu Höchstleistungen pushen ist natürlich eine absolut geniale Sache! Ich denke, wir profitieren gegenseitig voneinander.

Nenn uns ein paar Projekte, welche die grafische Handschrift von Gunther Gerger tragen…
Ich habe vor ca. einem halben Jahr mit einem Plakatsujet für eine gemeinnützige Organisation den hoch dotierten Flyer Alarm Design Award in Deutschland gewonnen, das war ein persönliches Highlight. Seit Anfang 2013 bin ich für das komplette Grafikdesign von JUNGEWILDE verantwortlich, einem sehr interessanten und engagierten Musikprojekt aus Wien bei dem auch mein Bruder ein fixer Bestandteil ist.

Zudem entwerfe ich gerade die neue CI vom Schneekunstfestival HERTZBERG, was eine tolle neue grafische Herausforderung mit sich bringt.

Was denkst du über die Österreichische Flyer/Grafiker-Szene?
Ich finde dass man das gut mit der Musikszene vergleichen kann – meistens mehr Masse als Klasse aber gerade auch deswegen ein optimaler „Nährboden“ um sich mit neuen, erfrischenden Ideen am Markt zu profilieren und sich einen Namen zu machen.

Wo siehst du Gunther Gerger in der Zukunft?
Ich werde versuchen weniger Zeit vor dem Computer zu verbringen. In Wahrheit kann ich dieses Gerät nicht leiden. Mehr mit der Hand zeichnen ist meine oberste Priorität. Ich will einen einzigartigen, unverwechselbaren  Stil kreieren, vor die Tür gehen und mehr von der Welt sehen, irgendwann einmal ein Kinderbuch illustrieren, mein langfristiges Ziel ist es, mich mit ein paar klugen Köpfen/Freunden selbstständig zu machen! Am besten an einem Ort, wo zweihunderteinunddreißig Mal im Jahr die Sonne scheint…ich bin definitiv kein Wintermensch!

Was steht als nächstes bei dir an?
Ich will den Alltag von Menschen, deren Geschichten, und vor allem GESCHICHTE selbst genauer studieren. Ich möchte dann daraus einen eigenen Comic entwerfen. Fortsetzung folgt!

BTW kommt von Gunther auch das Artwork von Patrick Kunkels Dirty Dust EP

Hier geht’s übrigens zum Interview mit seinem Bruder Emil Berliner….  

 

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