Philipp Straub aka  DJ Felipe ist einer der ganz Großen in der österreichischen Techno-Landschaft. Der Chef einer erfolgreichen Booking-Agentur, Titan Productions, hat schon etliche Großveranstaltungen in Österreich und den Nachbarländern zum Kochen gebracht und nahm sich für uns die Zeit ein supernettes Interview zu führen.

Du giltst ja als eine der schillerndsten Personen im österreichischen Techno-Business, erzähl uns was über deinen ersten Kontakt mit elektronischer Musik!
Danke für die netten Worte. Das war so um 1990 herum als Hannes Jagerhofer die ersten Clubbings im Technischen Museum machte. Wir mussten uns damals immer reinschmuggeln oder verkleiden und die Welt in die wir dort eingetaucht sind hat mich bis heute nicht los gelassen. Dort habe ich das erste Mal elektonische Musik in Ihren Anfangsstadion gehört und das war natürlich absolut beeindruckend, frisch, neu und so noch nie gehört.
 
Wann kam dir zum ersten Mal der Gedanke eine eigene Booking-Agentur zu starten und was ist deine Motivation dahinter?
Dies entstand eigentlich aus einemworking-flow heraus. Ichwar knapp nach meinem erstenClubbing Erlebnis regelmäßig auf Events und fand recht rasch auch die damals ganz neuen Raves super beeindruckend. Zu der Zeit waren Salzburg und Linz Vorreiter, da dieser Trend halt aus Deutschland kam. Ich habe versucht immer wieder kleine Tätigkeiten für Eric Fischer und seine Events Danube Rave zu erledigen und da ich damals in einem Reisebüro gearbeitet habe, kam es recht rasch dass ich die Flüge undReisen für manche Djs organisieren durfte. Natürlich dauerte es nicht lange und ich kümmerte mich auch um so manche Bookings und dies hat sich bis heute in einer sehr ausgebauten Form gehalten. Meine Motivation ist es, neben dem wirtschaftlichen Profit, einen akkuraten Job für alle Beteiligten abzuliefern, langfristig Künstler und Events aufzubauen und dem meinerMeinung nach allgemein sehr nachlässig nachkommenden Verhalten eines Dienstleisters möglichst optimal zu entsprechen.
 
Merkst du eigentlichbei den Booking-Anfragen einen vermehrten Rückgang bei Minimal-DJs und einen erneuten Anstieg an Techno-Bookings?
Klar spüren wir sehr rasch die einzelnen Tendenzen. Aber auch die meisten Künstler passen sich ja diesen Trends an. Wer gestern noch für Minimal stand steht heute fürTechhouse und ist schon wieder angesagt. Nur die unflexiblen fallen da recht rasch aus dem Raster und dies betrachte ich als natürliche Auslese.
 
Wie siehst du die momentane Entwicklung in der österreichischen Szene bzw. wie weit hat sich diese imVergleich zur „guten, alten Zeit“ verändert?
Total! Unsere jetzige „Szene“ hat mit der alten Szene rein gar nichts zu tun. Weder wirtschaftlich noch emotional. Letztendlich geht es nur noch ums Geschäft, jegliche Moral ist zum Teufel und auch dieser Anfangs so feine Zweig ist ganz und ganz einTeil des Raubrittertums des Musikbusiness geworden. Aber das ist auch ok so. Ich stelle keine Ansprüche, sondern passe mich eben auch nur den Umständen an.
 
Du bist ja auch sehr oft bei unseren Freunden aus dem Osten unterwegs… wie kam es zu dieser Connection?
Na ja… Deutschland war immer total überbesetzt und bevor ich dort mit 10 ähnlichen Leuten konkurrieren musste, habe ich meine Energie an die geografisch naheliegenden Nachbarländer konzentriert und versucht dort ein wenig im Zuge der Zeit auch zu missionieren, was mir sicher gesamt ganz gut gelungen ist. Natürlich konnte und kann ich nicht alles beeinflussen, aber meine Stempel habe ich auf jeden Fall nachhaltig hinterlassen.
 
Wie lässt Philipp Straub am liebsten einen stressigen Tag Revue passieren?
Da gäbe es zum einen die wichtigsten Erinnerungen des Tages und meine Einschätzungen mittels einem Tagebuch zu verarbeiten. Dies hilft mir den Tag nochmal in Gedanken durch zu gehen und manche im Stress ev. vergessenen Dinge in Erinnerung zu bringen. Ansonsten bin ich ja seit mehr als einem Jahr glücklich im Ehe-Hafen angekommen und genieße dies auch in jeglicher Instanz sehr.
 
Gibt es Events in der Vergangenheit, an welche du dich immer noch gerne zurück erinnerst und warum?
Dies auf spezielle Events zu reduzieren fällt schwer da ichweit mehr als 1000 Events selber bespielt habe und auf wesentlich mehr mitarbeiten durfte im Zuge der Zeit. Es gab viele tolle und einprägsame Momente, Events in exotischen Locations und auf allen Kontinenten, aber letztendlich sind es die kleinen Momente der Freude wenn zB das Publikum ein Set so versteht wie es von mir gemeint und gedacht ist und ich das Gefühl habe direkt das Geschehen zu kontrollieren.
 
Wie stehst du zum Thema Vinyl vs. Digital?
Seit 2000 spiele ich Digital und bin erst vor ein paar Monaten auf CDs umgestiegen, was aber nur eine Zwischenlösung ist und Vorbereitung war auf die neuen Pioneer CDJ 2000 Player mit welchen ich dann weiterhin rein Digital spielen werde. Letztendlich ist es egal was man als Arbeitsmaterial verwendet. Alleine das Resultat zählt und es liegt im Ermessen jedes Einzelnen die optimalen Voraussetzungen zu finden seiner Musik Ausdruck zu verleihen.
 
Gibt es Acts mit denen du besonders gerne zusammenarbeitest?
Nein. Die Zeiten als ich lange auf Events abgehangen bin sind lange vorbei und es gibt auch kaum Acts die mich wirklich überraschen oder inspirieren. Es gab einfach alles schonmal in einer ähnlichen Form. Steve Aoki fand ich 2009 sehr sehr überraschend und erfrischend und Kaiserdisco finde ich sehr schön vom aktuellen Output an Releases.
 
Gibt es heuer schon Pläne für deine Essence-Eventreihe?
Im Moment ruht dieses Projekt. Mal sehen was die Zukunft bringt.
 
Erzähl uns von einem deiner lustigsten, kuriosesten oder prägendsten Momente in deiner elektronischen Karriere!
Es gab keinen einzelnen sondern die Summe an Erlebnissen formt einen Menschen und glücklicher Weise waren dies bei mir mehrheitlich positiv. Auch auf die Gefahr hin, dass dies jetzt etwas geschwollen oder gar esoterisch klingt 😉
 
Was dürfen wir heuer noch alles von dir erwarten bzw. was sind deine Highlights in diesem Jahr?
Ich war Anfang des Jahres in Thailand und habe dort wie jedes Jahr das Culture One Festival gehostet und bespielt, wo wir diesmal Sven Väth, Chris Liebing und Terri B!  hatten. Danach war ich im Tokyo im geliebten Womb Club, was für mich immer eines der Highlights des Jahre ist. In Kürze fahre ich endlichwiedermal Snowboarden, danach geht es nach New York und Florida wo ich mit Cristian Varela spielen werde. Im April sind dann einige Gigs hier in der näheren Umgebung und dann beginnt ja schon die Festivalsaison in ganz Europa. Ich werde sicher noch in diesem Jahr nochmal nach Asien fliegen um vielleicht endlich in China zu spielen, Südamerika gibt es wieder eine Option und so wird das Jahr wie es derzeit aussieht genauso dicht gefüllt weitergehen wie auch schon die letzten 17 Jahre von statten gingen.

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