Saarbrücken mag zumindest auf den ersten Blick nicht als Techno, Techhouse oder House Hochburg gelten. Doch weit gefehlt – in der idyllisch gelegenen Stadt im Süden der Republik sind unterschiedliche Künstler und Labels verwurzelt, die derzeit immer stärker in den Fokus der Szene rücken. Allen voran das kleine aber feine Label Twin Town bewegt sich Schritt für Schritt vom Geheimtippstatus zu einem national bekannteren Phänomen. Labelhead Toni Tress hat sich für uns ein wenig Zeit genommen und Einblicke in die Szene der Stadt, die Clubkultur und sein Label Twin Town gegeben.

Was ist euer Resume für TWINTOWN und euren Artists für das vergangene Jahr?

2015 ist gut überstanden. Es sind viele schiere Sachen auf der Welt passiert – das ist auch an uns nicht spurlos vorbeigegangen. Erst mal sind wir alle froh und dankbar gesund und an einem Stück zu sein. Aber es lässt uns nicht kalt, was da draußen gerade abgeht.

Um ehrlich zu sein, hat es einiges an Herzblut gekostet uns den schwierigen Bedingungen des Marktes anzupassen. Wir haben hauptsächlich an unserer Label-Kommunikation und an der Artist-Betreuung gearbeitet und versucht Ordnung in den Laden zu bringen. Dafür haben wir uns mit vielen Studios, Künstlern & Agenturen aus der Szene getroffen und verbündet. Das fühlt sich gut an und eröffnet neue Wege.

Toni Tress

Bei euch ist in 2015 viel passiert – was war mehr oder weniger geplant und was hat euch selbst überrascht?

In diesem Jahr haben wir wirklich einiges erreichen können mit unserem Zugpferden „Techno Frühstück„und „Ackermann & Erlenbrunn“. Auch unsere alten Freunde wie „SYNPNSPOGO“, „Lars Landen“,, „Tiger.Uppercut“ und unsere starken Remixer „Felix Reiter“, „Selektivton“, „Matthias Seibert“ & „Hi!Kai“ haben ganze Arbeit geleistet und runden das Gesamtbild im Repertoire ab. Wir sind alle sehr zufrieden mit dem Ergebnis – was ihr Euch gerne anhören könnt –, denn wir sind ja immer noch fresh und für viele DJ’s ein unbeschriebenes Blatt.

Gibt es einen bestimmten Sound den ihr selbst für 2016 sehr spannend findet?

Wir beobachten genau die Entwicklung der Szene und spüren da eine Tendenz, die uns in die Karten spielt. Es geht wieder zurück zu den Undergroundwurzeln im Techno und House, so wie es noch vor den großen Hypes war – bevor uns die Big Fives ihr EDM-Gequietschte aufdrücken wollten. Wir sind froh zu hören, dass Ambient, D&B, Elektro, Dub und Breakbeat wieder in vielen Sets auftauchen. Auch die bekannteren Namen trauen sich mehr ihre Crowd mit Vielschichtigkeit in Ihren Sets überraschen. Das ist ja auch die eigentliche Aufgabe eines DJ’s.

Wie kommen neue Künstler zu euch bzw. wie sucht ihr neue Acts?

Meistens kommen diese Kooperationen durch Kontakte der dritten Art zu Stande. Im Saarland ist es ja meistens so, dass da einer ist der jemanden kennt, der wiederum jemanden kennt, haha. Nein, Spaß bei Seite, in der Tat ist es so, dass alle die auf TWINTOWN releasen saarländische Wurzeln haben oder damit vertraut sind. „Techno Frühstücks“ Umzug nach Berlin hat beispielsweise ein weiteres Türchen geöffnet, welches auch Künstlern von außerhalb Zugang zu unserem Label verschafft. Generell hat aber jeder, der sein Handwerk versteht natürlich auch die Möglichkeit Demos zu senden.

toni tress2Eure Acts sitzen verteilt in Deutschland und ihr selbst in Saarbrücken – wie behaltet ihr diese enge Connection?

Wir telefonieren viel und halten uns auf den Laufenden über gängige Plattformen. Besonders schön ist es wenn ab und an jemand persönlich aufschlägt, weil er gerade in der Gegend spielt. Wir haben hier in Saarbrücken eine hohe Club-Dichte und ein paar Top-Off-Locations. Durch die Nähe zu Frankreich, Belgien und Luxemburg rushen zwangsläufig auch viele relevante DJ’s bei uns vorbei. Das ist sehr schön zu sehen, dass so ein kleines Land so viele Szenen beherbergt – selbst wir entdecken hier regelmäßig neue Strömungen.

Mit Techno Frühstück habt ihr ein derzeit recht bekanntes DJ Team am Start, wohin geht es wohl für die Jungs in 2016?

Wir werden weiterhin Tracks gemeinsam veröffentlichen und arbeiten gerade an einer ausgewählten Tour für die Festival-Saison 2016. Techno Frühstück hat glücklicherweise im Dezember 2015 Marokko und Lissabon mit der CLUBCOMISSION BLN bespielt und somit ihre Tour-Fähigkeit bewiesen. Wohin es mit den Jungs weitergeht, werdet ihr rechtzeitig erfahren.

Derzeit sind direkt mehrere Releases in Folge am Start – wie kritisch geht ihr als Label mit den eingereichten Tracks eurer Künstler um, oder passt da generell immer alles?

Sehr gute Frage. Nun wir sind ein kleines Label und haben echt wenig Möglichkeiten viel Output zu erzeugen. Wir mussten uns festlegen und uns im Klaren sein, wer von unseren Künstlern das Zepter in die Hand bekommt und für wen wir gerne arbeiten. Es sind in unserem Artist-Rooster wirklich sehr gute Tracks produziert worden, die alle nur darauf warten das Licht der Welt zu erblicken, aber die Realität hat gezeigt das gut Ding’ Weile braucht und wir einen Schritt nach dem anderen machen müssen.

Ihr selbst seid auch neben dem Label im Veranstaltungsbereich als auch als aktive Künstler unterwegs – woher nehmt ihr die Power und Zeit?

Unser Geheimnis liegt darin schön schlank zu bleiben, Dinge überdenken bevor man JA sagt, nebenbei die Dolce Vita nicht zu vergessen, zu verstehen, dass wir uns nicht vierteilen können und vor allem das wir auch nur Menschen sind. Wir versuchen aus dem Weniger mehr zu machen. Unsere Formel ist recht einfach und menschlich.

Und wie sehen eure Planungen für das Label aus?

SYNPSNPOGO EP // Lars Landen EP // Marian Müller EP // Felix Reiter EP // Agja EP // Selektivton EP // Erlenbrunn & Techno Frühstück Single

Weiter schöne Musik von wunderbaren Menschen veröffentlichen und die echte Realität in Einklang bringen mit unseren Vorstellungen. Das wünschen wir uns für alle Freunde da draußen!

Vielen Dank!

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