Lamb, das sind Andy Barlow und Louise Rhodes. Die beiden haben sich Ende 1994 kennengelernt, als Louise jemanden suchte, der mit ihr Songs produziert. Sie hörte über Freunde von Andy, der vor kurzem aus den USA, wo er drei Jahre verbracht hatte, nach Manchester zurückgekommen war, und als Remixer arbeitete.



Sie rief ihn einfach an, eine Stunde nachdem er seinen Job verloren hatte, (man weiß schließlich nie, welch schöne Folgen so ein Rausschmiss haben kann) und Anfang 1995 begannen die beiden, miteinander Musik zu machen. 1997 kam das erste Album »Lamb« heraus, 1999 das zweite, »Fear of Fours«.

Am 08. Oktober bringen sie ihr drittes Album heraus und ich habe die angenehme Aufgabe, Andy zu interviewen ....
Wie kam es zu Eurem Namen?

Andy Barlow: Eigentlich war das Lous Idee. Wir hatten unseren Vertrag schon praktisch in der Tasche, aber noch keinen Namen, also mussten wir schnell einen finden. Wir setzten uns zusammen und schrieben unsere Ideen auf, als Lou dann mit Lamb ankam, wollte ich das zuerst nicht. Sie erzählte mir dann von einem beeindruckenden Lied namens Lamb. Uns gefielen auch die Assoziationen mit Frühling, Neugeborensein, Naivität, und Reinheit. Ich sagte also Okay und als ich den Namen zum ersten Mal gedruckt auf einem Cover sah, wusste ich, dass die Entscheidung richtig war. Es sah wirklich gut aus.

Ich habe den Eindruck, dass Eure Musik sehr tief aus dem Inneren kommt, nehmt ihr Eure gesamte Inspiration aus Eurer eigenen Erfahrung (bzw. der von Louise)?

A.B.: Ich glaube, dass die Lieder immer mit etwas beginnen, das in Lous Kopf passiert, oder in ihrer Umgebung, aber sobald sie das dann singt ist es nicht mehr nur ihre persönliche Erfahrung.
...sondern begibt sich auf eine andere Ebene...
A.B.:....ja, und Zuhörer können den Song dann auf ihre eigenen Erfahrungen beziehen. Es geht dann nicht darum, Lous Erfahrungen zu reflektieren, sondern die jeweils eigene Geschichte kommt in den Vordergrund - besonders in diesem Album geht es darum, viel mehr auf sich selbst beziehen - es ist auch Nachdenken über jeden anderen, die jeweils eigene Geschichte - die Lieder sollen auch persönliche Erfahrungen widerspiegeln.

Ihr wollt Leute zum Denken anregen?

A.B. Ja, das ist unsere Absicht, wenn wir live spielen, kommen wir auch mit unseren Fans zusammen und das sind Leute die auch gerne denken - ich denke, Lamb ging immer schon ein bißchen tiefer, es gibt da mehrere Ebenen und ich denke, dass viele Leute das auch verstehen - ich glaube, dass unsere Plattenfirma uns gerne ein bißchen verdummen würde, uns gerne einfacher hätte, damit wir größere Massenwirkung haben, aber wir halten schon fest an unserem eigenen Ding - Lou und ich waren in den letzten Jahren auch auf einer gewissen spirituellen Mission. Wir wollen einfach mehr kommunizieren als, naja, ich weiß nicht, »woke up this morning...«

Auf Eurer Website kann man auch ein bißchen von einer spirituellen Mission lesen...

A.B.: Ich meine, wir sprechen nicht direkt von spirituellen Sachen, aber wenn wir ein Konzert spielen, dann versuchen wir auch mehr ‘rüberzubringen. Musik ist ja eine ganz andere Sprache. Wenn du Gänsehaut bekommst, dann ist das gut. Die Musik schafft es, Sachen zu kommunizieren, die man sonst nicht so einfach erklären kann. Wenn du sagst, dich beeindruckt ein Lied, du fühlst etwas, wenn du es hörst, dann ist das schon unsere spirituelle Mission - die Menschen fühlen und verstehen etwas, auch wenn sie es jetzt nicht unbedingt spirituell nennen.

Ein paar Tracks von Euch kann man auch hin und wieder in Clubs hören....

A.B.: Ja, das ist gut so, es geht sowohl um den Geist als auch um den Körper. Der Geist mag weiter entwickelt sein, aber wenn man uns live sieht, [entschuldigt, aber das kann man nicht übersetzen] we fucking kick ass,... natürlich gibt es mehrere Lieder, die man sich zu Hause anhört , wir wollen sowohl zum Denken anregen als auch zum Tanzen...

Hat die Tatsache, dass Louise zwei Kinder bekommen hat viel geändert?

A.B.: Natürlich , es hat sich ganz schön viel geändert. Sie ist jetzt Mutter und sie muss ja auch eine full-time Musikerin sein. Es ist schwierig. Sie wird überall gebraucht. Es hat sie aber auch größer gemacht. Jede Art von Egoismus löst sich schnell auf, wenn man Kinder hat. Man darf sich selbst dann nicht mehr so wichtig nehmen, schließlich hängt ja das Leben dieser Kinder von einem ab. Ich finde, sie ist um einiges erwachsener und einfach zu einem besseren Menschen geworden, seit sie Kinder hat.

Was sind die 3 wichtigsten Dinge in Deinem Leben?

A.B.: Essen (das sagt Andy wie aus der Pistole geschossen, ohne zu zögern), meine Freunde und Familie und Musik - (Andy macht hier eine kleine Pause, als ich wieder zu sprechen beginne, kommt noch ein hastiges) oh, Sex ist da aber auch dabei! Das muss da auch noch rein, mach vielleicht aus dem dritten Punkt 3a. und 3b.

5 tunes that saved your life?

A.B.:
1. Herbiemann - live at the village gate (in New York)- Herbiemann ist ein Jazz Flötist, mein Vater hatte diese Platte, als ich ungefähr zehn war, und darauf ist ein Track, er ist ungefähr 30 Minuten lang, Jazz, aber mit afrikanischen Rhythmen, sehr repetetiv und hypnotisierend, den ich geliebt habe, ich habe auf Töpfen herumgetrommelt und ihn immer und immer wieder gehört - das war der Punkt an dem ich wußte, dass ich Musik machen muss
2. Simon & Garfunkel - Brigde over troubled water - es ist die Form dieses Songs - wie ein Stück Torte: es beginnt sehr klein, und am Ende ist er riesig, ein sehr schöner und mächtiger Song
3. Deus - Roses - auch ein sehr dynamischer Song, er bringt dich dazu, herumzuspringen und an der E-Gitarre zu zupfen
4. Beatles - Tomorrow never knows - in der Art wie dieser Song einfach chaotisch fucked up und groggy war, hat er mich immer angesprochen und begeistert
5. Soundgarden Black Hole Sun - sehr schön, aber auch sehr dunkel und tief

Diese Songs sind ganz anders als das, was Ihr macht.

A.B.: Ich finde es schwer, mir Sachen anzuhören, die mit uns vergleichbar sind, denn sie machen mich sehr unsicher, weil ich sie beobachte, studiere - selbst wenn sie mich bewegten, ich würde es wahrscheinlich gar nicht merken, weil ich mich eher fragen würde, warum sie mich berühren, anstatt sie einfach an mich heran zu lassen und zu fühlen. Ich höre gerne Jazz und klassische Musik, Musik die ich nicht verstehe, eben weil ich sie nicht verstehe und mich deshalb davon viel eher berühren lasse ohne zu versuchen, das Ganze zu studieren und zu verstehen.
P.: Shout-outs?
A.B.: Naja, ich glaube die Musik kann das besser kommunizieren als meine Worte.

Lamb kommen übrigens am 22. November ins Münchener Babylon, ich kann sie euch nur ans Herz legen...

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