Die Labels bitten zum Download.

Gigolo bietet mit Digitaria erstes Album nur noch als mp3 an / Playhouse und Cocoon prüfen noch.

 

Der Plattenladen unseres Vertrauens ist nur noch einen Klick entfernt: Immer mehr Labels und Vertriebe bieten ihre Produktpalette auch im Internet zum Runterladen an.

Allerdings muss der Kunde wissen, was er will. Zu groß ist das Angebot  und das sinnliche Erlebnis, durch den Plattenladen zu schlendern und sich die Alben mit dem schönsten mit dem Coverdesign zu greifen, entfällt. Wer sich allerdings mit Interpreten und Titeln seiner bevorzugten Musik auskennt, geht immer öfter online shoppen.

Das haben auch bekannte Labels wie Gigolo Records in Berlin erkannt und boten mit Digitaria von der Band Digitaria vor einigen Wochen ihr erstes Album nur als mp3-Download an.

Als Musiklabel, das nicht nur Nischenfunktion übernehmen möchte, sondern durchaus den musikalischen wie technischen Entwicklungen zugeneigt ist, ist es für Gigolo Records selbstverständlich, auch den mp3-Download-Vertriebsweg zu nutzen, sagt Gigolo-Produktmanager Gustaf Sparr.

Die Vorteile für die Labels, also die Musikverlage, liegen vor allem in den geringenen Produktionskosten. Wenn man einmal die ganze Infrastruktur wie Server und Plattform geschaffen hat, tendieren die Produktionskosten für die bloßen Dateien gegen Null, sagt Patrick Kunkel, der als Freier Berater beim Frankfurter Label Cocoon Records zuständig ist. Die Künstler liefern die Dateien im wav-Format auf CD, sie werden kodiert und dann ins Netz gestellt.

Auch Atanasios Marcias, besser bekannt als DJ Ata, Clubbesitzer und Inhaber des Offenbacher Labels Playhouse, kann sich vorstellen, bald Alben nur noch als mp3-Download anzubieten. Wir werden gute Singles aber weiterhin auf Vinyl pressen, damit die DJs damit arbeiten können, sagt er.

Sparr von Gigolo Records hält selbst das für nicht zwingend notwendig: Auch wenn es so manchem DJ-Puristen immer noch zuwider ist, ist das Auflegen von CD und somit auch qualitativ hochwertigen mp3-Dateien mittlerweile sehr gängig. Insofern trägt der MP3-Verkauf zu einer vielfältigen und flexiblen Marketingpolitik bei, was ja gerade auch der Vorteil eines Indie-Labels sein sollte.

Ganz so einfach sei das aber auch nicht, mahnt Kunkel. Besonders kleinere Labels sitzen seiner Meinung nach oft der Illusion auf, dass sich damit der Markt für Indie-Labels öffnen würde. Der Marketingaufwand ist nicht zu unterschätzen und kostet eine Menge Geld. Dazu kommen noch die Serverkosten, der Traffic , die Gema (immerhin einmalig 12,50 Euro für jeweils fünf angefangene Minuten) und das Rechnungsmanagement.

Das alles ist ein klarer Nachteil für kleinere Labels. Cocoon hat gerade beim Marketing schon Jahre zuvor investiert, so dass das Label bei den Kunden bekannt ist, sagt Kunkel. Aber Neulinge am Markt hätten ohne kostspielige Promotion-Maschine kaum eine Chance.

Raubkopierer stören das Geschäft
Der Downloadmarkt freut sich mit geschätzten 10,2 Millionen verkauften Einzeltracks und 0,7 Millionen verkauften Bundles (also Alben oder Maxis mit jeweils drei Tracks) über ein Wachstum von knapp über 36 Prozent. Das sind gute Zeichen, dennoch fällt die Marktentwicklung insgesamt schwächer aus als erhofft. Das anhaltend hohe Niveau der Nutzung illegaler Quellen im Internet und die ungelösten Probleme durch ausufernde private Vervielfältigung erweisen sich unverändert als gefährliche Bremsen für eine positive Marktentwicklung, erklärt Michael Haentjes, Vorsitzender der Deutschen Phonoverbände.

Dem tritt Cocoon mit Moral entgegen.
Wir appellieren an unsere Kunden auf der Startseite unseres Online-Shops, respektvoll mit der Musik und den Künstlern umzugehen, berichtet Kunkel. Ob das klappt, ist nicht zu erheben. Cocoon habe sich trotzdem beim Start des Online-Geschäfts Anfang 2006 bewusst gegen den Kopier-Schutz entschieden. Wer unbedingt kopieren will, der kopiert auch, meint Kunkel. Kopierschutz und das Knacken des selbigen sei stets ein Hase-und-Igel-Spiel gewesen.

Wer seine Musik bei iTunes herunter lädt, der nimmt mit den Geschäftsbedingungen zugunsten des vermeintlichen Kopierschutzes störende Beschränkungen in Kauf. Man kann die Tracks nur sieben Mal auf CD brennen, bei Microsoft sinds sogar nur drei Brennvorgänge, erklärt Kunkel.

Außerdem: Nicht alle mp3-Player können die geschützten Dateien abspielen. Besonders eingeschränkt sei das von iTunes verwendete aac-Format. Das funktioniert fast nur in Kombination mit Apple-Produkten. Deshalb habe sich Cocoon für mp3 als Audioformat entschieden. Die können mit allen Playern verwendet werden, haben aber auch keine Möglichkeit zum Kopierschutz.

Das danken die Kunden laut Kunkel auch bei Cocoon mit guten Zuwachsraten.
Alle zwei bis drei Monate konnten wir bislang eine Verdoppelung registrieren. Trotzdem liegen wir immer noch weit unter zehn Prozent unseres Vinyl-Verkaufs.

Dazu Sparr von Gigolo: Auch wenn man sich physischen Tonträgern verpflichtet fühlt, wäre eine Ablehnung von Download-Angeboten naiv und auf Dauer wirtschaftlich fatal.

Die Labels bitten zum Download.
Von Arne Löffel

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