Ohne Westbam wäre die elektronische Musikszene in Deutschland nicht da, wo sie heute steht! In seinem Buch “Die Macht der Nacht” erzählt er von seinen persönlichen Anfängen, von wilden Nächten, musikalischen Experimenten und dem Berlin vor Berghain und Club Mate.

Das Buchcover von "Die Macht der Nacht"

Das Buchcover von “Die Macht der Nacht”

Westbam ist erkältet. Ziemlich deftig erkältet sogar. Das hält ihn aber nicht davon ab, sein Buch zu präsentieren und die Besucher der Lesung über zwei Stunden lang bestens zu unterhalten. An einem Freitagnachmittag haben es sich rund 60 Fans und Musikbegeisterte im Stuttgarter White / Noise gemütlich gemacht, um Westbam zuzuhören, ihm Fragen zu stellen und mit ihm zu diskutieren. Er hatte genau darauf auch ziemlich Lust und hält sich mit Tee, Wasser und einer Packung Tempo locker auf Top-Entertainerniveau.

Väth, die Mayday und die ersten großen Raves in Deutschland

Los ging die Lesung mit einer Anekdote von der Mayday 1992 in Köln. Damals lief bei solchen Großveranstaltungen alles noch nicht so hochprofesionell und durchgeplant ab wie wir es heute gewohnt sind, weshalb es wenige Minuten vor Hallenöffnung noch einiges an Diskussionsbedarf gab: “Wie ihr habt die Genehmigung noch nicht? Wir hatten eine klare Vereinbarung, ihr holt die örtliche Genehmigung – Ich schlag hier alles kurz und klein, wenn nicht sofort die Genehmigung auf dem Tisch liegt.”. Ein paar Minuten später war die Genehmigung dann aber da und die Mayday konnte beginnen. In den ersten Stunden schien der Funke zwischen DJs und Publikum noch nicht überzuspringen, bis dann endlich Sven Väth die Bühne betrat, der schon damals ein Garant für ein wildes Set war. “Sven und seine Frankfurter Piraten enterten die Bühne, Und zwar gleich mit einem Vibe von Jetzt geht’s los! Sven sprang an die Decks. Mark Spoon schnappte sich ein Mikro. Man sah ihn nicht, nur seine Stimme kam irgendwo aus dem Hintergrund. Als erste Platte lief ein typisches Frankfurter Intro ohne Beat. Der Ton und Spoons Geschrei zogen sich über zwei Minuten hin. Das machte Alarm, und danach waren auch wirklich alle ready. Als der Beat endlich einsetzte, war die frohe Botschaft angekommen: Sven Väth hatte den Deckel, der über der Mayday lag, mit einem Schwund hochgerissen. Es dampfte aus der Küche, die Halle tobte.”

Marc Spoon, L.U.P.O., Ken Collier und Pierre

Im Buch tauchen viele Protagonisten der Anfangszeit wie Marc Spoon oder DJ L.U.P.O. auf, von denen einige leider sehr früh verstorben sind. Gedanken macht sich Westbam natürlich darüber, Angst macht es ihm aber keine, da er weis wie er damit umgehen muss.

Ein Kind von Traurigkeit war ich auch nicht. Aber mit einigen der genannten konnte ich nicht mithalten. Freud und Leid, das man mit Drogenkonsum hat, hält sich in jungen Jahren die Waage, je älter man wird, desto mehr kippt es zuungunsten der Freude, vor allen Dingen zeitmäßig, weil die Regenerationszeiten auch immer länger werden. Irgendwann ist das alles ein schlechter Deal, auf den man sich nicht einlassen sollte.

Fragerunde mit dem Publikum

Im Anschluss an die Lesung und die durchweg lustigen Andekdoten, gab es noch eine offene Fragerunde, bei der die unterschiedlichsten Besucher zu Wort kamen. Hier wurde dann auch mal über Westbams aktuelle musikalische Vorlieben und nicht nur über die alten Tage gesprochen.

In der Kategorie „Producer“ denke ich gar nicht und schau auch gar nicht so darauf. Ich bin ständig auf der Suche nach interessantem Rohmaterial, was ich für Edits für meine Tracks verwenden kann, ganz im Sinne des klassischen DJs, der einen Mix macht. Und dieses Rohmaterial kann von überall herkommen.

Danke an die Organisatoren von Es ist Liebe aus Stuttgart für den spannenden Nachmittag. Schaut doch mal auf ihrer Seite vorbei. Auch ein großes Dankeschön an Westbam für den unterhaltsamen Einblick in sein Leben und die offenen Antworten auf unsere Fragen!

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