Auditory Perception & Cognition. A journal affiliated with the Auditory Perception & Cognition Society Routledge. Tavior & Francs Group.

Die Wissenschaft der Musik: Wie Gefühle in die Musik einprogrammiert werden und den Dancefloor steuern

Musik kann uns auf eine emotionale Reise mitnehmen – von Glück über Traurigkeit bis hin zu Angst und Aufregung. Aber warum fühlen wir uns bei bestimmten Akkorden und Harmonien bestimmte Gefühle? Die „Strebetendenz-Theorie“ besagt, dass unsere Emotionen auf die „Willensprozesse“ reagieren, die in der Musik kodiert oder einprogrammiert sind.

Die beiden Musiktheoretiker Daniela und Bernd Willimek haben diese Theorie in Ihrem Paper „Revealing the Mystery of Emotions in Sounds The Theory of Musical Equilibration Explains the Impact of Ordered Sounds as the Listener’s Identification with Processes of Will“ erforscht und beschrieben.

„Willensprozesse“ beschreibt die Art und Weise, wie Musik strukturiert werden kann, um ein Gefühl von Bewegung oder Veränderung zu erzeugen. Diese Prozesse werden mit Begriffen wie „Aussetzung / Suspension“, „Leitton / Leading Tone“ oder „Strebeton / Striving Tone“ bezeichnet.

Nach der Theorie reagieren unsere Gefühle auf die Willensprozesse, die in der Musik kodiert sind. Das heißt, wenn wir Musik hören, identifizieren wir uns mit den Willensvorgängen in der Musik, und das lässt uns die „einprogrammierten“ Emotionen empfinden.

Ein „Leitton“ ist zum Beispiel eine Note, die ein Gefühl von Spannung oder Erwartung erzeugt, so als ob sie zu einer anderen Note hinführt. Dadurch entsteht ein Gefühl der Bewegung oder Veränderung in der Musik. Die Strebetendenz-Theorie legt nahe, dass wir Emotionen als Reaktion auf diese Willensprozesse empfinden, die in der Musik kodiert sind. Indem wir uns mit diesen Willensprozessen identifizieren, können die Zuhörer Musik emotional erleben.

Was bedeutet das nun für Musiker, Produzenten und DJs?
Es bedeutet, dass das Verständnis der emotionalen Wirkung verschiedener Akkorde, Intervalle und Harmonien helfen kann, Musik zu kreieren, die bestimmte Emotionen bei Ihren Zuhörern hervorruft. Moll-Akkorde können zum Beispiel traurig klingen, während übermäßige Dreiklänge magisch klingen können.

Aber es geht nicht nur um die Akkorde und Intervalle. Unterschiedliche Harmonien in der Musik können auch unterschiedliche Emotionen hervorrufen. Die kleine Sexte zum Beispiel wird mit einem Gefühl der Bedrohung in Verbindung gebracht, während der Tritonus als bedrohlich und teuflisch beschrieben wird. Der verminderte Septakkord wird oft verwendet, um Schrecken und Terror auszudrücken, während Dur-Akkorde mit großen Septimen Wehmut hervorrufen können. Die Subdominante mit einer hinzugefügten Sexte kann warme Geborgenheit vermitteln, während Ganztonmusik ein Gefühl der Schwerelosigkeit hervorrufen kann.

Aber wie lernen wir denn, welche Tonarten wir mit welcher Emotion verbinden sollen? Wer bringt uns bei dass Moll traurig klingt? Nur durch Sozialisation und Erfahrung?

Daniela und Bernd meinen dazu: Wir glauben, dass man die Charaktere von Harmonien zwar schon lernen muss, aber ohne Lehrer. Schließlich gibt es auch niemanden, der uns das beibringt. Eine gewisse Übung im Musikhören reicht, um die Sensibilität für die Leittoneigenschaften von Harmonien zu entwickeln. Der eine nimmt sie bewusster wahr, den andere mehr unbewusst. Auffällig ist auch, das Menschen aus fremden Kulturen ziemlich schnell mit der westlichen Popmusik und ihren musikalischen Ausdrucksformen klarkommen, ohne dass sie dazu einen Lehrer bräuchten.

Wenn ihr also das nächste Mal Musik hört, ob im Club, auf Kopfhörer, in einem Game oder im Kino / TV, achtet mal drauf wie bestimmte Codes in der Musik benutzt werden um uns zu steuern und der Musik eine zusätzliche Ebene an Gefühlen mitzugeben.

Wie DJs über mehrere Tracks eine Auf und Ab der Spannung und des Moods auf dem Dancefloor erzeugen.

Experimentiert mit verschiedenen Akkorden, Intervallen und Harmonien, um herauszufinden, wie ihr euch dabei fühlt.

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Tonleiter / Tonart | Merkmale | Gefühle

Dorisch | Kleine Terz, große Sexte | Melancholie, Nostalgie
Mixolydisch | Große Terz, kleine Septime | Spannung, Erregung
Phrygisch | Kleine Sekunde, kleine Sexte | Dunkelheit, Geheimnis
Lydisch | Erhöhte Quarte | Staunen, Ehrfurcht
Locrisch | Verminderte Quinte | Unbehagen, Spannung
Äolisch | Fehlen des dominanten Leittons | Mut, Abenteuer
Harmonisch Moll | Erhöhte Septime | Spannung, Drama
Äolisches Moll | Natürliche Molltonleiter | Aufregung, Nervenkitzel