Es ist Dezember und das Ende des Jahres steht schon wieder vor der Tür. Was zu Jahreswechsel durch Geschenkekäufe für Eltern, Großeltern, Tanten und die (beste) Freundin im Einklang mit weihnachtlicher Besinnung – heisst Streitereien – regelmäßig in Torturen ausartet, wird in diesem Jahr noch getoppt.

Grund dafür ist ein schlauer Einfall unserer Politiker, die unser Land durch eine Erhöhung der Mehrwertsteuer in paradiesische Zustände zurückversetzen wollen. Für uns bedeutet das: Kohle im alten Jahr raushauen alles was geht! Im nächsten Jahr wird (fast) alles teurer – Lebensmittel, Bücher und andere Güter die minder besteuert sind, ausgenommen. Für alle wesentlichen Dinge des täglichen Daseins wie Wodka, I-Pod, Klamotten, Autos, der Kino- und Clubbesuch werden uns drei Prozent unseren Geldes mehr abgeknöpft.

Außerdem verlangt die Gebühreneinzugszentrale, kurz GEZ, für unseren Computer von Januar an 5 Euro 52 monatlich von uns. Warum? Ein Computer mit Internetverbindung ist ein neuartiges Rundfunkgerät weil man damit Webradios hören kann. Die Gebühr die wir dafür zahlen, ermöglicht ein vielfältiges und qualitativ hochwertiges Angebot der öffentlich-rechtlichen Sender. Diejenigen die jetzt schon für ihr Radio zahlen müssen, bleiben aber davon verschont. Ist es nicht verwunderlich für Dinge aufzukommen, die man gar nicht nutzt? Warum führen wir nicht auch noch die KFZ-Steuer für Führerscheinlose ein.

Zum Bier, dass uns in der Zeit tiefer Einschnitte Trost spenden könnte, kommt passend ein Vorschlag der EU-Kommission: Die Biersteuer soll erhöht und europaweit vereinheitlicht werden! Dieser geniale Vorschlag bedeutet eine Verteuerung des Münchner Traditionsgebräus um ungefähr 30 Prozent. Allerdings besteht noch Hoffnung, dass die Biersteuer durch einen geschlossenen Protest Deutschlands, Polens und Tschechiens verhindert werden kann.

Auch studierende dürfen sich auf das kommende Jahr freuen. Bayerische Universitäten und Hochschulen werden uns ab dem Sommersemester Studiengebühren von bis zu 500 Euro pro Semester abfordern. Das sind rosige Aussichten für das kommende Jahr.

Es gibt aber auch positives zu vermelden: Sony hat nun den Termin des lang ersehnten Verkaufsstarts der Playstation 3 angekündigt. Die Konsole soll preislich bei 600 Euro liegen und wird am 31. März auf den europäischen Markt geschmissen. In Japan war die PS 3 innerhalb weniger Stunden vergriffen. Wer hierzulande eine ergattert kann, dürfte zu einigen wenigen glücklichen zählen.

Mit Windows Vista wird auch Microsoft im kommenden Jahr den Nachfolger des Betriebssystems Windows XP herausbringen. Natürlich ist das ab Ende Januar erhältliche Windows Vista das beste jemals entwickelte Betriebssystem. Ein entsprechender Preis ist dafür aber zu zahlen: Die sechs verfügbaren Versionen des Super-Betriebssytems kosten zwischen 230 und 530 Euro.

Was geschah.

2006 war ein großes Jahr, ein Jahr des Feierns. Wir hatten den Rekordsommer, den Rekordherbst, die Rekordgewinne der Konzerne und wir kriegten ein Stück der Vergangenheit zurück. Die Loveparade war wieder da.

Durch das Engagement einer Fitnesskette wieder zum Leben erweckt, strahlte Sie von Berlin her über die deutsche Technolandschaft. Kritiker hätten damals nicht erwartet, dass so viele Feierwütige – 1,2 Millionen wurden von Veranstalterseite genannt – zur Loveparade pilgern würden. Die Plüschraver waren in diesem Jahr weitestgehend verschwunden und auch musikalisch ging es Bergauf. Durch ein neuartiges Konzept, bei dem man die Wagen per Internetvoting mit den Crews des Vertrauens besetzen konnte, wurde nun auch kleinen Labels und Gruppierungen eine Teilnahme an der Parade möglich gemacht.

Doch was waren 1,2 Millionen Feiernde verglichen mit einem ganzen Land im Fußballfieber? Die WM überschattete in diesem Sommer alles nennenswerte und zog jeden in seinen Bann. Einen Monat lang von Anfang Juli bis Anfang Juli, konnte man in deutschen Großstädten dichtgedrängte Menschentrauben um Fernseher ausmachen. Das Land schien in dieser Zeit stillzustehen und Fußball beherrschte unseren Alltag. Alle dagewesenen Sorgen der Deutschen, hatten sich in einem Moment schlagartig in Luft aufgelöst. Spätestens im Viertelfinale hatte sich auch der letzte Fußballmuffel vor einem Bildschirm in Position gebracht um dieses Ereignis zu zelebrieren. Deutschland hatte zur WM eine ungeahnte Ausstrahlungskraft auf die Welt. Es gibt heute, nach der WM Länder in denen der gemeine Deutsche als freundlich, aufgeschlossen und lebensfroh eingeschätzt wird. Das dies passieren könnte, war für die meisten Deutschen undenkbar.

Der Anfang des Jahres 2006 wurde jedoch von einem traurigen Ereignis überschattet. Mark Spoon, Produzent und Techno-Dj erster Stunde, wurde im am morgen des 11. Januar tot von seiner Verlobten in seiner Wohnung gefunden. Er war 39 Jahre alt und starb an Herzversagen. Es war der Abschied eines Urgesteins der Frankfurter Technoszene. Er war einer der ganz großen Akteure im Geschäft. Zu seinen Hochzeiten bekam er rund 10.000 Mark pro Nacht hinter den Plattenspielern. Mit diesem Geld ging er nicht zimperlich um. Er verprasste es für Drogen, ausschweifende private Orgien im engsten Freundeskreis, Autos und anderen Luxus des süßen Lebens. Diesem Lebensstil zollte er mit seinem Ableben Tribut. Kurz vor seinem Tot ließ er sich ein letztes großflächiges Tatoo machen. Die Aufschrift: Du erntest, was du säßt. Es war das Sinnbild seiner Existenz.

(Fabian Stiehler)


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