Jeff Mills > enhance the minimal by enriching the minimalism

Jeff Mills vermag auch nach 20 Jahren noch zu begeistern. Als Urgestein einer Szene, die durch den weitläufigen Begriff Detroit-Techno bekannt wurde, schafft der heute 44jährige einen konstanten Output qualitativ hochwertiger Tracks.

Er beginnt seine Karriere 1987 beim Detroiter Radiosender WJBL, in einer vom wohl einflussreichsten Radiomenschen der Stadt – The Electrifying Mojo – gehosteten Sendung. Dort firmiert er, wegen seiner unglaublich schnellen Cuts und seinen außergewöhnlichen Turntable Skills, unter dem Banner „The Wizard“.

Er mischt, inspiriert von Mojo, New Wave Songs und alte Motown Scheiben mit den neuesten Underground Tracks aus seiner Nachbarschaft. Unzählige junge Artists werden von ihm beinflusst und versorgen ihn aus ihren Kellerstudios mit reichlich Nachschub.

Mills, der selbst von den Detroit-Pionieren Juan Atkins, Kevin Saunderson und Derrick May beeinflusst wurde, avanciert schnell zum Producer. Zusammen mit Mike Banks gründet er die Formation „Underground Resistance“. Der Sound ist schnell, laut, gefährlich, aber doch auch immer einfühlsam. Wie die Autostadt Detroit eben klingt.

Nach einem Streit mit Banks zieht er Anfang der 90er Jahre nach New York und launcht dort sein Label „Axis Records“. „Waveform Transmissions“, sein erstes Album, das dort kurz darauf erscheint, ist unermesslich wertvoll für die damalige Szene. Es ist der Wegweiser in eine Richtung, die heute noch von vielen Produzenten verfolgt wird.

Als DJ ist er auch reichlich unterwegs, mit drei Turntables und einer Drummachine legt er unerhört schnelle Sets hin. Oft wechseln die Platten im Minutentakt. Und weil er keinerlei Setlist hat, sondern sich rein intuitiv auf das jeweilige Publikum einstimmt, kann es auch passieren, dass eine Platte schon nach wenigen Sekunden vom Teller verschwindet. 1997 dann „The Bells“, ein Track, der zur Hymne einer ganzen Generation wird. Mit seinen extrem eingänglichen Grooves und dem unvergesslichen Glockenspiel. Wer beim Einsatz dieses Glockenspiels nicht sofort euphorisch die Hände in die Luft schmeisst, ist entweder taub oder im falschen Club.

Seinen Hang zur Konzeptkunst beweist er Ende der 90er mit einem neuen Score für den Fritz Lang Klassiker „Metropolis“. Im wörtlichen Sinn remixt er den 1927 entstanden Stummfilm und unterlegt ihn mit minimalen Strukturen und Breaks. Verzerrt, vervielfacht und invertiert Szenen, lässt ihn auf 60 Minuten heruntercutten und schafft somit seine Version einer dystopischen Zukunft. Die oft auch die Gegenwart widerspiegelt oder vorwegnimmt.

Dadurch kommt eine politische Komponente in den meist als rein funktional angesehen Sound Mills. Detroit wird zu Metropolis. 2005 lässt er sich und seine Drummachine vom Montpellier Philharmonic Orchestra begleiten. 10 Tracks (u.a. auch „The Bells“) werden in Noten transkribiert und vor dem Pont Du Gard im Süden Frankreichs live performt. Dem Digitalen wird dadurch eine analoge Wärme entgegengestellt, Fehler werden zugelassen und es entstehen epische – fast übermenschliche – Spährensounds.

> Album-Tipp: Auf seinem neuesten Album „One Man Spaceship“ zelebriert der Godfather of Minimalism eindrucksvoll seine Vision von Techno.

Es ist ein Konzeptalbum, das all den Persönlichkeiten gewidmet ist, die über den Tellerrand hinausschauen. Die sich abheben. Und so klingen die Tracks dann auch. Doch ist unterschwellig immer eine Treue zum ursprünglichen Sound auszumachen. In Jeff Mills’ eigenen Worten: „…you have to understand, my interest is Techno.“ [MA]

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