Tobi Neumann. Es werden immer wieder neue Leute nachkommen.

Tobi Neumann ist ein Name, der meistens im Zusammenhang mit Remixen fällt. Die eigene Musiker-Laufbahn des Süddeutschen jedoch verdient ebenso eine nähere Beleuchtung. Zu diesem Zweck hat sich Heiko Kunz mit Tobi über E-Gitarren, Ecstacy und Elternhaus unterhalten.

Wo wurdest du geboren und wie bist du aufgewachsen?
Geboren bin ich in München und aufgewachsen mit Bruder und Schwester in einem gut behüteten Elternhaus. Nicht sehr streng, eher liberal. Wir sind nicht maßlos erzogen worden und mussten uns gelegentlich einschränken, aber uns hat es an nichts gemangelt.

Gibt es so etwas wie musikalische Wurzeln in der Familie?
Ja. Meine Mutter liebte die klassische Musik, was insofern meine erste Prägung bedeutete. Mit sechs Jahren wurde ich bereits zum Klavierunterricht geschickt, weil ich als vierjähriger immer darauf herumgedrückt habe. Wir sind auch viel in die Oper gegangen. Damals habe ich vor allem Mozart gehört.

Welche berufliche Laufbahn hast du nach der Schule eingeschlagen und stand der Toningenieur als Beruf damals schon fest?
Ja. Nachdem ich als Dreizehnjähriger meine erste E-Gitarre bekommen hatte, faszinierte mich die Tontechnik und der Entschluss stand bereits fest. Ich habe in der Musikschule Starnberg in einer Musikschulband gespielt und mit 15 hatte ich meine eigene Band. Musikalisch ging es in Richtung Funk.

Sag uns doch kurz etwas zum TV-Musik-,Musik- und Jingle-Produzenten.
Also, als ich als Toningenieur fürs Fernsehen tätig war, habe ich in erster Linie Übertragungen von Fußballspielen, Theaterstücken, Politdiskussionen gemacht ein sehr technischer, verantwortungsvoller Job, der einem viel abverlangt und nicht wirklich viel mit Musik zu tun hat. Als Jingle-Produzent sitzt du im Studio und machst Jingles in sehr kurzer Zeit, die dann musikalisch auf den Punkt gebracht werden müssen, als Musikproduzent ist man künstlerisch für eine Band oder für einen Musiker tätig und versucht, dessen Ideen musikalisch umzusetzen und auf den Punkt zu bringen.

Was bewog dich im Jahr 1996 dazu eine DJ-Karriere einzuschlagen?
Ecstasy? Auf der Loveparade 96 habe ich beschlossen, dass ich jetzt unbedingt DJ werden muss.

Ist die Technoszene nicht etwas zu überaltert und werden nicht zu viele Positionen von Leuten blockiert, die zu lange dabei sind?
Nicht mehr. Mittlerweile hat sich das geändert und es kommen auch die jungen dran. Viele ältere, die versucht haben ihre Positionen zu behaupten, kommen in bestimmten Clubs auch nicht mehr zum Zug. Viele Clubs, die momentan lebhaft die elektronische Musikszene unterstützen, setzen vor allem auf junge Leute. Heutzutage entscheiden vor allem die Musik und die Innovation, für die man als Künstler steht, darüber, wer in den Clubs spielt.

An welchen Projekten arbeitest du derzeit und welche Projekte würden dich für die Zukunft reizen?
Ich arbeite an meiner eigenen Musik, was für mich neu ist, da ich meistens für andere produziert habe. Dann mische ich auch hin und wieder ganz gerne einmal Bands. Für die Zukunft könnte ich mir vorstellen ein Restaurant zu eröffnen und Radio zu machen.

Wie arbeitest du im Studio- mehr mit Hard mehr mit Software?
Gemischt. Ganz viel Hardware, ganz viel Software (Logic und ein Mac gehören dazu).

Welche Prognose hast du für die nächsten zehn Jahre parat?
Es werden immer wieder neue Leute nachkommen, die noch mal eins drauf setzten. Es wird die Musik, die Clubkultur weiterleben und die Schere zwischen Arm und Reich wird hoffentlich nicht zu groß werden…aber das sind ja eher Hoffnungen.

Aktueller Tonträger:
V.A. “Pass your Artists” mixed by Tobi Neumann / Electric Avenue Recordings
EAV011CD / VÖ 6.06.2005 / Vertrieb interGROOVE

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