Hallo Roland, zunächst ganz lieben Dank, dass Du Dir die Zeit für ein Interview mit uns nimmst.
Obwohl Du ja schon etliche Produktionen und gefühlt noch mehr Remixe in den letzten Jahren hingelegt hast, bist Du ehrlich gesagt bei uns im Süden nicht so sehr bekannt. Erzähl doch mal ein bisschen über Dich, wo kommst Du her, was bewegt Dich und wie bist Du zur Musik gekommen?

Ja also ich bin tatsächlich nicht mehr ganz so jung mit meinen 28 Jahren und ich komme aus Bergisch Gladbach, das ist ganz in der Nähe von Köln. Meine Laufbahn als Musiker geht ganz weit in meine Kindheit zurück, ich hab so richtig mit musikalischer Früherziehung, Klavier- und später Trompetenunterricht die klassische Musikausbildung durchlaufen. Nebenbei hatte ich schon immer Ambitionen, meine eigene Musik zu machen, hab dann schon in der Grundschule am Klavier improvisiert und habe u.a. sogar mit meinem Blechbläser-Quartett Bundesjugendwettbewerbe gewonnen. Zur elektronischen Musik bin ich eigentlich eher durch einen sehr praktischen Grund gekommen: Ich wollte meine eigenen Kompositionen für andere aufschreiben und das ging mit sogenannter Notationssoftware am einfachsten, auch wenn ich ganz schnell feststellen musste, dass eine gute Improvisation noch lang keine gute Komposition ist. Na ja und dann bekam ein Schulfreund von mir einen alten Synthi geschenkt und konnte nichts damit anfangen, ich aber mit meinem Midi-Keyboard eben schon und so nahm das ganze seinen Lauf.

In Deinem nur als youtube Video verfügbaren Parallel Universe Jam von „The Asgard Range“ zeigst Du sehr eindrucksvoll, dass Du nicht nur die Technik sondern auch natürliche Instrumente beherrscht. Wie kommst Du dann auf elektronische 4/4 Takt Musik?

Zu Techno bin ich dann erstmal Ende der 90er über Trance gekommen und hab da auch schon das eine oder andere selbst produziert. Das war aber alles mehr aus Spaß und nicht mit beruflichen Ambitionen – u.a. habe ich mit zwei Freunden eine Tranceversion von Beethoven für den Musikunterricht gemacht. Um die Jahrtausendwende kam dann die Auflegerei dazu. Der Schwenk weg vom melodiösen Trance kam 2004 quasi über Nacht durch eine HR3 Clubnight mit Charles Siegling (Technasia), das hat mich damals total weggeflasht und ab dann hab ich praktisch keine Tranceplatte mehr gehört, gekauft oder selbst aufgelegt. Das Video war wirklich ein lang gehegter Traum von mir, den Leuten zu zeigen, dass man Techno tatsächlich auch live und mit klassischen Instrumenten spielen kann. Allerdings hatte ich erst mit „The Asgard Range“ auch den passenden Track dazu.

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Du siehst noch relativ jung aus, welche Bedeutung hat Techno heute für Dich? Ist es nur die Musik oder doch eine bestimmte Lebenseinstellung?

Ich denke, wenn ich nicht ein bestimmtes Lebensgefühl oder eine persönliche Bindung damit hätte, würde ich kaum die Energie dafür haben, diese Musik mit der Hingabe zu produzieren. Ich mache das auch nicht als eine Sache von vielen, sondern weil es mir auch tatsächlich sehr viel bedeutet. Mir ist es auch fast noch wichtiger, meine eigenen Sachen zu entwickeln anstelle drei Tage die Woche in Clubs rumzuhängen. Das gehört klar dazu, aber es ist längst nicht das Wichtigste im Leben für mich.

In Deinem Facebook Account steht auch Universität Köln drin, hast Du bzw. baust Du Dir noch ein anderes berufliches Standbein auf?

Ich verdiene mein Geld tatsächlich nur mit Musik, allerdings studiere ich gerade nebenbei noch systematische Musikwissenschaften in Köln und zwar weil es mich echt fasziniert und mir für meine eigene Musik sehr wertvollen Input liefert. Daneben arbeite ich als Studiomusiker, spiele in verschiedenen Orchestern und Ensembles und kann im Zweifel auch alleine davon leben und bin also nicht gezwungen, von den DJ Gigs und Plattenverkäufen zu leben. Das gibt mir auch eine Freiheit und Kreativität bei der Produktion meiner eigenen Platten, was klar eine sehr angenehme wenn nicht sogar luxuriöse Situation ist. Auf jeden Fall möchte ich aber mit meiner Musik die Leute berühren und erreichen, das ist ein ganz großes Anliegen von mir.

Deine bisherigen Veröffentlichungen waren soweit mir bekannt alle auf Riley Reinholds Label Trapez (Traumschallplatten). War Riley auch sozusagen Dein Entdecker?

Riley hat mir auf jeden Fall die Chance gegeben, meine Musik zu veröffentlichen und das war wirklich großartig für mich. Von daher kann man ihn tatsächlich auch als meinen Entdecker bezeichnen.

Wie bist Du dann zu Stephan Bodzin gekommen?

Stephan hat meine ganzen Releases seit Jahren echt toll supported und irgendwann sind wir dann persönlich Kontakt gekommen. Das ehrt mich auch wirklich, wenn jemand wie Stephan Bodzin mir so tolles Feedback zurückspielt und mir die Möglichkeit gibt, auf seinem Label zu veröffentlichen. Die EP „Suite in G Sharp“ ist auch schon ein wenig anders von der Stilrichtung her wie das was ich bisher veröffentlicht habe. Gerade „The Asgard Range“ oder „Destination Muscatine“ sind nicht ganz so straight wie meine bisherigen Tracks. „Rhythm of Straight Lines“ habe ich eigentlich mal für einen Gig im Tresor geschrieben und danach lag er eine ganze Weile in der Schublade, bis ich ein Bild mit dem gleichen Titel gesehen habe und aus dieser Inspiration heraus mit dem eigentlich alten Sample einen neuen Track produziert habe. Die Idee zu „Destination Muscatine“ ist auf einer Heimfahrt von einem privaten Feierei in einem Brüsseler Club zurück entstanden und spiegelt so die typische morgentliche Stimmung nach einer tollen Feiernacht wieder. „The Asgard Range“ ist ein Gebirgsrücken in der Antarktis und mein absolutes Traumurlaubsziel.

Du scheinst immer wieder kreative Ideen für Videos zu haben. Das Video zu „Baked Potatoes“, das schon etwas älter ist, bastelst Du aus Kartoffeln quasi ein neuronales Musiknetz, wie bist Du darauf gekommen?

Haha, der Titel ist tatsächlich durch das Video Programm geworden. Die Idee dazu hatte Tim Fehske, der ja schon viele andere Videos u.a. für Traum produziert hat. Der Name des Tracks ist dann auch erst durch das Video entstanden.

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