Tom hat Sand in den Zähnen und Smegma im Schritt.
Umgekehrt wäre auch lässig, ein einleuchtend brutaler Teufelskreis.
Clubfrische ist eben immer auch Risiko: Organischer Dreck, Insekten, Komfortwüste. „

Was machst du da?“, fragte das Chick. „Wespenjagd“, sagte Tom.
„Lesbenjagd?“ – „Ja, logo Lesbenjagd. Gerade hab ich eine an der Heizung erwischt.“

Auch One-Night-Stands können stressen.
Und auch aus der eigenen Wohnung kann man prima abhauen, um Jägermeister und Kippen zu checken und auf unbestimmte Zeit zu verschwinden: „Lass ma an den Köpenicker-Strand machen“, erklärt Tom dem Taxihorst und der chauffiert da auch ganz vernünftig hin und Sound und Checkung gibt das auch da.

Tom jeanst, Tom peilt, Tom grient, Tom spendiert, Tom ist obenauf, Tom kommt sogar drauf, dass Insektenstiche voll geil zecken. Dann taucht ein spuddeliger Hippie auf und fordert Tom zum Erdloch-Battle und Tom verliert.

Tom hat Sand in den Zähnen, Tom hat Smegma im Schritt und kann sich keinen Zentimeter bewegen. Einzementiert in den Stadtstrand ist Tom gezwungen, die Tschabos, Chicks und Hörste im Frischluft-Delirium zu beäugen.

Fickfroschperspektive.
Tom kriegt Bierspritzer ab, Tom fallen Pillenviertel in den offenen Mund, Tom inhaliert passiv, Tom gibt sich hin, dann regnet es und die Tschabos, Chicks und Hörste verschwinden. Tom sinkt ein bisschen tiefer in den Sand, später noch viel tiefer.

Augen zumachen wäre ein Super-Feature, aber Tom ist der Erdlochgott und muss da jetzt durch, auch bei Regen. Dann kommt die Sonne wieder und treibt die Tschabos, Chicks und Hörste erneut in Toms Sichtfeld: Klar ey, gib mir deinen leckeren Muh-Saft, logo ich hör dir zu, du spuddeliger Spuddelkopf und ein kleiner Schwanzdreher für zwischendurch schadet auch nie.

Tittenmäuse hoppeln, Easy-Jet-Trottel verschütten, Optikopfer rauchen, Übriggebliebene taumeln, ganz Fertige stieren. Vorne schwenkt eine magersüchtige Ausdruckstänzerin ihren Kulturbeutel, links hacken sich Hüpfdrosseln durch House-Reste, rechts sabbert ein Nackter mit Hut und Tennissocken.

Das ganze Freiluftrumgetanze und -rumgemache macht Tom endgültig so wuschig, dass er auch sein Extremitäten wieder bewegen kann: Aufrappeln und ein bisschen Bummel auf dem Basar geht immer: Tom findet den spuddeligen Hippie und macht ihn im Eimer-Rauchen fertig, Tom schwitzt wie ein Schwein, Tom sagt Hallo: „Ohne die Zunge von deinem Flittchen im Hals gar nicht erkannt, Alter“, ein Tschabo reißt Tom die Cola-Flasche weg: „Muss Pille schlucken!“

Was ist bloß los mit diesen Leutchen? Der Taxi-Horst bringt Tom zurück in seine Wohnung und das Chick fragt: „Sind die Lesben immer noch an der Heizung?“, Tom ordnet an: „Lass uns Ficken!“ und alles in allem endet nicht nur buddhistisch kreisförmig sondern auch befriedigend.

„Tom frühstückt Schnapsmüsli und Acidwurst.“
Tom ist Raver.
Tom nimmt Drogen.
Tom säuft.
Tom ist immer geil.

Anton Waldt schrieb die Abenteuer des Ravers Tom in den vergangenen zehn Jahren zunächst für den Partysan Berlin, später waren Toms Erlebnisse auf den Monatsflyern des Clubs Berghain zu lesen. Die Geschichten sind legendär. Nun sind die besten erstmals in Buchform zu haben: „Toms Schwanz schmerzt wie die Sau. Finally abgenutzt, offensichtlich. Tom summt: ‚Es ist ’ne schmale Linie zwischen Liebe und Hass.’ Tom sucht und findet den Putzlichtschalter im Darkroom. Tom konsultiert sein Hirn. Ohne Resultat. Tom knipst und brüllt: ‚Stimmung!’ Tom hat eine gute Zeit auf der Intensivstation.“

Anton Waldt wurde 1966 in Wien geboren. Er lebt seit 1990 in Berlin und ist heute Chefredakteur des Magazins für elektronische Lebensaspekte De:Bug.


Mit Illustrationen von Harthorst
128 Seiten
13 €
ISBN: 978-3-940426-56-7

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