Irgendwo im 16. Stockwerk, gleich neben der Redaktion des Familienprogramms, sitzen die Paradiesvögel des Bayerischen Rundfunks – die Verantwortlichen einer der dienstältesten „alternativen“ Radiosendungen schlechthin: dem Zündfunk.

Diese Münchener Institution braucht man wohl nicht mehr erklären, ist sie doch seit 1974 über die Landesgrenzen hinaus bekannt und hat bereits ganze Generationen mit großgezogen.

Angesiedelt in der Jugendredaktion geht es neben spitzen „Aha“-Themen vor allem darum, Leute zu erreichen, deren Musik sonst wahrscheinlich keine andere Radioheimat besitzen würde.
Und so bewegt man sich stetig im Spannungsfeld des öffentlich-rechtlichen Auftrags und dem gehört werden, zwischen Mainstream und kulturellem Anspruch, Standards und Experimenten.
Zündfunk ist aber nicht einfach nur Radio.

Die insgesamt ca. 50 Mitarbeiter, bestehend aus vielen freien Satelliten und einigen festen Kümmereren, produzieren nicht nur Ihr Programm vollkommen selbst, sie zeigen sich auch für Konzerte und das größte Indoor-Festival „Bavarian Open“ verantwortlich. Und so treten im Funkhaus allerhand namhafte Bands (aktuell: Mediengruppe Telekommander) auf, die man absichtlich gern mit unbekannteren paart. Die Newcomerarbeit wird sehr ernst genommen.

Mit „Bavarian Open Source“ hat man ein ARD-weit einmaliges Pilotprojekt eines öffentlich-rechtlichen Netlabels geschaffen. Auf der Plattform werden u.a. Livemittschnitte der veranstalteten Konzerte angeboten, genauso aber auch Tracks von z.B. Deichkind, Dakar & Grinser, Jahcoozi und Nachwuchskünstlern (Tipp: Kanmantu aus Weilheim) in ansprechender Vielfalt. Und so haben sich in den ersten Monaten über 100 Tracks von mehr als 35 lustigen Musikanten angesammelt, die in zweiwöchentlicher Abhörsitzung ausgewählt werden.

Auch sonst sind die Zündfunker für jeden Spaß zu haben und unheimlich kreativ. Peinliche Zwischenfälle gibt es selten. Einmal ist einem Moderator während der Moderation ein Zahn herausgefallen, wonach er nur noch Nuscheln konnte und seine Co-Moderatorin live in der Sendung einen Lachkrampf bekam. Souverän wurde auch diese Situation gemeistert. Und so kann man schon von einer großen funktionierenden Familie mit verrückten Ideen und normalen Problemen sprechen.

Die scheinbare Idylle hat allerdings einen Riß bekommen.
Der Bayerische Rundfunk plant eine Junge Welle ab 2007. Die Zukunft des Zündfunks ist damit leider ungewiß. Hinzu kommt, dass der angekündigte Jugendkanal nur eingeschränkt über UKW ausgestrahlt werden wird, was sicherlich einige Zuhörer kostet. Schade drum, zumal der Zündfunk eher ein Generationen übergreifendes, ja sogar vereinendes Programm darstellt – aber vielleicht hilft es noch, die Daumen zu drücken, dass letztendlich doch alles gut wird.

Letzten News zu urteilen, hat sich der Bayerische Rundfunk durchgerungen, die Sendung in einer für eine ältere Zielgruppe angepaßten Form bestehen zu lassen. Nur wie das dann ausschauen wird, ist noch ungewiß. Scheinbar haben die Unterschriftensammlungen und Stellungnahmen aus Politik und Kultur doch etwas bewirkt.
Das macht Hoffnung.

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