Steve Rachmad: ich bin einfach meinem Herzen gefolgt …

Hallo Steve, im Juni hast Du Dein erstes Album auf 100% Pur „Secret Life of Machines“, das erstmalig 1995 erschienen ist, nochmal in einer remastered Version veröffentlicht. Welche Idee steckt hinter der Wiederveröffentlichung und wer hatte denn eigentlich die Idee dazu?

Ich selbst wollte das eigentlich gar nicht, aber nahestehende Künstler, Freunde und Fans haben mich dazu überredet. Sie waren der Meinung, dass das Album so zeitlos ist und auch für die jüngeren Leute etwas ist, was man einfach kennen sollte. Und tatsächlich waren eine ganze Menge Leute echt glücklich, dass das Album nochmal aufgelegt wurde, weil sie es seit langem gesucht haben.

Die Tracks hast Du ja vor sehr langer Zeit komponiert. Inwieweit warst Du Dir damals schon bewusst, dass Du sozusagen ein Album für die Ewigkeit machst?

Das war mir nicht wirklich bewusst, ich bin einfach meinem Herzen gefolgt und wollte tolle Musik machen. Ich hatte damals zwar schon irgendwie die Idee, ein Album zu machen, aber das kam eher aus einem Instinkt heraus.

Wenn man die letzten zwanzig Jahre Revue passieren lässt, wurde die eher melodische Seite von Techno oft abgetan oder als Mainstream bezeichnet. Viele DJs wollten unbedingt underground sein und haben sich verweigert, eher melodische Tracks zu spielen oder zu produzieren. Wie siehst Du das insbesondere mit dem Hintergrund Deines Albums?

Musik ist ja ein sehr persönliches Ding, entweder fühlst Du sie, wenn Du einen Track hörst oder eben nicht. Die Hauptfrage ist doch: Magst Du einen Track? Wenn ja, solltest Du ihn einfach spielen und nicht darüber nachdenken, ob es underground oder was auch immer ist.

Die meisten Deiner Tracks hast Du unter den verschiedensten Pseudonymen veröffentlicht, magst Du uns verraten, warum das so ist? Und gibt es hinter den verschiedenen Namen auch möglicherweise jeweils ein bestimmtes Muster oder einen Stil?

Zunächst ist das aus einer Not entstanden: Mein Label wollte damals nicht, dass ich mit meinem Namen auf einem anderen Label veröffentliche. Da ich aber unbedingt auch mit anderen Labels zusammenarbeiten wollte, bin ich auf die Idee mit den Aliases gekommen. Mit der Zeit habe ich die Namen mit bestimmten Stilrichtungen verbunden: Sterac ist deeper Detroit Techno, Parallel 9 steht für dubby Techno, Dreg macht härteren Techno, Sterac Electronics ist eher Elektro und so weiter. Die letzten Jahre habe ich dann wieder mehr unter meinem eigenen Namen Steve Rachmad produziert, weil mir die Leute einfacher folgen können. Tatsächlich sind sogar heute noch viele Leute sehr überrascht, wenn sie erfahren, dass bestimmte Tracks von mir sind.

Auch wenn Du gerade erst ein Album veröffentlicht hast: Auf was dürfen wir uns in den nächsten Monaten freuen?

Ich verbringe ja so viel Zeit wie möglich im Studio, leider ist es zwischen den vielen Reisen und Gigs für mich gefühlt nie genug Zeit. Aktuell habe ich eine neue Parallel 9 EP auf Music Man veröffentlicht und „Bling it up“ ist auf Rejected erschienen. Außerdem arbeite ich an diversen Remixen, einigen neuen EPs und vielleicht kommt sogar bald ein neues Album von mir heraus.

Momentan reist Du ja mit Deiner Albumtour rund um die Welt, welches Feedback bekommst Du von den vielen jüngeren Leuten, die möglicherweise zum ersten Mal Deine Tracks hören? Und was sagen Deine alten Fans dazu?

Ja die jüngere Generation ist meist sehr überrascht, dass die Tracks eigentlich so uralt sind. Aber es gibt auch eine Menge aus der älteren Generation, die die Tracks bisher nicht kannten und ebenso überrascht sind.

In dem Making of Video zu Deinem Album hast Du erklärt, wie Musik in den frühen 90ern produziert wurde und wie einfach Dein Equipment damals gewesen ist. Wie hältst Du von den ganzen technischen Entwicklungen und wie setzt Du sie ein?

Die neue Technologie erleichtert die Arbeit ja schon auf eine fantastische Art und Weise – ich kann sogar meine ganzen alten Kisten damit automatisieren. Im Studio verwende ich eine Mischung aus Neuem und Altem, d.h. ich verwende Software und habe aber auch mein ganzes altes Equipment im Studio und kombiniere das mit einem Mischpult.

Wie sieht denn Dein Set up auf der Bühne aus? Performst Du als DJ oder als Live Act oder ist es eine Mischung von beidem?

Ich bin nur als DJ auf der Bühne und verwende momentan drei CD Player und einen Mixer. Ich werde oft gefragt, ob ich nicht auch mal live performen möchte, aber ich fühle das nicht und deshalb wird es wohl nie zu einer Live Performance kommen.

Wie siehst Du die Zukunft des DJing und Producing? Gibt es etwas  bei den neuen Technologien, die Dich wirklich begeistern? Welche Entwicklungen betrachtest Du eher etwas kritisch?

Persönlich liebe ich wirklich die ganz alten Schule des Auflegens, aber ich verfolge natürlich alle Entwicklungen, damit ich immer auf dem neuesten Stand bin. Es ist schon fantastisch, wie weit wir uns von einem ich glaube 1978 auf den Markt gekommenen Technics SL 1200 entwickelt haben.  Heute hat der Computer mit Final/Serato Scratch und Traktor das Zepter übernommen und das sind schon fantastische Erfindungen.

Deine Musik und Du selbst werden häufig mit Detroit Techno verbunden. Eigentlich bist Du ja Holländer und hast auch nie in den Staaten gelebt, soweit ich weiß. Inwieweit hat Deiner Meinung nach Detroit unsere europäische Musik beeinflusst oder hat doch Europa mehr den Detroit Techno geprägt? Oder war es möglicherweise sogar ein wechselseitiger Einfluss?

Ich denke, dass Detroit natürlich die europäische Technoszene beeinflusst hat aber genauso haben wir Europäer die Detroiter weitergebracht. Heute kommt das meiste an Detroit Style eher aus Europa und es gibt eine riesige Menge an Detroit Techno Fans sowohl in Holland als auch in ganz Europa, die diesen Stil am Leben erhalten.

Du lebst wie schon gesagt in Holland und die Holländer haben vor allem in den Neunzigern Europa und den Rest der Welt mit ihrem speziellen Sound sozusagen erobert. Auch heute gehören vielen Deiner Landsleute wie z.B. Tiesto oder Armin van Buuren zu den Top DJs der Welt, wobei sie aufgrund ihrer eher trancigen Sets heutzutage fast schon Mainstream sind. Was denkst Du über die heutige Szene in Holland?

Oh ich finde hier verändert sich eine Menge und wir bemerken alle, dass die Musikstile sehr viel näher aneinandergerückt sind. Die holländische Szene pulsiert und verändert sich ständig, was wir an den  fantastischen Line Ups sehen. Sogar eine große Veranstaltung wie die Sensation verändert langsam ihre Richtung weg vom Trance oder Mainstream hin zu mehr TechHouse und Techno, was wirklich keine einfache Aufgabe aber ein sehr mutiger und respektabler Schritt ist.

Wie würdest Du die deutsche Szene mit der in Holland vergleichen? Siehst Du große Unterschiede zwischen den Ländern trotzdem wir Nachbarn sind?

Tja einerseits sind wir sehr ähnlich und doch wieder verschieden, aber einen wirklich großen Unterschied sehe ich nicht – wir sprechen alle dieselbe Sprache durch die Liebe zur Musik. Deutschland ist immer noch mit an der Spitze der elektronischen Musik und ich denke, gemeinsam sind Holland und Deutschland die größten Partynationen – wir haben die größten Partys und Festivals und viele Leute aus aller Welt kommen auf  unsere Events.

Zurück zu uns: Am 25. August wirst Du das erste Mal beim Day & Night Festival auflegen. Was weißt Du über unser Festival und was erwartest Du von der Party und uns Schwaben?

Ganz ehrlich: Ich weiß nicht wirklich viel über das Festival aber ich bin schon super gespannt! Mit der Fusion wird das dieses Jahr mein zweites deutsches Festival und ich freue mich tierisch  darauf, die Partypeople und all meine Freunde und DJ Kollegen zu treffen!

Steve, vielen Dank für das Interview, wir freuen uns auch auf Dich!

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