Das Licht macht die Musik. Sterben Lightjockeys aus?

Obwohl sie das Licht machen, stehen sie schon seit langem im Schatten: die Lightjockeys. In vielen Clubs wurden sie abgeschafft und durch Geräte ersetzt, dann machten VJs und Installationskünstler mit ihren neuen Möglichkeiten den LJs das Leben schwer.

In Großraumdiskos mit Laserspektakel findet man sie noch häufig, in guten Programm-Clubs sind sie inzwischen eine Rarität. Sind Lightjockeys old-school? Partysan hat nachgeforscht

Jeder Club hat sein eigenes Lichtkonzept  der eine eher dezent und einfach, der andere mit aufwendigen Licht-Installationen.
Eins ist klar: Ohne Licht geht (fast) nichts.

Gutes Clublicht ist eine Kunst für sich, eine Kunst, die Clubbesucher selten bewusst wahrnehmen. Rick von der Acid Test Crew hat im Theater angefangen, bis er 1988 im Fridge-Club in London landete, wo er seine Leidenschaft zur elektronischen Musik auslebte und schon damals fasziniert war von der Lichtenergie, die nur von einigen Scheinwerfern, Stroboskopen und dem Nebel ausging.

Mit Acid hat alles angefangen, sagt Rick und wie so viele erkannte er nach einem Urlaubsstopp in Berlin: Thats the right place for me. Was damals in Berlin an technischen Möglichkeiten und Clubs geboten war, eröffnete ihm und seiner Lichtleidenschaft neue Horizonte.

Seine Chance kam: Der Tresor-Stammgast wurde Anfang der 90er Jahre gefragt, ob er nicht die Lichtshows im Tresor fahren möchte, da mittlerweile bekannt war, dass er schon in London und auch für Konzerte in Deutschland Lichtshows fuhr.

Statt Gage nur ein paar Getränkebons

Für ein paar Getränkebons stand er ab dann am Tresor-Lichtpult und verknüpfte so seine Leidenschaften, die Techno-Musik und das Clublicht. Gute Lichtleute waren damals schon rar gesät, wie Rick berichtet. Die Konzertlichtleute hatten keinen Bock, 10 Stunden oder länger Lichtshows zu fahren, da braucht man schon die Leidenschaft zur Musik, um das durchzustehen.

1995, zeitgleich mit einer Welle neuer technischer Innovation, den Moving Lights, also beweglichen und veränderbaren Lampen, kam auch sein bester Freund Martin aus London nach Berlin und wurde gleich mit eingespannt. Damit waren sie schon zu zweit und konnten sich bei den Lichtschichten abwechseln.

Rick: Für einen allein ist das nicht leicht, jedes Wochenende zwei Tage nacheinander oder mehr durchzuhalten. Ein Jahr später holten die beiden noch Jörg ins Boot, der als Mitarbeiter einer Licht- und Tontechnikfirma seine Faszination fürs LJing entdeckte. Als letzter im Bunde kam dann Lars dazu, der jüngste von allen – alle vier haben sich im Tresor kennen gelernt und sind zu einem eingeschweißten Team herangewachsen, das jeder Herausforderung mit Begeisterung entgegentritt.

Leben konnten sie dennoch nicht davon, so Rick: Es ging uns nie ums Geld, wir alle haben nebenher noch andere Jobs gemacht. Der Spaß an der Sache ließ sie weitermachen  auch in Zeiten vermehrter Konkurrenz durch Video- und Projektionskünstler.

Sie suchten Wege, Licht und Videopräsentation miteinander zu verbinden und so eine harmonische Stimmung schaffen. Alles aus einer Hand, denn die ersten Erfahrungen, so Lars, waren eher schlecht: Video und Lichtmann, das funktioniert eigentlich nicht.

Videokünstler achten nur auf ihre Videos, egal ob es zu hell fürs Publikum ist. Es muss ein eingespieltes Team sein. Darauf haben sich die Jungs heute arbeitsteilig eingestellt. Rick ist der kreative Tüftler, liefert Ideen und Clips (Momentprojektion/ Effekte), Jörg macht die 3-D Grafik, Visuals und Video und Lars ist der Kalkulator, er kümmert sich um die technische Umsetzung, entscheidet was geht und was nicht.

Fette Konkurrenz: Computer und Projektionen

Dennoch  für Lightjockeys sind die Zeiten schwer. Wo früher ohne Lichtmann nichts zu machen war, wird heute immer öfter durch vorab gespeicherte Lichtläufe oder per sound to light eine Automatik-Lichtshow gefahren. Die Jungs von der Acid Test Crew haben festgestellt, dass die Veranstalter immer mehr Videokünstler buchen, denn das liest sich gut auf dem Flyer.

Aber: Ein Computer versteht nichts von Stimmung und Stimmungen.

Nur ein guter Lichtmann kann die Atmosphäre der Musik einfangen und diese mit dem Licht live verstärken. Aus der Musik und dem Licht eine Einheit zu schaffen und damit die perfekte Atmosphäre auf dem Dancefloor  das ist das Ziel der LJs. Wie man das macht, darin sind sich alle Lichtkünstler die wir befragt haben einig: Die Farben und Effekte sind mehr oder weniger Geschmackssache  vor allem das Timing sollte passen, dann kommt die Lichtshow erst richtig gut.

Marc, der seit sechs Jahren für das Sternradio und andere Clubs die Lichtshows fährt: Ein Gespür für Musik ist das Wichtigste überhaupt! Stevie Wonder könnte bestimmt noch besseres Licht machen, als so manch Sehender ohne Gespür für Musik. Ich stelle bei vielen meiner Kollegen fest, das sie Rhythmuslegastheniker sind. Und dagegen helfen auch tolle technische Finessen nichts. Wenn man sich zu sehr an der Technik orientiert, geht die Qualität meist unter.

Das ist nichts was man einem beibringen kann! Entweder man ist drin und hat das Feeling dafür oder man sollte es besser lassen. Laut Marc geht der Trend ein bisschen mehr zu ruhigerem Licht, weniger Nebel, Stroboskop und Diskokugeln. Nicht immer hilfreich für die Abfahrt seien die vielen Projektionen, wodurch es oft schon etwas zu hell im Club werde.

DJ und LJ: Its teamwork!

Und wie ist das Verhältnis der LJs zu den DJs? Ritter und Knappe, wie es bei Wikipedia heißt? Chef und Stift?

Es kommt drauf an, so die einhellige Meinung. Auf jeden Fall ist der Blickkontakt zwischen Lichtmann und DJ wichtig, wie Lars uns berichtet. Damit man kommunizieren und gewünschte Lichteinsätze oder Specials vermitteln kann. Marc: Ich hab schon viele Acts beleuchtet, von Grandmaster Flash bis Westbam, und jeder Künstler oder DJ hat da andere Vorstellungen. Manche ganz genaue, andern wiederum ist es scheißegal. Bei allen Crew-Mitgliedern haben sich schon durch die gemeinsame Arbeit Freundschaften mit Künstlern gebildet.

Auch im neuen Tresor wird die Acid Test Crew wieder fester Bestandteil sein: Wir versuchen, das ursprüngliche Lichtfeeling vom Tresor zu erhalten. Wir sind immer der Idee treu geblieben, dass der Floor unten bleibt, wie damals: just smoke und strobe. Im Globus dagegen wird dann mehr mit Lichtfarben und Bewegungen gearbeitet.

Kontakt: Acid Test Crew: rickkay@spreeathen.de

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