Im Rahmen der Energy tritt der US-House-Superstar in der Zürcher Grossraumdisko Fame auf. Im Gepäck die inzwischen elfte Subliminal Sessions?-CD.

Was ist dein Resumée von 10 Jahren Subliminal?
Es waren zehn unglaubliche Jahre. Eine meiner Lieblingsplatten war ?Believe? (99), wo wir als Ministers de la Funk mit der grossen Jocelyn Brown zusammen arbeiten durften. Die Subliminal Sessions-Tourneen und -CDs sowie Parties im Pacha Ibiza jeden Mittwoch bilden weitere Höhepunkte. Zuerst veröffentlichten wir auf dem Label nur unser eigenes Material und Titel von Leuten, die wir managten. Inzwischen ist das Label fast schon ein Synonym für ein Musikgenre. Wir setzten den Quality-House-Spirit von früheren New Yorker Labels wie Strictly Rhythm und Nervous fort.
Du bist innert einer Dekade zur weltweiten House-DJ-Nr. 1 aufgestiegen. Dahinter steckt ein Background von 25 Jahren. War es a long way to the top??
Ich bin sehr glücklich, dass die Leute meine harte Arbeit anerkennen. Als ich elf Jahre alt war, startete ich mit Hochzeiten und kleinen Parties. Heute habe ich die Spitze des House-Olymps erreicht. Ich erinnere mich noch, wie ich 1992 erstmals in London ankam. Es war wundervoll. Zu dieser Zeit heimste ich 500$ pro Gig ein. Heute bin ich einer der höchstbezahlten DJs der Welt. Ich sehe mich wie James Brown selig als ?hardest working man in show business?.
erik-morillo94 hast du als Reel2Real mit ?I Like To Move It? den Durchbruch geschafft – mit einer Mischung aus House und Reggae, ähnlich wie sie heute Bob Sinclar pflegt. Vom Overground gingst du später zurück in den Underground. Was war der Grund für den Karriereschritt?
I Like To Move It? startete als Underground-12? auf Strictly Rhythm. Erst mit der Zeit wurde der Titel kommerziell. Parallel zu Reel2Real nahm ich weiterhin Independent-Singles auf unter Namen wie Smooth Touch und Lil`Mo Yin Yang (mit Louie Vega). Nach dem zweiten Reel2Real-Album trennten sich unsere Wege, The Mad Stuntman wollte in Richtung Reggae gehen, ich dem House treu bleiben. Unlängst trafen wir uns übrigens, und wir hegen Comeback-Gedanken. Der Grund, warum ich von der Artist/Pop-Seite ins DJ-Lager zurückwechselte, war, dass ich Anfang der 90er in Europa die DJ-Kultur miterlebte. ?God is a DJ?, war das Motto. Ich wollte im Ministry of Sound spielen – der Traum erfüllte sich. Als ich Subliminal startete, merkten auch Kritiker, dass ich es mit dem House-Underground ernst meine. Daran hat sich bis heute nichts geändert.
Warum fiel der Zusatz ?More? aus deinem Namen weg?
Gladys Pizzaro, die A&R-Frau von Strictly Rhythm, die auch Reel2Real signte, gab mir diesen Übernamen, da ich derart viele Remixes machte. Er bedeutete: ?more for your money Morillo?, kurz Erick ?More? Morillo. Mit der Zeit wurde ich älter und brauchte den Nickname nicht mehr.
Du hast mitgeholfen, den DJ-Beruf zu Mainstream-Erfolg zu führen. Wie hat sich das Image des DJs im letzten Vierteljahrhundert geändert?
Früher war er auf der gleichen Stufe wie der Barkeeper. Heute besitzt der DJ Rockstar-Status. Die Club-Besitzer haben längst in teure, gute Soundsystems investiert und wissen, wie wichtig der DJ ist, um den Laden zu füllen.
Was ist das Konzept der Mix-CD-Serie?Subliminal Sessions“?
Sie reflektiert den Zustand der Musikszene des jeweiligen Jahres. Die erste CD ist immer Vocal-lastig – früher mehr als heute. Die zweite CD ist ?darker, harder? und New York-Tribal-orientiert. House hat sich in den letzten zehn Jahren stark geändert. Mittlerweile fliessen Elemente wie Electro und Trance in den House ein, ich nenne es ?21st century house?.
Tom Novy remixte deine letzte Single ?My World?. Was hältst du von der europäischen House-Szene?
Tom Novy leistete letztes Jahr hervorragende Arbeit mit seinem Joe T. Vannelli-Remix, der mich wirklich vom Hocker riss. Ich fragte ihn, ob er für mich remixen würde. Beide Mixes waren gut, einer dunkel und minimal, der andere sommerlich und ?vibey?. Novy deejayt auch in Ibiza für uns. Europa ist klar im Vormarsch. Sie brauchten Jahre, um auf der Höhe der Amerikaner zu sein, da sie viel später anfingen. Die Schweden aber sind mittlerweile führend. Auch in Australien gibt es hervorragende Produzenten. Und Deutschland ist in den Bereichen Techno und Minimal Spitze.
Was bedeutet dir Ibiza?
Es ist eine weltweite Bühne. Wenn du dort spielst, tust du dies nicht für ein Territorium, sondern gleich für mehrere. Es ist der beste Party-Ort der Welt. Wenn du ein Label promoten willst, ist die weisse Insel the place to be.
Du reist non-stop um den Globus. Gibt es Unterschiede zwischen Clubs in Miami , Moskau, Sao Paolo oder London?
Jede Stadt hat ihre eigenen Hits. Man muss seine Ohren offen halten, wenn man weltweit Erfolg haben will. Ich habe in jedem Land meine Insider, die mich informieren, was im Moment hip ist. So ergänze ich meinen eigene Auswahl stets mit Repertoire, das dem jeweiligen Territorium angepasst ist.
V. A. (Erick Morillo) ?Subliminal Sessions 11? (Subliminal)
Sa 11. 08. Energy 07, Fame Zürich

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