In Zeiten, in denen Musik inflationär über Streamingdienste verteilt wird, massenhaft auf Festplatten verstaubt und so zum wertlosen Datenobjekt wird, ist es umso beruhinger, dass es eine hartnäckige Vinyl Fangemeinde gibt, die seit vielen Jahren auch wieder Wachstumsraten verzeichnet.

Wie ein qualitativer Gegenpol zum quantitiven Musiktrash wird hier Musik noch als hohes Kulturgut auf schwarzen Vinyl gebannt, glänzend, rohstoffverschwendend, aber ungeschlagen in Haptik, Tonqualität und Image als Wertobjekt. Eine Schallplatte stellt etwas dar – ein liebevoll gestaltetes Cover, der Geruch von Vinyl, das Knistern. All das, und vorallem die Knappheit. Manche Nummern gibt es einfach nur X-Mal gepresst und sind somit limitiert und eine Besonderheit.

Ein MP3 File kann man leicht mal übersehen, löschen oder beliebig verteilen. Eine Schallplatte steht wie eine Trophäe im Regal für die Ewigkeit. Ein letztes Original in diesen schnell lebigen Zeiten von iPhone und Clouddiensten.

Kürzlich wurde erst in der TV-Doku „Vinylmania“ auf Arte über diese besondere bzw. einzig wahre Art an Musikliebhaberei berichtet. Die Weltgemeinde der Schallplattensammler treffen sich auf Vinylbörsen, tauschen sich über Handelplattformen wie discogs.com oder GEMM aus. Nicht selten erzielt eine begehrte Scheibe, je nach Zustand, auch schnell mal ein paar hundert Euro

Umso mehr ist bei Vinyl die Pflege ein wichtiger Bestandteil des Hobbys. Die schwarzen Schätze müssen gereinigt und in Schutzfolien gepackt werden. Bei Vinylfans haben sich hochwertige HDPE Folien wegen Ihrer tollen antistatischen Eigenschaften durchgesetzt. Die Tonabnehmer Nadeln werden mit Flüssigkeiten und Reinigungsbürsten gesäubert, die Platten per Carbon Bürste entstaubt oder ebenfalls mit einer speziellen Flüssigkeit und Reinigungspad behandelt.  Am besten legt man sich einfach ein komplettes Reinigungsset zu, um für alle Fälle ausgerüstet zu sein. So z.B. das 7even® Professionelles DJ & Hifi Reinigungsset, das für ca. 18 Euro im Handel erhältlich ist.

Die beliebteste und wohl technisch durchdachteste Bürste zum Reinigen von Schallplatten ist sicher die Super Exstatic. Der Unterschied zur normalen Carbonbürste, ist, dass bei dieser 2 Carbonfaserlippen dafür sorgen, dass der Schmutz und Staub zusammengehalten „mitgenommen“ wird und an demSamtflies in der Mitte hängen bleibt. So kann der Schmutz sicher und sauber von der Schallplatte entfernt werden. Bei der normalen Carbonbürste wird der Schmutz sozusagen nur „hin und her“ geschoben oder bestenfalls von der Platte runter (um dann in den Plattenteller zu rutschen). Die „Docking-Station der Bürste“, sprich die Halterung, lässt sich auch an die Wand montieren, so ist Sie immer griffbereit.

Von der LP Reinigungsmaschine für einige Hundert Euro bis zu den üblichen Plattenbürsten und Schutzhüllen ist hier alles drin. Ein spezieller Liebhaber Markt ist entstanden.

Für besonders resonanzarme Tonwidergabe gibt es Leder oder Kork Plattentellerauflagen. Zur Justierung von Tonabnehmer oder Plattenteller sind eigens dafür angefertigte Wasserwaagen erhältlich. Ist eine Platte mal geworfen und eiert, schafft ein schwerer Stabilizer abhilfe.

Schallplatten sind einfach die beste Art, Musik zu sammeln. Was bringen Gigabyte Weise qualitativ schlechte Musik auf der Festplatte, wovon man das meiste nicht mal hört ? Lieber ein paar Kilo Schallplatten im Regal, die man auch wirklich ausgesucht hat und schätzt. Manchmal ist weniger einfach mehr.

Wußtet Ihr, dass auch Steve Jobs, der Erfinder des iPod`s, im privaten Vinyl Liebhaber war ? Er selbst sagte vor langer Zeit in einem Interview mal, dass er nicht verstehen kann, wie man auf den guten Ton einer Vinyl verzichten kann.

In diesem Sinne,  die Vinyl wird ewig leben, trotz MP3 und Co..

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