Lange wurde der Releasetermin verschoben, die Spannung stieg, jetzt ist es da  Tiga´s Album mit dem ungewöhnlichen Titel Sexor steht ab sofort für die von Euch in den Startlöchern, die sich den Sound des Kanadiers mit der Lizenz zum Covern nach Hause holen möchten. Nach schier endloser Parkplatzsuche im Herzen Kölns habe ich mich also mit Herrn Sontag bei Brownies und Kaffee über ganz normale Dinge wie Jackie Kennedy, Flash Gordon und Depressionen in schummrigen Hotels unterhalten.

Tiga, zunächst mal was skurriles… Auf Deiner Homepage erscheint als Startbild ein Foto von John F. und Jackie Kennedy, mit Deinem Kopf auf ihren Schultern  Was hat es damit auf sich?

Oh, das hab ich schon vor langer Zeit gebastelt, ich dachte einfach, es ist irgendwie lustig (lacht). Ich bin kein grosser Fan der Kennedys, Jackie ist jedoch so eine Art glamouröse Stil-Ikone…

Okay, verbuchen wir das mal unter Hommage. Warum heisst Dein Album Sexor? Klingt wie ein Porno-Darsteller aus dem All…

Sexor hat keine wirkliche Bedeutung, ich dachte nur, es klingt irgendwie cool. Zunächst wollte ich dem Album einen Namen geben, der für ein Alter Ego steht, das extrovertiert ist. So sehe ich nämlich die Artist-Seite, im Gegensatz zur DJ-Seite, die ja eher nicht so zugänglich für die Leute ist. Ich mag die Idee, dass jeder seine eigene Interpretation des Titels beisteuert, Sexor könnte ja auch ein Erzfeind von Flash Gordon sein oder so…

Man weiss es nicht… Warum hat es so lange gedauert, bis Sexor released wurde?

Das war eine Kombination aus vielen Dingen, hauptsächlich hatte ich für über ein Jahr familiäre Probleme, die es sehr hart gestalteten, das Album fertig zu stellen. Ausserdem war ich viel unterwegs und hatte die schwere Aufgabe zu bewältigen, zeitlich mit den Produzenten, mit denen Sexor entstand, auf einen Nenner zu kommen.

So ist das eben, wenn man mit verschiedenen Leuten zusammen arbeitet. Erst in Stockholm aufzulegen, dann in Belgien, ins Studio zu gehen und am nächsten Tag irgendwo anders auf der Welt sein zu müssen, ist nicht leicht… Ich habe das beste aus den Umständen gemacht, unter normalen Bedingungen würde ich so aber nicht arbeiten, das finde ich unbefriedigend.

Für das nächste Albumwerde ich mir mehr Zeit nehmen. Manchmal kannst Du eine LP in 2 Wochen fertig stellen, das hängt natürlich auch von der Inspiration ab. Ich denke, dass Sexor stellenweise anders klingen würde, wenn ich 4 Wochen am Stück damit verbracht hätte, es zu produzieren. Nimm beispielsweise den Track Highschool, den habe ich vor 4 Jahren mit Jori (Hulkonnen) geschrieben, ein Jahr später schrieb ich die Vocals, wieder ein Jahr später habe ich ihn mit Jesper (Dahlbäck) produziert und ihn mit Jori abgemischt. Der Punkt an der Geschichte ist  Wenn ich 4 Tage auf einmal mit dem Song zugebracht hätte, wäre er auch in genau dieser Zeit fertig gewesen.

Ich habe in Deiner Bio gelesen, dass Du Deinen Vater  der auch DJ war  als Kind auf Trips nach Indien begleitet hast. Was für ein Sound war damals prägend für Dich?

Ja, das war, bevor Techno, Acid House und Dance Music an sich gross wurde. Es gab eine grosse Gay-Szene, viel Disco und New Wave, Body Music  Jammin´ von Stevie Wonder oder Michael Jackson… Es war damals alles sehr open minded.  Ist es übrigens jetzt auch wieder, fällt mir eben auf (lächelt). Heutzutage sind wir alle sehr trainiert auf elektronische Musik, man trifft sich, um auf Festivals wie Glastonbury zu gehen und zu DJs zu tanzen, das war damals nicht selbstverständlich… Es war eher eine alternative Szene, Avantgarde, weg vom Mainstream.

Wo wir eben beim Namedropping sind  Wer hat Dich als Produzent beeinflusst, hast Du irgendwelche Heroen, die Dich inspiriert haben?

Ja, ich bin sehr beeinflusst von Depeche Mode  Auf der einen Seite Pop, auf der anderen pure, elektronische Musik. Giorgio Moroder und Kraftwerk sind auch treibende Kräfte für mich. Ich weiss, jeder erwähnt Kraftwerk gerne, aber die Jungs sind einfach Wahnsinn – die Musik ist so intelligent. Ausserdem mag ich Industrial-Stuff wie Front 242 und Nine Inch Nails, etwas darkere Musik… Ich hab mir das letzte NIN-Album in Deutschland gekauft, das war so ein Jahr, bevor Sunglasses At Night erschien. Ich war im Stammheim in Kassel gebucht und hab es auf dem winzig kleinen, dunklen Hotelzimmer gehört. Ich war damals sehr depressiv  ein Wunder, dass ich heute hier sitze (lacht).

Diese Zeiten dürften ja mittlerweile für Dich vorbei sein… Etwas anderes – Ich habe heute eine Promo von Good As Gold bekommen, auf der ein fantastischer Morgan Geist-Mix enthalten ist. Kennt Ihr beide Euch persönlich?

Nicht so wirklich. Wir haben uns mal in Montreal kennen gelernt, als er dort auflegte, ansonsten kenne ich ihn nur durch E-Mails. Er ist ein sehr ernsthafter Mensch, sehr professionell, arbeitet sehr hart. Vermutlich ist er keiner der Menschen, die mal eben Leute in ihr Studio einladen und dort Party machen (lächelt)… Wobei das auch nach vorne los gehen kann  Du gehst ins Studio, machst 9 Tage kompletten Scheiss und am zehnten kommt dir auf einmal die Idee und alles ist super. (Denkt nach) Man muss wohl durch eine Menge Müll gehen, um die Schätze zu finden… Egal, zurück zu Morgan: Ich bin sehr glücklich über seinen Mix, er ist genau das, was ich mir von ihm erhofft habe.

Du hast eine enge Beziehung zu so verschiedenen Menschen wie Soulwax, Jesper Dahlbäck, den Scissor Sisters, Jori Hulkonnen, Richie Hawtin…

Ja, ich bin sehr offen, was Leute kennen lernen angeht. Adam Beyer zum Beispiel habe ich durch mein Label kennen gelernt, er hat in den Neunzigern eine Mix-CD auf Turbo veröffentlicht und seitdem sind wir enge Freunde, ebenso wie Jesper einer meiner besten Freunde ist.

Die meisten der Techno-Leute, wie Richie Hawtin, Jeff Mills und andere, habe ich durch meinen Club in Montreal kennen gelernt, als sie dort spielten. Man geht miteinander essen und erörtert gemeinsame Interessen. Daraus entstanden Kontakte, die bis heute halten. Das war auch mal alles schwieriger, insbesondere zu der Zeit, in der mich keiner kannte. Ich erinnere mich, ich ging mal auf einer Party zu Derrick May und wurde von ihm erstmal mit Later, Kid abgespeist…

Heute kennt man Tiga und die Prozedur des gegenseitigen Beschnüffelns läuft etwas unvoreingenommener ab. Ich bin sowieso nicht so sehr der Networker, wenn ich mit Leuten abhänge, nehme ich das Business-Ding nicht so ernst, erzähle lieber Witze oder so… Läuft im Studio übrigens genau so. Wenigstens habe ich das Kiffen etwas reduziert, sonst würde ich wohl nur Witze erzählen…

Tu Dir keinen Zwang an, ist ein freies Land. A Propos Studio  Mit wem würdest Du gerne mal zusammen arbeiten, gibt es Wunschkandidaten?

Stuart Price wäre ein Kandidat, aber er ist momentan zu sehr mit Madonna beschäftigt. Ich würde gerne Beats für Sean Paul machen, oder einen anderen Künstler aus der Dancehall- oder HipHop-Ecke. Timbaland und Pharrell (Williams) machen abgefahrene Sachen, das fände ich interessant. Allerdings ist HipHop sehr festgefahren, bis auf wenige Ausnahmen und selbst die können das, was sie machen, nur deshalb machen, weil sie seit Jahren im Geschäft sind und sich keine Sorgen über Disrespect oder ähnliches machen müssen. Sie haben ihre Lorbeeren verdient und dürfen deshalb ein wenig abdrehen, aber das sind wirklich nur wenige  Snoop, Kelis, Missy…

Okay, Danke Dir vielmals für das schöne und entspannte Interview, nun noch einige Worte zu Deinem Label Turbo Recordings  Was steht im neuen Jahr an?

2005 war aufgrund meines Albums sehr ruhig, 2006 wird es ein neues Turbo-Office geben, auch neue Mitarbeiter. Jesper, Phillip Zdar und ein Deutscher Junge namens Martin Eyerer werden releasen, Martin Eyerer werden ein zweites Album veröffentlichen, das allerdings noch nicht fertig ist. Es kommt also einiges in diesem Jahr, auf das man sich freuen darf…

26.01.2006
TIGA
By Marc Peakay

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