Hallo Juan Pablo, Schön, dass Du Zeit für uns hast. Da das Dein erstes Interview für den Partysan Stuttgart ist, würde ich Dich gerne bitten, Dich doch eben kurz vorzustellen.

Hallo! Ich heiße mit vollem Namen Juan Pablo Pfirter, bin so vor einigen Jahren in Buenos Aires geboren und bin DJ und Produzent elektronischer Musik.

Du hast ja bereits zwei Mal in Stuttgart gespielt, zunächst im Toy und dann im Lehmann. Wie ist Dein Eindruck von der lokalen Technoszene in Stuttgart ?

Meine Erlebnisse in Stuttgart waren alle klasse, Ihr habt in Stuttgart richtig gute Clubs  und die  Promoter und Produzenten pushen die lokale Szene ganz toll. Generell ist die Einstellung und die Energie der deutschen Clubber einfach unglaublich und geht weit über das hinaus, was ich sonst weltweit mitbekomme und Stuttgart stellt überhaupt keine Ausnahme dar. Bisher hatte ich hier zwei fantastische Nächte und ich freue mich riesig auf den nächsten Gig.

Lehmann ist ein gutes Stichwort: Du bist am 27.10. im Rahmen der CLR Residency mit Marcel Dettmann und Drumcell wieder hier zu Gast. Mit welchen Erwartungen trittst Du die Reise nach Stuttgart an?

Ich hab ja gehört, dass die CLR Nächte im Lehmann so richtig abgehen! Klar freue ich mich riesig darauf, dass ich bei der nächsten CLR Residency mit dabei bin. Ganz besonders freue ich mich auch auf das Soundsystem, das sicherlich zu den besten gehört und echt beeindruckend ist.

Wie ist es eigentlich um die Technoszene in Argentinien oder generell in Südamerika  bestellt? Kann man sie überhaupt mit der europäischen Vergleichen?

Ich glaube, dass die Länder grundsätzlich sehr verschieden sind. In Argentinien oder auch in anderen südamerkanischen Ländern haben wir eine tolle und sehr euphorische Techno Szene, die allerdings sehr viel kleiner und daher seh undergroundig ist. In Europa hast Du in jeder einzelnen Stadt diverse Clubs, die jeder für sich die Szene bereichern. Aber ganz klar: Die Art, wie die Musik verstanden und gelebt wird, ist überall auf der Welt gleich.

Was fehlt Dir am meisten, wenn Du fern der Heimat in Europa bist ?

Ich vermisse klar ganz besonders meine Familie und meine Freunde und auch genauso das gute Essen. Ich verbringe seit einigen Jahren die Hälfte der Zeit zuhause bzw. in Europa und musste schon zusehen, dass ich nicht zu sehr Heimweh habe.

Wo liegen deine musikalischen Wurzeln und wie kamst du zu Techno ?

Elektronische Musik habe ich zunächst in den späten 80ern und dann vor allem während meines Praktikums bei einem lokalen Radiosender in den frühen 90ern kennengelernt. Der Sender war der erste, der überhaupt elektronische Musik gespielt und gefördert hat. Über den Sender hatte ich Zugang zu sehr viel neuer Musik wie z.B. Industrial Techno und Synthie Pop, was es ansonsten in Buenos Aires gar nicht gegeben hat. Ein wenig später habe ich ja dann auch angefangen, aufzulegen und hatte somit immer mehr Zugang zu Techno.

Du bist ja sehr stark mit CLR verbunden. Wie entstand der Kontakt? Was macht die Zusammenarbeit mit dem CLR Team für Dich so besonders?

Das erste Mal habe ich Chris Liebing 2004 getroffen, aber erst 2009 sind wir so wirklich in Kontakt gekommen. Er hatte mich eingeladen, meinen Track “Mi Estudio” für die 10 Jahres Compilation beizusteuern. Seither habe einige Releases und Remixe für CLR gemacht und wenn ich in Frankfurt bin, versuchen wir immer ein paar Studio Sessions mit Monoloc einzurichten. Gerade erst haben wir beide wieder eine Co-Produktion mit dem Titel “Sessions EP” gemacht und eine weitere wird demnächst erscheinen.

Mit MindTrip betreibst Du ebenfalls ein eigenes Label. Was für eine Philosophie steckt hinter dem Label?

Das Label hat sich immer auf Techo konzentriert, allerdings haben wir die Releases zunächst ausschließlich digital veröffentlicht. Die Idee bzw.Philosophie von MindTrip ist, dass alle Künstler, egal ob Produzent oder Remixer,  alle Einschränkungen beiseite lassen und einfach das tun können, was sie wirklich wollen und ohne Kompromisse machen zu müssen.

Kannst du etwas zu kommenden Releases von dir und zu MindTrip verraten ?

In Kürze werden einige Remixe für Bas Mooy und Luis Floes erscheinen und im Oktober kommt ein neues Release von mir auf Stroboscopic Atefacts heraus. Außerdem habe ich klar noch einiges für CLR und MindTrip auf Lager:

Die zweite Vinyl Edition inklusive eines fantastischen Remix von Markus Suckut ist gerade erst erschienen und Ihr bekommt schon bald eine ganze Reihe Remixe von meinen Lieblingsproduzenten zu hören.

Auch wenn du nicht in Deutschland lebst, hast du sicherlich von der aktuellen Diskussion zum Thema Gema gehört. Hast du dazu eine Meinung ?

Also ich verbringe ja eine Menge Zeit in Deutschland und tatsächlich bin ich sogar neulich auf der Demonstration in Frankfurt gewesen. Das, was ich bisher darüber gehört und gelesen habe, hinterlässt bei mir den Eindruck, dass die neuen Regularien der Gema völlig ungerecht sind, das Ganze macht schlicht gar keinen Sinn.

Elektronische Musik und Clubbing sind ein ganz wichtiger Bestandteil der deutschen Kultur und sollten auch in Zukunft weiterhin einem breiten Publikum zur Verfügung stehen und kein exklusives Privileg für wenige werden.

Danke für das Interview und wir freuen uns, dich am 27.10. im Lehmann zu sehen.

Ich freue mich auch auf Euch – Danke!

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