Ich erinnere mich noch genau daran als ich das erste Mal in einen Club lief.

Ich war erst vierzehn und kann schon gerade deshalb den Laden nicht nennen. Das war noch in einer Zeit als der Begriff „Karstadt-Raver“ jemanden mit Schlaghose, bevorzugt in knallbunten Neonfarben, Feierpalme auf dem Kopf und den obligatorischen Plateauschuhen beschrieb. Pillen wurden geflakt oder geflankt, es gab noch Supermänner und diese blauen Mitsubishis die mich immer den ganzen Abend labern und lieben liessen. Meine Neoprenjacke hatte einen Kragen bis zu den Ohren und Schule war mir scheissegal. Jährliches Highlight waren Paraden wie die Loveparade, der Reincarnation Rave oder der G-Move. Niemals wurde Techno unter 140 BPM gespielt und unsere Tanzschritte waren eigentlich pragmatisch einen Fuß vor den anderen zu setzen. What the fuck is Shufflen?

Aufgelegt wurde auf diesen schwarzen grossen und flachen Kästen mit dem drehenden Teller in der Mitte, bevorzugt von der Marke „Technics“. Die guten hatten drei davon, die cracks sogar vier plus Loopsampler und Effektgeräte. Man kannte kein umstöpseln und der einzige Aufwand in der Dj Booth war der mangelnde Platz durch die vielen Plattencases. Das typische Krankheitsbild neben dem Taubheitsgefühl und Tinnitus auf den Ohren eines Djs waren Bandscheibenvorfälle und Verspannungen im Rücken und Nackenbereich. Eine Sortierung nach Artist, Label und Track bzw. Remix fand selten statt, es zählte rein die Farbe des abgegrabbelten Plattencovers. Auf einem Truck, Boot oder anderen wackeligen Angelegenheiten hat man kurz und knapp einfach einen Pfennig auf die Nadel geklebt. Ich muss zugeben, einige der Rillen waren danach tiefer als die Kimme von Carl Cox aber ein wenig Schwund ist halt immer.

Kleine Locations spriessten aus dem Boden wie die Pilze in den Wohnungen der Goas, Sperrstunden waren uns egal und kommerzielle Fitnesskettensponsoren hatten noch kein Interesse an diesem Mikrokosmos der dort entstanden war. Langsam sickerten die kommerziellen Artists in die Musikkanäle wie VIVA und MTV. Liveübertragungen von diesen berühmt-berüchtigten Loveparades sorgten für eine Explosion der Besucherzahlen. Jeder wollte dabei sein und trotzdem sagten unsere Mütter damals wie auch heute noch: „Kind, diese BumBum Musik ist doch schrecklich! Was findest du bloss daran?“

Ich entstamme der zweiten Generation des Technos, für das Planet und Dr. Motte jung hat es zumindest noch für den alten Tresor gereicht. Jeder der so verwest ist wie ich wird genau wissen was ich meine.

Irgendwann wird die jetzige Generation dasselbe über das neue „damals“ erzählen. Wisst ihr noch als diese ganzen Möchtegern Djs mit den Macbooks und der gecrackten Traktor Version auf den Markt stürmten? Als dieses komische Dubstep kam und langhaarige Djs auf Viagra ihre CD Player vögelten und mit Schlauchbooten über die Menge surften? Erinnert ihr euch noch an diese sinnfreie analog vs. digital Diskussion? Diese Jungs die der Meinung waren sie wären ein Liveact weil sie mit allen 4 Fadern auf Anschlag spielen?

So oder so ähnlich wird es passieren. Nach etwas mehr als 16 Jahren in der Szene, als Dienstleister, A&R, Eventmanager und Dj erlebe ich immer wieder neue Höhen und Tiefen. Hierüber könnt ihr zukünftig in meiner Kolumne lesen.

Herzlichst

Euer Moses

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