René Bourgeois – ein Ziel, ein Leben

•Interview Dezember 2012 > René Bourgeois

Er ist Ur-Berliner, wuchs im Osten der Hauptstadt auf, ging mit Daniel Steinberg zusammen zur Schule und erlebte in seiner Teenie Zeit, zusammen mit Sascha Braemer, den Kulturschock Techno in Berlin. Mittlerweile ist René ein gestandener Mann, blickt zurück auf eine wunderbare Vergangenheit, ohne Luxus und viel Tamtam. Heute ist er DJ, Produzent, Videoproduzent und besitzt ein gekonntes Auge als Kameramann, vielumtriebig selbst als liebevoller Familienvater. Über 20 Jahre gilt seiner Liebe der elektronischen Musik – da dürften einige Etappenziele im Leben erreicht sein – oder?!

Dein Motto ist „Musik ist wie ein Tagebuch“. Mit Rückblick auf das Jahr 2012, welches Ereignis steht dort besonders geschrieben?

2012 war ein sehr ereignisreiches Jahr für mich mit vielen schönen Releases & Remixen (u.a. für Monkey Safari, M.in oder Mollono.Bass) und zahlreichen schönen Gigs. Jedoch rückblickend erinnere ich mich an zwei Events ganz besonders - so wie auch schon im letzten Jahr: die FUSION. Ich dachte, dass man mein Fusiondebut 2011 auf der Tanzwiese kaum toppen könne, aber die Leute, ein warmer Sommersonntag  und das besondere Ambiente der Seebühne haben mich eines besseren belehrt. Zum anderen ein Open Air in Montpellier (Frankreich) direkt am Mittelmeer, in dem die Sonne gerade verschwand, vor 1000 feierwütigen Menschen. Der Weg zum Strand war gesäumt mit echten freilebenden Flamingos. Total surreal!

Herbst und Winterzeit bedeutet auch mehr Absatz auf dem Musik-Markt. Du veröffentlichst gerade eine Menge EPs - arbeitest Du mehr denn je im Studio?

Nicht mehr als sonst auch. Ich verbringe schon sehr viel Zeit mit meiner Musik und im Studio. Außerdem versuche ich auch immer so zu planen, das jeden Monat etwas von mir erscheint, sei es ein Remix oder eigene Produktionen. Dieses Jahr allerdings kam es zu einer wahren Remixflut und wie es immer so ist, verschieben sich Release-Termine. Und so kommt es nun zu dem Phänomen, dass in den Monaten November/Dezember gleich sechs Veröffentlichungen anstehen (darunter 4 Remixe) und ich hoffe, das keine davon untergeht, da jede VÖ für sich sehr stark ist.

Ende August 2012 hast Du eine EP veröffentlicht mit dem Titel „Clubs never closed“. War dass eine Hommage an die damals breiter werdende Debatte zur Gema Tarif Reform 2013 und die damit offerierten Clubschließungen, oder ging es gar um etwas anderes?

Ja, tatsächlich ! Mich erschreckt der Gedanke, Berlin ohne seine farbenfrohe und facettenreiche Clublandschaft. Das kann natürlich schnell passieren beim Durchsetzen ihrer schwindelerregenden Forderungen. Dann verschwindet nicht nur ein prägendes Stück Berliner Kultur, sondern viele werden auch ihre Arbeit verlieren. Das fängt bei den Türstehern an und hört bei den Getränkelieferanten auf. Auch wir DJs sind betroffen und da hört der Spass bei mir auf.  Allerdings war es schon immer so, das wenn der Kommerz siegt, sich der Underground neu formiert und deswegen die treffenden Titel „ Clubs never closed“ und „ Deep in the Underground“.

Social Media wie Facebook, Twitter und Co sind für viele fast schon Erfolgsgarantien. Viele zeigen dem Trouble gar die kalte Schulter und kommen auch ohne hörenswert zu Recht. Wie wichtig sind diese Plattformen für Dich?

Da bin ich etwas zwiegespalten. Einerseits sind das heutzutage wichtige Medien, um sich und sein Erschaffenes zu publizieren, um Veranstaltungen oder Nachwuchskünstler zu pushen oder einfach nur zur Kommunikation bzw. Information. Andererseits kann ich die Menschen sehr gut verstehen, die diesen Wahn ignorieren und ihre kostbare Zeit sinnvoller nutzen als im Spinnennetz Facebook & Co stundenlang gefangen zu sein. Ich selbst nutze ausschließlich Facebook und das mindestens 1x täglich. Ich bin halt auch nur ein Mensch.

Bist Du als Künstler am Ziel Deiner Träume?

Niemals! Wer am Ziel seiner Träume ist, hört auf zu leben. So oder so ähnlich schilderte es mal Mark Twain. Wer mich kennt, der weiß, dass ich immer Herausforderungen liebe und gern neue aufregende Wege gehe. Dazu gehört auch über ungewollte Felsen zu klettern, denn genau die machen den Weg interessant. Gerade als Künstler wächst und reift man doch mit der Zeit! Und um diese Frage auch mit einem Zitat von Dendemann zu schließen: „ Auch mal auf die Fresse fallen ist derbe geil“.

Wie wichtig ist es für Dich ein Ziel im Leben zu haben?

Wie schon erwähnt, für mich sind Lebensziele sehr wichtig. Es ist immer interessant sich neue Ziele zu stecken, aber am schönsten ist es, diese auch zu erreichen.

Wie gestalten sich bei Dir die Festtage und der Jahreswechsel? Bleibt da Zeit für Besinnlichkeit mit der Familie?

Schwierig, bis auf den 24.12. bleibt nicht viel Zeit für Weihnachten und Silvester mit der Familie. Ich spiele zwischen dem 25.12. – 31.12. sechs Mal und bin teilweise nur am Reisen. Das ist aber ok und meine kleine Familie hat sich da mittlerweile auch schon arrangiert. Es ist wie die Jahre zuvor auch, nur das der Dezember 2012 noch  DJ-freundlicher ist, da die Feiertage in der Woche liegen. Und mal ganz ehrlich, um Besinnlichkeit mit der Familie zu haben, brauche ich keine Feiertage.

Gibt es neue Ziele in 2013 – wenn ja, welche? Steht gar ein Album an?

Natürlich hab ich so einige neue Ziele 2013, die ich aber nicht preis geben werde. Lasst euch überraschen! Über ein Album habe ich bereits dieses Jahr nachgedacht, nachdem Kollegen, wie Monkey Safari, Beatamines oder Oliver Schories wirklich gute Alben produziert haben, andererseits sind andere großartige Künstler mit ihren Alben baden gegangen und das hat mich wiederum abgeschreckt. Ich bin da sehr unschlüssig, aber ein Ziel für 2013 ist es definitiv nicht.

Vielen Dank für das tolle Interview und viel Erfolg weiterhin.

Interview by: SM

Credits

Label: supdub, atmosphere records

Style:  minimal Samplehouse

Webseite: rene-bourgeois.de

MYspace: myspace.com/r.bourgeois

Facebook: facebook.com/DJ.Rene.Bourgeois

Soundcloud: soundcloud.com/rene-bourgeois

Beatport: beatport.com/artist/rene-bourgeois/104619

Beatport DJ: dj.beatport.com/rene-bourgeois

RA:  residentadvisor.net/dj/renebourgeois

Youtube: bourgeois&oq=rene+bourgeois

 

Aktuelle VÖ:

- Rene Bourgeois & Andy Kohlmann – Trauriger Sonntag - supdub Records                             

- Mollono.Bass & Ava Asanté - Der Traumtänzer (Rene Bourgeois Remix) -Acker Records

- Freiboitar - Floetenflirt (Rene Bourgeois"with a Harmonica"Remix) - Pimprinella

- Krumm & Schief - Happy (Rene Bourgeois Remix) - supdub digitales

Kommende VÖ:

- René Bourgeois - The Beast in me - shaker plexx                                                                                          

- Ronald Christoph - Underground Limbo 2013 ( René Bourgeois Remix ) - Evamore Music

 

 


by on Dezember 8, 2012

Kommentare

  1. René Bourgeois: Der Umtriebige | elektro-chronisten.de sagt: 15. Dezember 2012 um 09:16 Antworten

    [...] Träume ist, hört auf zu leben. So oder so ähnlich schilderte es mal Mark Twain“, sagte er gegenüber den Kollegen von Partysan. Es ehrt Bourgeois, dass er dieses Zitat Mark Twain zuschreibt, dessen Ausspruch allerdings so [...]

Antworten