Westbam ist neben Sven Väth und einigen anderen alten Helden, ein Pionier der DJ Kultur, Practising Maniac At Work, Prophet der Raving Society, Hymnenschreiber für Millionen, Partymaker für über 10 Millionen Gäste der verschiedensten Generationen in den letzten 27 Jahren.

Es ist einer der schillernsten Persönlichkeiten der internationalen Musikszene, unsterblich durch Projekte wie Mayday, Mr. X & Mr. Y mit Afrika Islam, Love Parade Gründer, Radiomoderator – über Westbam könnte man noch endlos weiter schreiben, aber was sind Worte schon wert, wenn man sich live das beste Bild von dem Beatboxrocker machen kann.

Am 22.10.11 ist Westbam deswegen zum 2.Mal nach 2008 im Blauen Salon zu Gast, wo das Urgestein deutscher DJ Historie zusammen mit Agent Twist (Glory) und dem Newcomer Franz Fango die Wände vibrieren lässt.

Der Blaue Salon präsentiert
WESTBAM
SAMSTAG | 22.10.11 | 22 UHR
BLAUER SALON | IM PARKHOTEL DRESDEN
BAUTZNER LANDSTRASSE 7 | 01324 DRESDEN

DJs:
WESTBAM >> BASS PLANET BERLIN
AGENT TWIST >> GLORY DRESDEN
FRANZ FANGO >> TWO-ELEVEN MUSIC DRESDEN

Westbam Biografie

Die frühen Jahre (bis 1987)

Aufgewachsen als Hippiekind in den 60ies, der schon im Kindergarten durch den selbstgebastelten Synthi seines Kindergärtners inspiriert wurde, war er in den 70ies Punkrocker in den Bands Anormal Null und Kriegsschauplatz und lernte im während der Projektwochen seiner Schule seinen künftigen Partner Klaus Jankuhn kennen, der die „Projektgruppe elektronische Musik“ anbot und mit dem er seither Musik produziert. 1983 beginnt seine DJ Karriere im Odeon in seiner Heimatstadt Münster, wo er als einer der ersten in Deutschland entdeckt, dass sich durch das Verbinden, Cutten, Mixen und Scratchen von Schallplatten nicht nur eine neue Art der Musikpräsentation sondern tatsächlich eine völlig neuartige Musik machen lässt. Ende 1984 veröffentlicht er den Artikel „Was ist Record Art“ und definiert damit als Originator das Genre dieser neuen Undergroundmusik, Zitat „Record Art ist minimal music, sie ist unpopulär und unkommerziell“. 1985 verlegt er seinen Wohnsitz nach Berlin, wird Resident DJ im Berliner Club Metropol und veröffentlicht mit „17“ seine erste Platte, die ein lokaler Clubhit wurde. Seine DJ Performances und Mixing Skills lösten unter Szeneinsidern einen Hype aus – so wurde er 1986 von den Hardcore-Minimal Electro-Ikonen DAF (Deutsch-Amerikanische Freundschaft) als DJ auf deren Tour eingeladen und veränderte damit stilbildenend das herkömmliche Konzert-Event. 1986 veranstaltete er im Berliner Punkschuppen Ex und Pop die allererste Houseparty Berlins mit einer Sammlung von 30 Import-Maxis. Zeitgleich bereitet er mit Jankuhn, seinem Bruder Fabian Lenz und William Röttger die Gründung des Labels Low Spirit vor, dass schließlich 1987 gegründet wurde und das erste deutsche Label für DJ Musik wird.  1987 führte ihn seine DJ Kunst auf eine Tour durch die damalige Soviet Union, wo er mit den einheimischen Stars Popular Mekaniks einen Tonträger produziert. Mit Jankuhn arbeitet er an den ersten Tracks der Disco Riot Serie, deren Name Programm werden soll. Nicht mehr um Punk im Sex Pistols´schen Sinne soll es gehen, sondern um den Aufstand in der Disco mittels der neuen DJ Musik.

Vom  Disco Riot zum Technohouse – eine Bewegung entsteht (1988 – 1991)

Aus England schwappte 1988 unter dem Banner des Smiley die Acid House Bewegung nach Deutschland über und Westbam wird  als erster deutscher DJ auf zahlreiche Raves gebucht. Mit „Monkey Say, Monkey Do“ hat er seinen ersten internationalen Clubhit und die erste deutsche Produktion des Genres sowie mit „The Roof is on Fire“ und „No More Fucking Rock´n´Roll“ Slammer mit Ansage, ein Jahr später folgte sein erstes Album mit„The Cabinet“. 1988 war er Resident DJ in München im Zelt von „Macht der Nacht“ und deutschlandweit populär. So sandte ihn das Goethe Institut als deutschen Kulturbeitrag zu den Olympischen Spielen nach Seoul.  1989 ist er DJ auf der ersten Love Parade in Berlin gemeinsam mit Dr. Motte, Jonzon und Kid Paul, während sich die Events, die in den Jahren zuvor Acid House Parties nannten, inzwischen Rave nennen. 1990 gründet er mit BUG Records das erste Technohouse-Label Deutschlands, deren Platten wie Fuck the Industry and Motherfuck Radioman! große Hits und Floorfiller  auf den damals in Berlin führenden Veranstaltungen wie Love Parade, Tekknozid und Technostorm und auch die frühen Technoclubs wie den Tresor rocken. 1991 veröffentlicht er sein zweites Album „A Practising Maniac at Work“ und ist Mitbegründer des Events Mayday, dass für viele Jahre die Technohouseszene prägen sollte. Mit dem „Mayday Anthem“ beginnt seine Karriere als Hymnenschreiber, der die Essenz eines Events in einem musikalischen Beitrag zusammenfasst und als Fanfare in die Welt trägt. Das Mayday Anthem ist ein erster Vorläufer der kommenden Technopop-Ära.  Allerdings ist Westbam niemals eindimensional ausgericheter Künstler: etwa zeitgleich erschafft er mit „Endlos“ einen minimalistischen Track, der bereits im Jahr 1992 den Sound der Gegenbewegung zu Poptechno, wie er etwa durch Labels wie Basic Channel repräsentiert wurde, zur Schau stellt und vorwegnimmt.

Von Poptechno zur Raving Society (von 1992-1995)

In Folge der Mayday und der Love Parade entsteht in ganz Deutschland eine Label-Landschaft und eine Technohouseszene mit ihrer eigenen Kultur, die Besucherzahlen der Parade, Raves und Veranstaltungen brechen einen Rekord nach dem anderen und Westbam veröffentlicht 1994 mit Bam Bam Bam ein weiteres stilbildendes Album, dass die Entwicklung seiner Variante der Technohousemusik zum großen Popding der 90er Jahre wiederspiegelt. „Celebration Generation“ und weitere auf seinem Label Low Spirit erschienene Poptechno-Hits erreichen die Spitze der Verkaufscharts und machen diese Musik über die Grenzen eines Undergrounds populär. Schlagwort dieser Zeit ist der Begriff der „Raving Society“. Westbam definiert sie heute wertfrei so, dass die Musik Technohouse und die Raves nicht nur die Gesellschaft beeinflusst haben, sondern dass auch das gesteigerte Interesse der normalen Gesellschaft an Technohouse das Denken der Macher und Musikschaffenden nachhaltig verändert haben. Unstrittig ist, dass diese Poptechnohits maßgeblichen Anteil daran hatten, dass Techno als die bedeutendste Popmusik der 90er in den Geschichtsbüchern steht.

Von der Technopostmoderne zum Electric Kingdom (1996 – 2002)

Nach wie vor wird das Technohouse-Movement immer größer, die Veranstaltung Mayday im Jahr 1995 ist mit selbem Programm an 2 Tagen ausverkauft und Poptechno feiert diverse Stilblüten. Das laute, wilde kindergeburtstagähnlichen Treiben hatte sich zu einem berechenbaren Genre entwickelt, bei dem es so Westbam nur noch um einen „überraschungsfreien Dressurakt“ ging, der nicht seinem Naturell entspricht. Das Feld des Technohouse und Poptechno waren ausgereizt – die Techno-Postmoderne hatte begonnen, mit dem Track „Terminator“ beendete Westbam für sich programmatisch die Poptechnojahre. Westbam besann sich in der Folge auf seine Electro-Roots der frühen Jahre und änderte seinen Musikstil, es folgten die Zusammenarbeit mit Africa Islam als Mr. X and Mr Y seit 1996 und mit Afrika Bambataa. 1997 erreichte als als musikalischer Kopf der Members of Mayday mit Sonic Empire seinen ersten Nummer 1 Hit in den Media Control Charts. Seither ist er ebenso Mitkomponist aller offiziellen Love Parade Hymnen der Jahre 1997 bis 2008, die erst mit ab 1999 mit Besucherzahlen über einer Million Gästen den Höhepunkt ihrer Popularität feiert.  1997 veröffentlicht Westbam sein erstes Buch „Mixes, Cuts & Scratches“ mit Texten über Kunst und Arbeit des DJs sowie Interviews mit Rainald Goetz.  Kultstatus erreicht sein Track 1999 „Beat Box Rocker“  sowie die Zusammenarbeit mit Nena „Oldschool Baby“ 2002. Mit seinem neuen Label und der Veranstaltungsserie Electric Kingdom und dem gefeaturten „Technolectro“ Sound ist er Pionier der Neubearbeitung des 80er Jahre Sounds,

Die Nuller Jahre, Bass Planet und die Road Rage Years (2003-2009)

Die Nuller Jahre und der Anschlag auf das World Trade Center 2001 vertrieben den fröhlichen Geist der Spaßgesellschaft, Westbams Haltung und Attitude setzten in den Nullern einen Kontrapunkt zum Zeitgeist wie sein 2003er Album „Right On“. Auf dem Höhepunkt der 80ies Revival Welle und als Vorreiter des aufkommenden Electrotrash-Trends (der Fusion von Elektronik und Rock´n Roll Elementen“ leistet Westbam zunächst Beiträge mit diversen Remixen (u.a. für Rammstein, Fad Gadget, 2raumwohnung)). 2004 nimmt er mit Africa Islam am deutschen Vorentscheid zum Eurovision Çontest mit dem Track „Dancing With The Rebels“ teil. Für sein programmatisches Nuller Jahre Album „Do you believe in the westworld“  auf seinem Sublabel Roadrage Records treibt er 2005 den Techno-Dekonstruktivismus auf die Spitze, arbeitet mit akustischen Sounds und tritt provozierend bei der begleitenden Tournee mit echer Liveband und Gitarre auf, was nicht von jedem verstanden wurde, besonders von der Zielgruppe, die erst kürzlich „No More Fucking Rock´n Roll“ verinnerlicht hatte.  Seit Mitte der Jahrzehnts ändert sich privat und geschäftlich einiges bei Westbam. Er wurde Vater von zwei Söhnen, Low Spirit stellte aufgrund unterschiedlicher Lebensplanungen seiner Betreiber den Labelbetrieb ein und die Mayday Veranstaltungsagentur wird verkauft, wobei Westbam als DJ der Veranstaltungsserie treu bleibt. Als DJ verabschiede sich Westbam vom Auflegen mit dem einstmals heißgeliebten Vinyl und mixt seither mit CDs und Mischpult.  Mit Klaus Jankuhn gründet er das Label Bass Planet als neue Plattform für seine Produktionen und Aktivitäten.

The Age of Now (2010 bis…..)

2010 erscheint im Vorfeld der Love Parade eine Westbam Triple CD mit all seinen Hymnen, einer Auswahl der Tracks, die er auf den frühen Loveparade Hits gerne spielt und einen 100 Minuten Mix neuer Eigenproduktionen und Tracks, die er in seinen aktuellen Sets gerne spielt. Sein Plan war es,  sich nach über 20 Jahren Love Parade furios von der Veranstaltung zu verabschieden, die Tragödie von Duisburg durchkreuzte diese Absicht, Westbam sagte seinen letzten Love Parade Gig ab. Highlights des Jahres 2010 sind seine gefeierten Sets beim Berlin Summer Rave vor 12000 Leuten am Flughafen Tempelhof und bei den Maydays in Moskau und Polen vor jeweils 15000 Gästen. Noch immer präsentiert Westbam im 3 Monatstakt seine Lieblingstracks auf Radio Eins Live und legt 5-6 x im Monat auf.  Zur Zeit arbeitet Westbam mit Jankuhn im Studio an seiner nächsten LP, die der vielfältigsten Soundquelle aller Zeiten gewidmet ist: der menschlichen Stimme.

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