Move d – eine Momentaufnahme

David Moufang alias Move D aus HeidelbergDavid Moufang alias Move D aus Heidelberg gehört zu dem Kreis derer, die sich schon in frühen Jahren um elektronische Musik verdient gemacht haben. Anfang der neunziger Jahre gründete der gelernte Toningenieur gemeinsam mit Jonas Grossmann das Label Source Records. Das Label machte rasch mit unorthodoxen Veröffentlichungen, deren einzige Konstante die hohe Qualität war, von sich reden. Von Insidern wird es in einem Atemzug mit Institutionen wie Warp Records genannt. Im Partysan-Interview spricht Move D über seine aktuellen Releases: die Neuauflage der legendären Kunststoff-Platte, das Live-Album des Jazz-Projektes Conjoint und die Zusammenarbeit mit Philpot.

Als ich zufällig im Frühjahr Dein Studio gesehen habe, hattest Du gerade den zweiten Wasserrohrbruch überstanden. Hast Du Dich davon wieder völlig erholt?

Ach ja, die beiden Wasserrohrbrüche. Naja, jetzt stehen wieder Handwerker auf der Matte, weil eine Wand feucht ist. Die muss ausgetrocknet werden. Und ich sollte noch mein Equipment vor dem ganzen Staub schützen. Aber so schnell lass ich mich nicht unterkriegen.

Hoffentlich hast Du nicht zu viele Umstände und es dauert alles nicht so lange. Umso erfreulicher ist aber die Tatsache, dass von Dir aktuell einige Veröffentlichungen anstehen. Da wäre zum einen dein legendäres Kunststoff-Album.

Ja, die kommt jetzt in einer Neuauflage bei City Center raus. Die Platte war nach der Veröffentlichung ziemlich schnell vergriffen und es gab schon damals (1995/96, Red.) einige Anfragen und die Überlegung eine zweite Auflage rauszubringen. Ab letztlich konnte mich der schnelle Dollar nicht davon überzeugen und so hat es eben einige Zeit gedauert. Mit City Center hab ich jetzt den richtigen Partner gefunden, denn ich habe das Gefühl, dass vor allem auch deren Umfeld musikalisch damit etwas anfangen kann. Daher freue ich mich über die dadurch entstandenen neuen Kontakte.

Sehr verständlich, trotzdem die Frage, warum nicht auf Source Records?

Auch die Überlegung gab es. Und der Anreiz einer relativ sicheren Finanzspritze für das Label war attraktiv. Trotzdem haben wir es nicht gemacht. Und nach dem sich mein Partner Jonas Grossmann Anfang des Jahres aus dem Projekt ausgeklinkt hat, habe ich beschlossen dem Label erst einmal eine Verschnaufpause zu gönnen. Außerdem möchte ich momentan lieber selber Platten produzieren als Labelarbeit zu betreiben.

Was Dir ja mit einem Output von zirka einem halben Dutzend Platten bis zum Ende des Jahres durchaus gelungen ist. Eines der interessantesten Projekte ist sicherlich Conjoint. Da kommt nach sieben Jahren jetzt das sehnsüchtig erwartete dritte Album.

Sind das sieben Jahre? Ich glaube, letztlich erschien das zweite Album erst 2000. Okay, das sind auch sechs Jahre. Die größte Schwierigkeit ist einfach die Koordination, alle unter einen Hut zu bekommen. So ist das eben bei einem internationalen Projekt.

Das lag sicherlich an Karl Berger. Da hat man gerüchteweise gehört, dass er am Anfang gar nicht mit Dir sprechen wollte. War das so?

Ach, das sind doch alte Kamellen. Karl ist echt ein total lockerer Typ. Allerdings steht und fällt das Projekt auch mit ihm. Als er seine Professur hier in Frankfurt hatte, war es sicherlich leichter Termine abzumachen. Jetzt mit der Professur in den Staaten ist es zeitlich um einiges knapper. Aber ich freue mich für ihn, dass ihm die Ehre zu Teil wurde und er dadurch auch eine gewisse finanzielle Basis bekommen hat. Als Jazz-Musiker ist es nämlich auch nicht einfach.

Und wie ist das dann bei den Proben und Aufnahmen? Für das neue Album waren ja wieder renommierte Musiker beteiligt. Da gibt es ja sicherlich viele Meinungen, oder?

Das neue Album sind live Mitschnitte. Das Label wollte das nicht so großartig promoten …

Wieso? Das Album ist doch der Hammer! Live-Elektronik und Jazz, das ist doch noch viel brillanter. Wäre mir gar nicht aufgefallen. Wann und wo sind den die Aufnahmen entstanden?

Ganz zum Schluss, wenn man nicht eingeschlafen ist … [lacht] … hört man Applaus. Und wenn man ganz genau hinhört, dann hört man auch mal einen Huster. Die meisten Aufnahmen entstanden 2004 in Zürich. Dann gibt es noch ein älteres Stück aus dem Jahr 2000 von einem Heidelberger Festival und noch was aus Karlsruhe, aber der größte Teil entstand in Zürich.

David Moufang alias Move D aus Heidelberg

Und wie bereitet Ihr Euch auf so einen Auftritt vor?

Eigentlich, gar nicht. Für das erste Stück des Albums hatten wir (Jamai Hodge; Gunter Kraus und Move D, Red.) beispielsweise Mal etwas vorbereitet und Karl Noten ans Vibraphon gelegt. Was Karl dann mit der Bemerkung: “wer hat gesagt, das ich Noten lesen kann“, beantwortet hat. Also, ich kann zwar ein paar Sounds und Samples vorbereiten, aber die Auftritte sind wirklich live und zum größten Teil improvisiert. Da kann man dann auch nicht während dem Auftritt abbrechen und sagen, was machst du den da? Das passt ja überhaupt nicht [lacht] …

Naja, man kann ja wenigstens hinterher noch was machen, nachbereiten, schneiden?

Da wir alles nur auf einem Band haben, geht das nur sehr bedingt und wenn dann im Ganzen. Das ist zwar einerseits schwieriger weil man entweder komplette Passagen rausschneiden kann oder mit dem Ergebnis lebt. Das macht das ganze anderseits auch lebendiger und ehrlicher.

Ein wunderbares Jazz-Album über das man eigentlich noch viel länger sprechen sollte, aber an dieser Stelle vielleicht ein harter Cut, und die scharfe Kurve zu Nightclubbing und Philpot. Da kommt ja im Dezember auch noch eine Platte von Dir raus.

Ja, auf die Philpot freue ich mich ganz besonders, denn das ist wirklich brandneues Material. Mit der Source Pause habe ich mir das Ziel gesetzt, jetzt wieder schneller neue Tracks in die Läden zu bringen. Und der Jackmate hatte da auch einen erheblichen Anteil daran, weil er mit einer anderen Platte noch nicht so weit war, hat mein Release einfach vorgezogen. Find ich super, dass er so unkompliziert ist! Somit kommt auf Philpot absolut brandneues Material raus.

Ihr beide, Jackmate und Du, kennt euch ja schon recht lange. Da war das Release doch eher überfällig. Kann man wenigstens mit weiterem Output rechnen?

Ja, das stimmt. Und ich kann auch ohne rumzuschleimen sagen, dass er einer der besten Produzenten von Baden-Württemberg, Deutschlands, wenn nicht noch mehr ist. Und ich freue mich auch weiterhin mit Jackmate zusammen zu arbeiten, denn er sieht das auch eher langfristiger, was mir und meiner Philosophie entgegen kommt. Und so ist für nächstes Jahr auch schon eine weitere Platte geplant.

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