20 Jahre Techno aus Benztown. Oliver Hauf und Oliver Klangschneider feiern ihr Jubiläum von liQUEpheel inDUSTries!

Chapeau die Herren! Wer zwanzig Jahre gemeinsam auflegt, Events veranstaltet und das Nachtleben einer Stadt mitgestaltet, dem muss es Ernst sein. Angefangen hat alles mit gemeinsamen Partys, die sie besucht haben. Dann ging es gemeinsam vom Dancefloor hinters DJ-Pult und dann kamen eigene Veranstaltungen und der eigene Club dazu. Im Interview fürs Lehmann Magazin aus Stuttgart haben die beiden Olis auf die letzten zwanzig Jahre zurückgeschaut.

„Das Climax, wo wir heute Nacht auflegen, war früher eigentlich ein paar Straßen weiter, drüben beim Palast, wo der Zum Zum Imbiss war. Die Location hier in der Calwer Straße hieß damals noch Blumenwiese. Im Climax waren wir so ab 1996 bei den ‚Motor City Partys‘ von Ken The Man und Rick Masters zu Gast und haben dort auch hin und wieder aufgelegt. Unsere erste eigene Veranstaltung haben wir im Februar 1997 im Musicland gemacht und sind kurz darauf in die Röhre umgezogen, nachdem wir Cheffe Peter Reinhardt mühselig davon überzeugen konnten, dass Techno auch dort funktionieren wird. Bei den ersten beiden Partys haben wir dann gleich mal die Boxen durchgeschossen, weil diese nur auf Gitarrensound ausgelegt waren und den Bass-Beschuss nicht ausgehalten haben. Bei den nächsten Bookings durften wir dann auf Gage verzichten, damit Peter die neue Anlage bezahlen konnte.“

Dank Plattenladen vom Techno verführt worden

Das Musicland und auch die Röhre sind mittlerweile Geschichte im Stuttgarter Nachtleben. Für die Olis waren es aber wichtige Locations für ihren Start als elektronische DJs und Veranstalter. Schon seit den frühen 90ern legten sie Gitarrenmusik, EBM, Industrial und Crossoverzeug auf, zum Techno geführt wurden sie Mitte des Jahrzehnts vor allem durch Daniel Benavente, der in seinem Plattenladen „Humpty Records“ einiges an derbem, britischen Techno im Sortiment hatte.

„Bei Daniel gab es Techno, der ziemlich schräg war und uns alten Punkrockern gut gefallen hat. Die Musik die zum Beispiel im Oz lief war uns zu glatt und mainstreamig und die Verkleidungen mit Staubsaugern und Gasmasken waren auch nicht so ganz unser Style. Das Zeug aus Brighton, Edinburgh und der skandinavische Sound, den es bei Daniel gab, waren genau das richtige für uns. 1997 ging es dann auch im Club Prag los, wo wir fast jeden Samstag bei der ‚Neuen Heimat‘ waren, wenn wir nicht gerade selbst aufgelegt haben. Da mussten wir von Stammheim nur kurz in die U-Bahn rein und waren schon da.“

Nächste Station: eigener Club

Nach vielen eigenen Events in der Röhre ging es 1999 für die Olis rein in die City an den Wilhelmsplatz. Das Le Fonque wurde zu ihrem neuen zu Hause als DJs, Veranstalter und auch Betreiber.

„Die ersten Jahre haben wir im Le Fonque aufgelegt und dort unsere Partys veranstaltet, bis Oli (Hauf) den Club 2002 komplett übernommen hat und Oli (Klangschneider) sich mit um das Booking und die Öffentlichkeitsarbeit gekümmert hat. Wir hatten dort eine tolle Zeit und konnten uns bei den Gastacts voll ausleben. Leider hat uns das auch eine Menge Kohle gekostet, da so Acts wie die John Tejada, Wighnomy Brothers oder das Krause Duo leider noch nicht so viele Gäste gezogen haben wie heute. Es gab aber auch richtig geile, erfolgreiche Abende wie zum Beispiel mit Legowelt oder DJ Koze, als der Laden aus allen Nähten geplatzt ist.“

Stuttgart ist schon immer die Homebase von Oliver Hauf und Oliver Klangschneider. Zu Le Fonque-Zeiten waren die beiden aber auch viel außerhalb gebucht und in der ganzen Welt unterwegs.

„Wir hatten eine super Connection zum Tresor in Berlin und haben einige Male dort gespielt. Immer wenn wir in Berlin waren, war es so als ob wir zur Familie gehören. In Köln war Claus Bachor unser Mann, der ebenso wie wir absoluter Musikliebhaber ist und mit uns das Faible für Detroit Techno teilt. Es gab in diesen Jahren auch mal eine legendäre Südamerikatour, bei der wir sieben Wochen lang in Argentinien und einigen angrenzenden Ländern unterwegs waren. Wir haben in abgefahrenen Grenzstädten und einigen echt verrückten Locations gespielt. Dankbare Crowd da.“

Vom Nightlife ins normale Leben

2005 war ein Wendepunkt im Musikerleben der Olis. Das Kapitel Le Fonque wurde geschlossen und an neue Betreiber übergeben, Klangschneider ging zurück ins normale Berufsleben und Hauf stieg im Humpty Recordstore von Daniel Benavente ein, bis der Plattenladen Ende 2010 geschlossen wurde. Mittlerweile sind beide etwas bodenständiger geworden, haben Familie und normale Jobs. Was sie aber nicht davon abhält immer wieder mal steil zu gehen, wenn man sie nur lässt.

„Die Musik ist einfach in uns drin und lässt uns wohl auch nie mehr los. Wir gehen immer noch gerne feiern und lassen es dann auch krachen, wenn wir gemeinsam unterwegs sind. Wir legen eigentlich nur noch 2-4 mal im Jahr im Climax auf, freuen uns jetzt aber total auf unser großes, 20-jähriges Jubiläum am 1. April im Lehmann.“

Bei der großen Juiläumsabfahrt sind wir natürlich mit dabei und bedanken uns beim Lehmann Magazin aus Stuttgart, dass wir das Interview hier für die Seite übernehmen dürfen.

 

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