djkoze-burnout
Seit Ende März ist es ja nun endlich draußen, das neue Album Amygdala von DJ Koze. Wir trafen hierzu den Ex Fishmobber aus Hamburg mal zu einem kleinem Smalltalk.

Hallo Kosi, gleich die erste Frage zu Deinem neuen Album „Amygdala“, das Ende März rauskommt. Sag uns doch mal in drei Sätzen, was uns da so erwartet beim Anhören.

Das Album ist ein unwirklicher 78 minütiger Spaziergang durch Dj Kozes Kopf mit so noch nicht gehörten Stimmungen, Intensitäten, Sounds und Szenen. Wie nicht anders von mir zu erwarten brilliert diese Schallplatte durch enorme Musikalität, Deepness, feinstofflichem Sounddesign und ist ein Kaleidoskop unterschiedlichster Klangwelten, in dem es auch nach tausendfachem Hören noch neue Nuancen zu entdecken gibt.

Und als ob das noch nicht genug wäre, kommen dann auch noch unerwartet liebe Freunde vorbeigegrätscht, die fröhlich mitsingen wie Caribou oder Dirk von Lowtzow, Apparat, Matthew Dear, Ada und Milosh. Ich bin froh, dass es ein Meisterwerk geworden ist, man weiß so etwas ja nie vorher.

Auf vielen Songs gibt es Features mit Künstlern, die ihre Vocals beisteuern. Wie wählst Du da die passenden Vocalisten aus?

Ich hatte eigentlich vor mit Andre 3000, Pharrell Williams und Damon Albarn zu arbeiten, aber irgendwie dachte ich dann, das käme zu posermäßig. Ich hab dann auf meinen Freundeskreis zurückgegriffen und Glamour gegen Sympathiepunkte eingetauscht.

Eine Nummer ist mit Vocals von Hildegard Knef entstanden. Wieso hast Du Dir die Knef als Featurekünstler ausgesucht?

Hildegard Knef war eine einzigartige Künstlerin. Die vielleicht interessanteste, die Deutschland je hatte. Sehr eigen und voller Brüche.
Vor 11 Jahren hatte ich schon einmal das Vergnügen, einen Remix für Hilde machen zu dürfen. Ich erinnere mich noch an das magische Gefühl, all ihre Einzelspuren unter dem Kopfhörer durchzuhören. Gänsehaut.

Ich hatte damals mehrere Stücke zur Auswahl, entschied mich für „Ich liebe Euch“. Erst vor 2 Jahren fand ich durch Zufall die Einzelspuren von „Ich schreib Die ein Buch“ auf meinem Dachboden wieder. Ich fing noch in der selben Nacht an, an einer neuen Version zu arbeiten. Die ist nun auf meinem Album zu hören, Ich mag die Dirtyness und das Kaputte an „Ich schreib dir ein Buch 2013“.

Der Track „Homesick“ mit Ada hört sich für mich mehr nach HipHop, als  nach irgendeiner Spielart von House an. Planst du wieder mehr „back to the roots“ zu gehen, oder bleibt das was Einmaliges?

Ich plane überhaupt nix und denke beim Musizieren nicht in irgendwelchen Genres. Ich leg erstmal los und überleg dann später was ich damit überhaupt machen könnte.
Aber es stimmt, ich liebe noch immer die Urenergie des HipHops. Ich hätte sogar totale Lust ein ganzes HipHop Album zu produzieren.

Es müsste aber irgendwie next Level Shit sein, am liebsten mit einer freakigen Form von SingSang. Nicht nur Ghetto-Gespitte. Mit meinem Dude Jackmate, Stuggie´s Finest, sammel ich schon seit geraumer Zeit Instrumentals, die uns so nebenbei passieren. Arbeitstitel für das gemeinsame Projekt „Hip Hop for Children of Parents with Problems“

Für mich hört sich das ganze Album sehr warm und druckvoll an, was man ja oft der analogen Produktionsweise nachsagt. Mit was für Equipment arbeitest Du im Studio? Wirklich noch analog, oder hast du einfach alle digitalen Möglichkeiten für diesen Sound genutzt?

Mir ist die Wärme und ein organischer, nicht zu cleaner Sound mit viel Dynamik sehr wichtig. Bin halt irgendwie ne Soultype. Solch einen Sound alleine mit Softwaresynthies zu generieren ist auf jeden Fall für mich sehr schwer. Presets inspirieren mich selten. Daher sample ich viel und bau mir meine eigenen Sounds, flex an allem bis es sich für mich gut anhört. „Amtlich“ ist für mich übrigens ein Schimpfwort

In den letzten Wochen kamen zwei tolle Remixe von Dir für Herbert und Ada raus. Auch in den letzten Jahren hast du jede Menge Remixe gemacht. Was begeistert dich am Remixen so?

Die eigentliche Arbeit des Remixens ist natürlich viel dankbarer, als an eigenem Material zu arbeiten. Du fängst nicht bei Null an, hast eine konkrete Aufgabe. Die der Verbesserung bzw Umwandlung des Bestehenden in etwas gänzlich anderes. Es gefällt mir Essenzen zu sichten und zu destillieren. Gerne z.B webe ich ein völlig neues Gewand um den Gesang.

Meist benutze ich keine oder nur wenige Sounds aus dem Original. Ich nehme übrigens nur Remixe an, wenn ich der Meinung bin, ich kann die Substanz des Liedes in irgendeiner Form auf einen anderen Level heben. Zudem nie mit einer Deadline. Was weiß ich wann und ob mich die Muse küsst.

Du hast schon Remixe für viele weltbekannte Acts gemacht. Gibt es noch einen Künstler, bei dem Du sagst: den will ich unbedingt mal remixen?

Ich hab der Remixerei nun allerdings erstmal einen Riegel vorgeschoben. Die Remixe für Matthew Herbert und Ada werden vorerst die Letzten sein.Am Ende des Tages ist es doch sehr viel Arbeit und es kommt oft nicht viel bei rum. Ich konzentrier mich jetzt mehr auf eigene Veröffentlichungen, mein Label Pampa und das Thema Verdauung.

Zum Abschluss natürlich noch die Frage: Was hat’s mit dem Namen „Amygdala“ auf sich?

Bitte nicht schon wieder….!!! Ich kann meine eigene Stimme nicht mehr hören! Googelt doch mal und macht Euch einen richtig schönen Amygdala Abend. Ist spannend!!!

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