MTV & VIVA: Bei uns bestimmt das Publikum.

Interview mit Elmar Giglinger und Mara Ridder-Reichert über Musikvideos und Musik-Fernsehen.

 

Wie haben sich Quantität und Qualität der Musikvideos in den vergangenen Jahren verändert?
Mara Ridder-Reichert: Quantitativ wird es in der Tat weniger, aber der Einbruch ist bei Weitem nicht so drastisch, wie man das vielleicht glauben mag. Im Jahr 2006 wurden uns von Januar bis September 1093 Videos eingesandt, in diesem Jahr waren es bisher 926. Qualitativ gesehen gibt es nach wie vor sehr kostspielige Videos, auch aus dem deutschen Markt – wenn man zum Beispiel an Rammstein oder das großartige neue Video von ‚Die Ärzte’ denkt. Aber es stimmt schon, dass noch vor zehn Jahren für Videos mehr Geld ausgegeben wurde. Heute setzen viele Produzenten eher auf gute Ideen, die dann gar nicht mal teuer sein müssen.

Ist das Video ein noch oft genutztes Promotion-Instrument der Plattenfirmen?
MRR: Ja. Bei Pop-Acts ist es meistens so, dass die Plattenfirmen direkt mit der ersten Single auch das Video auf den Markt bringen. Bei kleineren Rockbands lassen die Plattenfirmen diese mittlerweile eventuell erst mit ihrem Album touren und produzieren dann ein Video zum zweiten Album.

Stimmt denn der Eindruck, dass auf Musiksendern immer weniger Musik zu sehen ist?
Elmar Giglinger: Wir spielen auf beiden Sendern ungefähr 200 verschiedene Clips in der Woche und der Musikanteil beläuft sich auf etwa 70% des Programms. Verglichen mit dem Programm der beiden Sender vor zehn Jahren ist das weniger als damals, vergleichen mit dem Programm vor zwei Jahren ist es mehr geworden.

Wie kam es zu der Rückbesinnung?
EG: Bei uns bestimmt das Publikum, wieviel Musik auf den Sendern läuft. Wenn wir feststellen, dass die Musikstrecken besser laufen als die Shows, werden wir mehr Musik zeigen und umgekehrt. Letztendlich gibt uns die Quote recht und zeigt, dass MTV so viele Zuschauer hat wie noch nie in seiner deutschen Geschichte und VIVA das beste Ergebnis seit 1995 vorweisen kann.

Interview: Arne Löffel

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