Es ist mal wieder eines der Alben, das elektronisch ist, in der Houseszene gefeiert wird und gleichzeitig auch mit viel Applaus in der konservativen Kulturpresse empfangen wird. Robag Wruhme ist dieser Spagat mit dem Album „Venq Tolep“ gelungen, das auf den Seiten vom FAZE Mag und der Groove und auch bei der Süddeutschen Zeitung und beim Schweizer SRF präsent ist.

Anfang Juni haben wir euch hier auf der Seite das neue Album „Venq Tolep“ von Robag Wruhme vorgestellt. Die eleganten, warmen Sounds haben uns gut gefallen und wie es der Zufall so will, konnten wir Gabor ein paar Tage später an einem Sonntagnachmittag vor einem Open Air-Gig treffen.

Venq Tolep ist kein Sommeralbum

Bei der Albumvorstellung auf partysan.net haben wir das Werk wegen der klanglichen Wärme und dem Veröffentlichungsdatum als Soundtrack für den Sommer 2019 betitelt, was aber gar nicht die Absicht von Robag Wruhme bei der Produktion von „Venq Tolep“ war:

Ich habe im Laufe der Albumproduktion an 75 Liedern und Skizzen gearbeitet, die alle auf meiner Festplatte sind. Daher gab es keinen bestimmten Zeitpunkt auf den ich hingearbeitet habe, es war einfach irgendwann der Punkt erreicht, an dem ich „Venq Tolep“ als fertig erachtet hatte und loslassen konnte. Die Musik kommt wie immer voll und ganz aus meinem Herzen und jetzt soll sie jeder auf sich wirken lassen. In mir gibt es auch zwei komplett unterschiedliche Personen – eine die Musik produziert und eine die Musik präsentiert, wodurch kein jahreszeitliches Konzept dahinter steht. Das Bild vom Cover ist im vergangenen Jahr im Herbst von mir mit dem Handy aufgenommen worden und unser Grafiker hat dann dieses tolle, zeitlose Ergebnis daraus gestaltet. „Venq Tolep“ ist daher keiner bestimmten Jahreszeit gewidmet.

Venq Tolep hat genau die richtige Länge

Wenn man das Album von Anfang bis Ende durchhört, muss man nur knapp 40 Minuten Zeit mitbringen. Elf Tracks haben es auf „Venq Tolep“ geschafft, die alle zwischen 0:48 un 4:31 lang sind, was für ein elektronisches Album eher kurz erscheint, für Gabor aber absolut stimmig ist:

Das Album ist über einen langen Zeitraum entstanden und die ersten Produktionen die in Richtung Album gingen sind schon aus dem Jahr 2012. Daher habe ich viele Ideen entwickelt, aber auch wieder einiges rausgeworfen und mich auf die wesentlichen Bestandteile konzentriert. Auf meinem letzten Album „Thora Vukk“ und der „Wuzzelbud FF“ habe ich lange Clubnummer produziert und Transitions zur Verbindung der Tracks entwickelt, worauf ich dieses Mal komplett verzichtet habe. Das neue Album ist ruhiger und in sich komplett harmonisch. Ich habe die Tracks bewusst in dieser Länge produziert, weil sie für mich rund klingen und dann kann jeder für sich selbst entscheiden, wie er damit umgeht und es auch einfach in Endlosschleife laufen lassen, wenn ihm die Albumlänge zu kurz ist. Für die Clubs werden wir auch noch zwei der Nummern auskoppeln und längere, clubtaugliche Versionen veröffentlichen.

Venq Tolep ist inspiriert durch die Familie

Hinter der klanglichen Erscheinung und dem sehr harmonischen Ergebnis sieht Gabor kein Konzept, sondern die Lebensumstände, die ihn während der Albumproduktion begleitet haben:

In „Venq Tolep“ ist sicher mit eingeflossen, dass ich seit einigen Jahren Papa bin und auch einiges an Altersweisheit dazugewonnen habe. Seit meine Kinder da sind, habe ich einen ganz anderen Blick auf die Welt und bin auch nicht mehr 24 Stunden am Tag in meinem Musikkosmos. Der Tagesablauf hat sich durch die Kinder komplett geändert und ich habe nicht mehr so viel Zeit zum Musikmachen, dadurch hat es jetzt auch acht Jahre gedauert, bis „Venq Tolep“ fertig geworden ist. Zum Album gibt es in der Vinylversion auch eine zusätzliche 7″-Platte, auf denen die beiden Tracks Ila I und Anton III sind, die ich meinen Kindern gewidmet habe.

Venq Tolep ist auf Pampa genau richtig

Seit seinem letzten Album „Thora Vukk“ ist Pampa das musikalische zu Hause für Robag Wruhme, wo er sich in bester Gesellschaft zu Musikern wie Mano Le Tough, Stimming und Labelchef DJ Koze befindet:

Pampa ist das Label von Marcus Fink und Stefan Kozalla und die beiden entscheiden, was veröffentlicht wird. Koze hat ein Händchen, ein Brain und ein Herz, welche Musik und welche Künstler zum Label passen. Das hört man bei den Releases und spürt man bei den Pampa-Partys die immer sehr herzlich ablaufen. Die Pampa Compilation Vol. 1 von 2016 gehört für mich immer noch zu den besten Labelcompilations überhaupt und ich freue mich immer, Musik von Ada, Die Vögel, Markus Boman und immer wieder neuen Künstlern auf Pampa zu hören.

Venq Tolep ist wahrscheinlich das letzte Album von Robag Wruhme

Trotz aller Euphorie und der Zufriedenheit mit dem Ergebnis ist das Album auch ein Einschnitt in die Arbeit von Robag Wruhme, die uns seit fast zwanzig Jahren mit vielen Alben und EPs auf Labels wie Freude am Tanzen, Contexterrior und Kompakt beglückt:

Das Album ist jetzt ein paar Wochen draußen und ich habe mir im Rahmen der vielen Interviews auch jede Menge Gedanken dazu gemacht. Obwohl ich sehr zufrieden bin, glaube ich zum aktuellen Zeitpunkt, dass „Venq Tolep“ das letzte Album von mir in dieser Form sein wird. Ein Album hat nichts mehr mit der heutigen Art zu tun, wie Musik konsumiert wird und ich lasse mich gerne überraschen, wo sich die Musiknutzung hinentwickeln wird.

„Venq Tolep“ könnte also das letzte Album von Robag Wruhme sein, er hat uns im Interview aber zugesichert, dass er auch weiterhin Musik produzieren wird, nur die Form des Outputs wird sich ändern.

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