Wenn man die Setlist so mancher internationaler DJ Größen wie Sven Väth, Richie Hawtin, Laurant Garnier, Slam oder Dubfire aus den letzten beiden Jahren durchgeht, findet man immer wieder einen deutschen Namen, den man nicht wirklich zuordnen kann: Till Krüger. Noch ist der vielversprechende Newcomer fast sowas wie ein Geheimtipp, von dem nur wenige wissen, dass er mitten unter uns in Stuttgart lebt. Das wollen wir mal fix ändern, also habe ich mich nach der Treibstoff Label Night im Rocker 33 mit dem sympathischen Underdog auf ein Interview getroffen:

 

Till, Du bist ja ein Benztown Boy – auch wenn ein „Neigschmeckter“, wie wir Schwaben sagen – erzähl doch mal ein bisschen von Dir, woher kommst Du und was hat Dich nach Stuttgart gebracht?

Ja also, ich bin 1987 in Überlingen am Bodensee geboren und dort auch aufgewachsen, der Umzug nach Stuttgart kam vor einigen Jahren durch mein Architekturstudium, das ich im Frühjahr abschließen will.

Wie kommt es, dass Du als Süddeutscher von 200/Treibstoff aus Köln aufgenommen wurdest?

Das ist ganz einfach: 200 Records war das einzige Label, das sich mit „Ja, wir machen daraus ne Platte!“ auf meinen Demotrack gemeldet hatte. Ende März 2010 kam die Wrong Shirt EP raus. Sven Väth und ein paar andere DJs haben „Wrong Shirt“ und „Wumme“ in dem Sommer regelmäßig aufgelegt und die beiden Tracks wurde dann auch von Cocoon für die Eleventh Season Compilation“ von Sven Väth lizensiert. Das war dann sozusagen der Auftakt für neue Releases auf 200.

Wie bist Du zur Musik, insbesondere zu Techno gekommen und was war Dein Einstieg – auflegen oder produzieren?

Musik hat schon immer mein Leben bestimmt, allerdings erstmal viel HipHop – ich war früher Skater und mein älterer Bruder hatte auch eine HipHop Band. Bei einem Ausflug nach Stuttgart ins M1 hat mich dann André Galluzzi quasi über Nacht zu Techno bekehrt. Mit dem Umzug nach Stuttgart habe ich dann auch angefangen, meine eigenen Tracks zu produzieren. So richtig aufgelegt habe ich vorher nicht, nur mal so unter Freunden, aber nie im Club.

Wie jetzt: Du hast eine ganze EP mit fünf Tracks veröffentlicht und vorher die Tracks nie in einem Club getestet, geschweige denn irgendwo aufgelegt?

Ach was, ich habe mein erstes Album auch nur per Kopfhörer produziert. Mein erstes DJ Set war echt ne witzige Geschichte: 200 feierte Geburtstag in Köln und der Labelchef lud mich ein, zu kommen und aufzulegen. Klar hab ich zugesagt, aber dann hin und her überlegt, ob ich ihm vorher sagen sollte, dass ich noch nie groß aufgelegt hab – die dachten ja garantiert, dass ich das voll drauf hab. Gottseidank lief alles echt super und die Leute haben voll abgefeiert. Nach dem Set hab ich Dirk gebeichtet, dass das mein erstes DJ Set war – wir sind dann erstmal einen trinken gegangen!

Dein letztes Release war ein Remix von Gabriel Ananda’s „Hey Blob“, der auch gleich wieder in die Tracklist zahlreicher DJs wie z.B. John Digweed, Dosem, Oliver Schories und Dominik Eulberg gewandert ist. Was wird es als nächstes von Dir geben?

Anfang nächsten Jahres wird es Releases von mir auf Treibstoff und gem Records (Secret Cinema) geben sowie ein Release auf soundfate, das ist das Label von Dosem, der ja auch auf Tronic von Christian Smith veröffentlicht. Daneben habe ich noch ein paar andere Sachen am Start und denke über ein Album nach, das ist aber alles noch nicht spruchreif.

Du bist meist als Live Act wie z.B. auf der Nature One unterwegs und spielst in der Regel ca. 1,5 Stunden. Du hast zwar so einiges veröffentlicht, aber 90 Minuten lassen sich kaum damit füllen. Wie bestreitest Du den Live Act?

Stimmt, der Hauptteil meiner Live Auftritte besteht aus Tracks, die nicht released sind – noch nicht, was kommen wird, haben wir ja schon besprochen!

Im Climax wirst Du mit Mischung aus DJ Set und Live Act performen. Was macht Dir tatsächlich mehr Spass?

Klar ist ein Live Gig eine größere Herausforderung als ein DJ Set, alleine schon aufgrund der Tatsache, dass man mindestens 90 Minuten mit eigenen Tracks füllen muss und dabei ja auch noch auf das Publikum flexibel eingehen will. Als Live Act bin ich nach der Nature One und diversen größeren Gigs schon erfahrener, DJ Sets habe ich bisher nicht so viele gehabt, aber immerhin ein warm up DJ Set für Carl Craig in Köln. Auf den Gig im Climax bin ich echt gespannt, ich kann mir gut vorstellen, dass die Mischung Live/DJ Set richtig cool wird.

Du studierst ja Architektur in Stuttgart und hast Dir damit ein berufliches Standbein gesichert. Als Musiker bist Du ja auch nicht untalentiert, wenn Du Dein Herz fragst: Mit was würdest Du lieber Deinen Lebensunterhalt verdienen?

1000% Leidenschaft steckt in der Musik – da mutiere ich auch echt zum Freak, hocke tagelang nur am Laptop, schlafe und esse nur, wenn es wirklich sein muss und vergesse total die Welt um mich herum – ich mache ja in meiner Freizeit auch kaum was anderes als Musik. Wenn ich von den Gagen etc. einigermaßen anständig leben kann, würde ich am liebsten nur noch Musik machen.

Herzlichen Dank für das Gespräch, Till! Wir sehen uns am 30.11. im Climax und am 21.12. auf dem Neckarrave im Universum.

Interview: Verena Szillat

Benztown Boy Till Krüger: Ja, wir machen daraus ne Platte!

Kommentar verfassen, Diskossion starten, Meinung melden‽