Er ist in Sydney und in Melbourne, in Bangkok und Tahiti, in Krakau, Chicago, Minneapolis, Delhi, Ibiza – und vor deiner Haustür. Björn Wilke. Wenn einer überall ist, um den neuesten Sound zu etablieren, dann er.

 

Björn Wilke. Seit 2005 ist Björn mit seinem Label „BW-MUSIC“ in der Liste der hochkarätigen Label-Juwelen und ließ somit die vorher von ihm gegründeten Plattenpress-Institute Mudanza und Hablando hinter sich. Der Erfolg und er. Er und der Erfolg. Hand in Hand. Tja, an so einem Mann wie Mr. Wilke kommt man nicht vorbei, wenn man Interviews mit allerlei DJ-Größen der Szene macht. Also…

Björn, Du hast nach dem Thaibreak-Mix Vol. 2 schon wieder was Neues rausgebracht, das demonstrativ von sich hören macht: “R U Ready, Ralph?“. Diese Pascal Feos & Someone Else Mixes auf der A- und B-Seite erscheinen derzeit auf Level Non Zero mit der Nummer 007. Ist die 12“ limitiert oder kann man sich da noch längere Zeit ein paar davon abgreifen?
Die LNZ 007 ist nicht limitiert und für jeden erhältlich. Soweit ich weiß, wurde sie nachgepresst und ist ebenfalls auf Beatport als digitales Release erhältlich. Also einfach zugreifen…

Eigentlich ist doch Level Non Zero ausschließlich das Label für und von Pascal Feos, Chris Wood. Warum hat Pascal Dich für diese siebte Katalognummer seines Labels ins Boot geholt?
Pascal hatte damals vor ca. 3 Jahren den Originalmix von „R U Ready Ralph?“ von mir bekommen. Ich hatte die Platte damals auf Hablando rausgebracht. Pascal hat den Track seitdem rauf und runter gespielt und sich dazu entschlossen, sie noch mal frisch verpackt mit guten Remixes auf LNZ zu bringen. Dazu kommt auch noch unsere Freundschaft und gegenseitige Sympathie. Ich bin sehr stolz darauf, nun zur LNZ Familie zu gehören und Pascal und Chris sehr dankbar dafür, dass ich der erste externe Artist auf LNZ sein darf.

Der Mix auf der A-Seite ist von Philadelphias Aushängeschild für Minimal, Sean O`Neil, den man wohl mehr als Someone Else kennt. Sean zerlegt auf “R U Ready, Ralph?“ hörbar die Vocals in Feingeist-Gefrickel, wogegen Pascal auf der B-Seite eher Hand in Hand mit dem Sprach-Sample geht und seinen typischen Feos-Groove zum Vorschein bringt. Bist Du stolz, dass die beiden Dich remixen?
Auf jeden Fall. Ein Feos Treatment ist eh schon eine Art Ritterschlag für einen Track, denn Pascal nimmt lange nicht jeden Mix in seine Bearbeitung. Und was Sean in den letzten 2 Jahren so fabriziert hat, steht auch außer Frage. Er war auch unser gemeinsamer Wunsch-Remixer neben Pascal. Toll, dass es geklappt hat.

Du bist im Juni mal wieder „all around the world“ auflegen. Melbourne, Sydney, dann Bangkok… Hat sich das Ausland an Dich als DJ auch schon so richtig akklimatisiert? Also kennt die dortige Szene Björn Wilke schon besser? Beispielsweise in Australien?
Na ja, so genau weiß ich das gar nicht. In Australien habe ich vielleicht schon eine kleine Fanbase, seitdem ich über die Jahre dort in ein paar Clubs und auf ein paar Festivals gespielt habe. Jedenfalls habe ich viele Mails und Feedback erhalten – und auch weitere Anfragen. Umso mehr freue ich mich auf die nächste kleine Tour im Juni, keine Frage. In Thailand war ich ja schon öfter. Ich mag Bangkok. Eine heiße, pulsierende Stadt. Sehr exotisch. Ja, und Australien ist ein tolles Land mit tollen Menschen, wo man immer wieder gerne ist. Generell bin ich ja seit Jahren ein „Reisefan“ und nutze gerne die Gelegenheiten, im Ausland zu spielen. Es gibt doch nichts besseres, als durch seinen Job die Welt zu sehen, oder?

Die Australier haben ja so ein ganz eigenes DJ-Ökosystem bei sich zu Hause. Da werden wenig ausländische Acts bevorzugt, oder?
Na ja, soweit ich das bislang mitbekommen habe, machen die den größten Teil vom Jahr ihr Ding, weil es auch so ein Mordsakt ist zum Beispiel europäische DJs nach Down Under zu holen. Da ist die Reise mal schnell so teuer wie der Gig. Daher lohnt es sich nur für den Künstler, wenn er für mehrere Dates geht – vom Reisestress mal abgesehen. Deswegen gibt es für die teuren Acts aus dem Ausland auch die Festivals im Januar. Eins davon heißt Summadayze, welches dann 5-mal in einer Woche in ganz Australien stattfindet. Die Künstler werden einfach für alle 5 Dates gebucht. So haben beide was davon und die Kosten werden auf mehrere Events umgelegt.

Gibt es eigentlich ein Erlebnis im Ausland, das Dir nicht mehr aus dem Kopf geht? Also nicht nur als DJ – auch privat! Vielleicht eine thailändische Schönheit oder ein Affe im Beutel eines Kängurus? Mal abgesehen davon, dass der Vergleich Affe und Känguru ein bisschen hinkt, würde ich jetzt gerne irgendwas Skurriles von Dir hören.
Na ja, ich hab mal mit Dice in Thailand bei einer Half Moon Party auf einer Mini Insel irgendwo im Golf von Thailand gespielt. Wir sind da mit dem Speedboot hingebracht worden und erblickten nach langer Fahrt im Dunkeln diese skurrile Insel mit tonnenweise Fluor-Essenz-Girlanden und einem Monster-Soundsystem. Das war wohl eine der witzigsten Locations für mich, weil so unreal. Und ne Mörderparty, klar.

Und irgendwas Geheimes, das Du uns nicht erzählen willst? Spaß beiseite! Aber was mich momentan interessiert: Was hat es eigentlich Geheimes mit den Pages von Hablando und Mudanza auf sich? Da kommt man nur mit Hochsicherheits-Passwort rein. Kannst Du für uns das Geheimnis lüften?
Keine Ahnung. Hablando und Mudanza sind nicht mehr meins und lange her: Ich hab mich vor Jahren davon getrennt. Mein Baby heißt BW-Music und ich habe meine eigenen Produktionen auf diversen Labels. So fahre ich besser und kann mich mehr auf mich konzentrieren.

Was steht bei Dir als nächstes an? Noch ein weiteres Release? Oder vielleicht mal ein dual-experimentelles Projekt mit einem anderen Künstler?
Wir sind grad fleißig dran im Studio. Als nächstes kommt wohl das Release bei MBF (My Best Friend) und weitere Sachen sind in der Pipeline. Die „What If“ kam ja auch vor kurzem auf Session Deluxe Records. Dann noch eine Platte auf Nine Records aus USA. Dann noch eine Compilation für Ministry Australien und weitere Sachen, die hier noch nicht verraten werden.

Mit wem würdest Du im Falle eines solchen Projektes gerne zusammenarbeiten?
Ich würde gerne mal was mit Trevor Horn oder Larry Heard machen. Träumen wird man ja wohl noch dürfen, oder? Oder wieder mit Jimmy Somerville. Die Zusammenarbeit mit ihm für sein Album vor 2 Jahren hat sehr viel Spaß gemacht und wir sind immer noch sehr gute Freunde.

Wer glaubst Du, ist derzeit der absolute Geheimtipp der Szene? Sozusagen eine heranwachsende Legende ohne renommierten Namen.
Ach, es gibt gerade einfach zu viele Produzenten und neue Talente. Durch digitalen Vertrieb und Desktop-Producing wird die Flut immer größer. Ich denke, dass der Lauf von Martin Buttich und Dice schon sehr beeindruckend war. Magda ging ja auch gut ab und ist mittlerweile eine große Nummer – genau wie der Rest der Minus Posse. Ich freue mich für alle, die es auf die Hype-Welle schaffen, solange es der Musik gut tut und es Abwechslung und Innovation in die ganze Sache bringt. Ich höre aber auch sehr gerne DJs, die ich noch nicht kenne. Da ist die Überraschung größer.

Und denkst Du, Björn Wilke ist bereits an seinem Zenit angekommen? Oder kann man den Erfolg als so ein bereister und begehrter Feinmotorik-Vinyler noch steigern?
Ich hoffe, da geht noch was. Da ist noch jede Menge Luft nach oben offen. Ganz sicher.

Danke Björn und weiter noch viel Spaß auf Reisen.

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