Sie sind plötzlich überall, im Wohnzimmer der Eltern, auf den Tanzflächen der Großraumdiskotheken, auf öffentlichen Plätzen und Straßen: Die Jumpstyler, die mit ihrem neuartigen Tanzstil ganze Städte erobern.

10 bis 20 Jugendliche bauen sich auf der Straße hinter einem großen, portablen CD-Player auf, aus dem harte und vor allem schnelle Technobeats hervor krachen, dann fangen plötzlich alle an zu tanzen, dieselben Schritte im immergleichen Rhythmus. Beim ersten Hinsehen könnte man meinen, es handle sich bei diesem neuartigen Tanzstil um eine Imitation der Tanzgruppe „Riverdance“ oder um den Versuch, einen neuen „Makarena-Sommer-Song“ mit Tanzschritten auszugestalten…

Aber nein, weit gefehlt: Es handelt sich hierbei um den sogenannten „Jumpstyle“, der sich derzeit in ganz Europa – besonders bei den Jugendlichen – einer großen Beliebtheit erfreut und nun auch bei uns angekommen ist. Mittlerweile gibt es in fast jeder großen deutschen Stadt eine solche Jumpcrew, die untereinander Treffen zum gemeinsamen Springen organisieren und so ein weit verzweigtes Netzwerk aufbauen.

„Zuallererst muss man wissen, dass zuerst die Musik da gewesen ist und sich zur Musik der Jumpstyle als Tanz entwickelt hat“, erklären Le Brisc und Marso Colado, die sich in der Jumpszene sehr gut auskennen. Die beiden Jungs bilden zusammen den Act SpringStil. Sie waren zuerst selbst „Jumper“, konzentrieren sich aber seit mehr als einem Jahr ausschließlich auf das Produzieren von Musik für die Jumpszene.

Die beiden haben den Titel „Ey, heb die Beine an“ für die heimische Szene produziert, um den Jumpern eine eigene Hymne zu geben, die das zusammenfasst, was den Jumpstil ausmacht, ein zweiter Track namens „Zansibar“ ist schon in der Mache. Tunnel Records GmbH liefert dazu einen ganz eigenen Beitrag mit der jüngst veröffentlichten Compilation „Jump X-Perience…“.

Die Beiden erklären, dass „die Ursprünge der Musik in den frühen 90er Jahren liegen und zwar in der Chicagoer Hard House Szene. Mitte der 90er Jahre ist dieser Musikstyle dann nach Europa geschwappt. Als bekanntester Vertreter sei das belgische Label „Bonzai Jumps“ genannt, das Hits wie „Belgium Jump“ hervorgebracht hat. Die Tracks, die wir heute kennen, kommen vorrangig aus Belgien und den Niederlanden.“

Der Musikmarkt, der sich um den Jumpstil herum gebildet hat, ist mittlerweile zu einer beachtlichen Größe herangewachsen und das wird sich, so Le Brisc, in nächster Zeit nicht ändern, wenn nur weiterhin gute Musik für die Szene produziert werde.

Marso Colado erklärt, dass das Jumpen nichts für Einzelkämpfer ist. Man trifft sich, bildet Crews und tanzt gemeinsam, je größer eine Gruppe, desto besser: „Natürlich kann jeder alleine Jumpen, aber in der Gruppe mit vielen Gleichgesinnten macht das doch viel mehr Spaß und schafft so etwas wie ein Zusammengehörigkeitsgefühl. Es verbindet nicht nur die Jugendlichen miteinander, sondern auch unterschiedliche Nationen,“ so die Jungs von SpringStil.

Natürlich will das Springen auch gelernt sein. Der Jumpstil verfügt über klar definierte Grundschritte und Schrittkombinationen, die von den einzelnen Tänzern erst einmal beherrscht werden sollten.

„Das ist wie bei jedem anderen Tanz auch, egal ob Tango oder Walzer,“ sagt Le Brisc. „Jumpstyle ist kein sinnloses Rumgehüpfe, auch wenn das vielen so vorkommt. Aber wenn man genauer hinschaut, fallen einem gerade bei großen Gruppen die Choreografien auf; Jumpstyle ist deshalb ein sehr kreativer Tanz!“

Es existieren mittlerweile unzählige landestypische und creweigene Springstile. Die bekanntesten Arten von Jumpstyle sind der sogenannte „Belgian Jump“, „Hard Jump“ „Tecktonik„, „Melbourne Shuffle”, „der aussieht wie ein Moonwalk auf 150 Bpm”, so Le Brisc.

Natürlich ist es uns hier nicht möglich, die einzelnen Bewegungen und Tanzschritte zu beschreiben, ihr könnt Euch aber eines der vielen Jumpstyle-Videos auf einem der bekannten Portale „myvideo” oder „youtube“ anschauen. Hier findet ihr zum Beispiel Tanzanleitungen oder Mitschnitte von Jumpaktionen in ganz Europa.

Davon abgesehen wäre es schon verwunderlich, wenn die Clubszene mit Jumpstyle-Tänzern überwiegt. Alleine in Berliner Clubs gäbe es keine gesunde Basis für Musik dieser Art und somit auch nicht für Jump-Styler. Trends sind bekanntlich beobachtbar und im soziologischen Kontext nur schwer messbar.

So bleibt es abzuwarten, ob die neue Mode-Erscheinung im Cluballtag Zugang findet.

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