Wenn man sich das Nightlife im Rhein-Neckar-Gebiet anschaut, kommt man an einem Mann nicht vorbei: Robin Ebinger. Er ist seit vielen Jahren in die Szene verwurzelt und betreibt mit seinem Partner Steffen Charles zusammen die Agentur „Cosmopop“, die hinter Großevents wie der Time Warp und dem Love Family Park steht. Genau der richtige also, für unser Interview zum aktuellen Stand und zur Vergangenheit des Nachtlebens in und um Mannheim herum.

Ihr seid mit eurer Agentur mittlerweile einer der wichtigsten Bestandteile der deutschen Techno-Eventlandschaft. Erzähl uns doch mal, wie und wann es alles angefangen hat.

Tja, wie war das noch mal. (lacht) Also ich bin seit ca. 1995 aktiv in der Szene und habe damals bereits Events veranstaltet u.a. Future, das war eine Drum’n’Bass Reihe, und andere Events. Mein Geschäftspartner Steffen Charles veranstaltet seit 1994 Events, u.a. die Time Warp, das größte Event aus dem Haus cosmopop. Steffen und ich kennen uns seit 1995 und irgendwie war schon immer klar, dass wir beruflich mal gemeinsame Wege gehen würden. Im Jahr 2003 war es dann soweit und wir haben die Agentur cosmopop gegründet.

Eure Homebase liegt in Mannheim. Was war dort in der Szene so los zu dieser Zeit?

Mannheim war schon immer sehr lebendig in Punkto elektronischer Musik. Bereits in den frühen 1990er hat sich Mannheim schnell als die Hochburg der deutschen Drum’n’Bass-Bewegung etabliert, als Stichwort gilt hier der legendäre Milk! Club. Mit dem Wachsen der Time Warp in der zweiten Hälfte der 90er Jahre wurde Mannheim auch zunehmend mit House und Techno assoziiert. Inzwischen hat die Time Warp ihren festen Platz auf der Landkarte der internationalen Festivallandschaft.Fällt im Ausland irgendwo das Wort Time Warp ist bei den Leuten meist der zweite Gedanke„Ach ja, die ist in Mannheim“.

Seit ca. zwei Jahren kommen aus Mannheim auch wieder sehr gute Produktionen. Das Oslo Label um Federico Molinari und Nekes sorgt weltweit für Beachtung. „Orbital Life“ von Johnny D ist die absolute Killernummer. Das finde ich klasse, gute Produzenten sind sehr wichtig für eine prosperierende Clubszene. Ich hoffe, es kommen weiter solche Produktionen von Oslo. Das sind sehr kreative Impulse, die hoffentlich noch mehr Musiker in der Gegend entsprechend inspirieren.

Die Größe der Events hat sich mit den Jahren mit euch mitentwickelt. Was war für euch das absolute Highlight in all den Jahren?

Es gab so viele ergreifende und atemberaubende Momente, das bringt das Business mit sich. Wir sind im Live-Geschäft, es geht um Emotionen, um menschliche Begegnungen, um Rhythmus und vor allem Musik. Das mag jetzt ein bisschen kitschig klingen, aber Musik ist nun mal die Natursprache der Empfindungen wie es schon Philosoph Kant interpretierte.

Jedes Event, das funktioniert und die Besucher begeistert, ist für mich ein Highlight. Wenn ich eins raus greifen müsste, dann der Love Family Park 2006: die Sonne hoch am blauen Himmel, die Besucher lagen sich in den Armen und die deutsche Fußballelf hatte sich gerade für das WM-Halbfinale im eigenen Land qualifiziert. Die Atmosphäre an diesem einen Tag war schon wirklich einmalig.

Gab es daneben auch mal eine richtige Panne?

Unzählige! Das Eventbusiness ist eine Risikobranche. Der Erfolg hängt von so vielen Faktoren ab, die du nicht alle beeinflussen kannst, wie z.B. das Wetter, die allgemeine Stimmung, politische Krisen, Naturkatastrophen. Und natürlich musst du dich immer auf die Technik voll und ganz verlassen können. Sie ist der Transmissionsriehmen zwischen Künstler und Publikum. Auch wir hatten schon mal Stromausfälle. Aus solchen Grenzsituation lernt man.

Wie hat sich das Nachtleben im Rhein-Neckar Gebiet in den letzten Jahren entwickelt und wie seht ihr das Standing gegenüber anderen Ausgehstädten wie Stuttgart, Frankfurt oder Berlin?

Erfreulicherweise hat sich das Nachtleben in Bezug auf elektronische Musik in ganz Deutschland sehr gut entwickelt. Die Leute haben wieder viel Spaß beim Ausgehen und mit der Musik. In den letzten Jahren sind unheimlich viele gute Produktionen auf den Markt gekommen, das schlägt sich natürlich im Sound der DJ’s und der Unterhaltungsfaktor der Besucher nieder. Hier in Rhein-Neckar versuchen wir durch die Time Warp viele Ideen und Impulse in die Region zu bekommen. Daneben gibt’s, wie schon erwähnt, spannende Produktionen von Oslo Records – aber auch Nick Curly ist gerade am Durchstarten als DJ und mit seinem Label Cécille Records.

Der Loft Club in Ludwigshafen hat in der Clubszene die absolute Leuchtturmfunktion für die gesamte Region. Die Bookings sind wirklich sehr progressiv und absolut herausragend. Übrigens feiert das Loft Club im Frühjar 2009 sein 20-jähriges Bestehen. Wir müssen uns also nicht vor Frankfurt, Köln oder Berlin verstecken. Ich mag die lokale Szene sehr, hier gibt es kaum Eitelkeiten oder Szene-Codes, die man unbedingt einhalten muss, um dazuzugehören oder Spaß zu haben. Mannheim rocks!

Mit der Time Warp und dem Love Family Park seid ihr vor allem in den Frühlings- und Sommermonaten aktiv. Gibt es in den kommenden Monaten auch Events, auf die wir uns im Winter freuen können?

Klaro, wir sind das ganze Jahr über am arbeiten. Zum 10-Jährigen Jubiläum von Richie Hawtins richtungweisendem Plattenlabel „M_nus“ finden weltweit „Contakt“-Events an ausgewählten Standorten statt, also von Tokyo über Buenos Aires bis Berlin. Am 11. Oktober veranstalten wir zusammen mit M_nus das einzige „Contakt“-Event in Deutschland.

Richie, Magda und Co. bieten im Rahmen der „Contakt“-Events eine ganz spezielle Show, die untermalt wird von einem wirklich atemberaubenden Video- und Lichtsetup. Zudem haben die Besucher die Möglichkeit mittels ihres Handys und Bluetooth oder Wlan mit den Künstlern in „Contakt“ zu treten. Alle Infos dazu kann man auf www.contakt-events.com/berlin nachlesen.

Im November findet in Rotterdam eine Time Warp statt, für alle, die es nicht mehr aushalten. Ansonsten ist bei uns voller Fokus auf 2009: Wir feiern 15 Jahre Time Warp am 4. April 2009.

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