Holgi Star: Ich bin irgendwie Extremsportler, ich suche immer den Kick

Holgi Star, Veranstalter, Booker, Labelhead, DJ, ProduzentVeranstalter, Booker, Labelhead, DJ, Produzent – eigentlich gibt es keinen Bereich in Sachen Techno, den Holgi Star nicht kennt. Anlässlich seines ersten Album Releases traf er sich mit Mun-ju Kim in Berlin, um Rede und Antwort zu stehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Man kann Dich ja schon als einen der Altehrwürdigen im Techno bezeichnen. Was fesselt Dich so an der Szene?
Die Musik, das Auflegen, die Parties, die Open Airs im Sommer… Eigentlich der Lifestyle der Szene. Nur auf Ibiza kann ich verzichten. Die werden es nie lernen!

Inzwischen hast Du ja alle Bereiche im Big Techno Business durch…
Ob Techno so ein Big Business ist, sei mal dahingestellt. Das ist auch nicht wichtig! Momentan ist es wohl nicht so Big, aber immer noch extrem kreativ und upfront was Sounds, Beats und Styles betrifft.
Ich habe mit Armin Mostoffi 1993 angefangen Parties zu organisieren. Über die Veranstalterei haben wir Jürgen Laarmann kennengelernt und kurz danach bei Frontpage angefangen. Dort habe ich mit Armin meine erste Booking Agentur timing booking gegründet und die ersten Frontpage Touren organisiert.
Nach dem großen Bang bei Frontpage wurde timing booking um timing recordings erweitert, ein Breakbeat Label, das Daniel Siemer, Armin, Tanith und ich ins Leben gerufen haben. Breaks waren damals in dieser Form ziemlich fresh.
Zwei Jahre später haben wir Bash als Label für alte Techno Hits reanimiert. Kurz danach habe ich DJ Emerson kennengelernt. Mit ihm habe ich dann aufgrund unserer guten Chemie und unseres ähnlichem Musikgeschmacks kiddaz.fm gegründet, unser Techno Outlet auf dem mein Album erscheint.

Nun zu timing recordings. Du hast Deine Karriere an den Turntables eigentlich als Breakbeat DJ begonnen. Wieso der Wechsel zu Techno?
Ich höre seit 1989 Techno. 1991 war ich zum ersten mal im Tresor, da ging’s für mich los und habe mich auch bis 1997 im elektronischen Bereich nur für Techno und was damals House war interessiert.
Erst ’97 hatte ich im Techno einen Durchhänger und da waren es dann Breaks, die mich extrem faszinierten. Für mich war Auflegen damals straight Hobby, weil ich ja mit meiner Arbeit als Labelhead von timing ausgefüllt war. Nach meinem ersten öffentlichen Gig bei e.d. 2000s Dangerous Drums Party gab’s kein Halten mehr. Aber irgendwann, hat mich dann der Viervierteltakt wieder gepackt und ich hab mich wieder stark an Techno orientiert. Heute spiele ich Techno, aber ich habe immer noch ein Ohr für Breaks und mit meinem Produzenten Circuit Breaker einen Mann an meiner Seite, der gerade dabei ist sich eine Menge Respekt in diesem Genre in UK zu erwerben. Auf Starwars findet sich dann auch ein Breakteil, aber frisiert und daher technokompatibel.

Wer jemals mit Dir richtig gefeiert hat weiß, dass Du auch ein echtes Feierschwein sein kannst. Gibst Du da manchmal Deiner dunklen Seite nach?
Ja… und die ist so dunkel, dass mir schon selber manchmal angst und bange wird. Aber wer mich kennt, der weiss, wie es gemeint ist. Ich bin irgendwie Extremsportler, ich suche immer den Kick, ob beim Sport oder beim Feiern, da mache ich keinen Unterschied!

Duchgeknallte Artists die sich dem Grössenwahn hingeben kennt man ja zu Genüge. Hattest Du manchmal die Befürchtung, dass Du die Kurve nicht kriegst?
Ich denke, dass mit auf dem Teppich bleiben ist eine Frage der Persönlichkeit, entweder ist man bodenständig oder nicht, und bodenständig heisst nicht langweilig. Ich habe ein paar Artists erlebt die durchgeknallt sind und extrem Höhe bekommen haben, was meist mit dem Schnee aus den Anden zu tun hat. Aber das ist nicht mein Problem. Ich weiss wann Schluss ist.

Eingeweihte wissen, dass Holgi ein exzellenter Gastgeber und Koch ist. War das schon immer so?
Gastgeber ja, Koch nein. Ich koche gerne und ich finde es viel schöner ein Geschäftsessen zu Hause zu machen, als in einem Restaurant. Ansonsten bin ich ein geselliger Typ, der auch gerne Leute um sich hat, Ich bin ein Wohnungs-Don, ich hab es lieber, wenn die Leute zu mir kommen auch wenn ich dann kochen und am Schluss alles aufräumen muss.

Wenn man sich die Labellandschaft betrachtet, gibt es da eine ganze Menge. Trotz allem hört man ja immer wieder Klagen, dass es zwar eine Menge Labels gibt, die Releasesituation aber nicht wirklich gut ist, sprich: Es wird viel herausgebracht, wobei die Qualität nicht wirklich toll ist.
Einspruch! Es gibt gerade im Techno und Techhouse jede Menge hervorragende Platten. Allerdings, und da geb ich Dir recht, beschränkt sich das auf eine überschaubare Anzahl an Produzenten und Labels.
Hin und wieder findet man dann auch mal ne Scheibe von jemanden, den man bisher noch nicht bemerkt hat. Aber es stimmt, es gibt wirklich jede Menge Schrottlabels mit komischem Output wo man sich immer fragt was das soll.
Tracks die nicht im Club spielbar sind interessieren mich nicht beim Plattenkaufen, was ja nicht heissen soll, dass man nur Mörder nach vorne Tracks releasen sollte. Aber Qualität und Kreativität hört man und da wären wir wieder bei der Überschaubarkeit. Das Schöne ist ja, dass der Markt meist so was von alleine regelt: Wessen Musik keiner kauft, dessen Label auch bald dicht macht, so einfach ist das! Und für gute Listening Sachen bin ich immer offen. Aber da reicht mir ne CD.

kiddaz.fm hat sich inzwischen als straight Techno Label etabliert und Du steckst da ja auch viel Energie rein. Settlest Du Dich jetzt nach Deiner doch sehr umtriebigen Zeit?
Blödsinn. Ich settle mich noch lange nicht. Wir sind ja mit kiddaz.fm gerade mal am Anfang und es fängt an gut zu laufen. Wir haben uns einen Kreis von Produzenten und DJs angelacht, die von der Personality und ihrer Auffassung von Musik der von mir und Emerson entsprechen und da werde ich mich bestimmt nicht zur Ruhe setzen.
Ich will und werde mich, glaube ich, nie zur Ruhe setzen, da würde ich eingehen. Und das Auflegen macht so viel Spaß, dass ich das auch noch ne ganze Weile machen werde. Aber ich werde öfters mal ein paar Urlaubstage einlegen, um neue Kraft zu tanken. Das sollte man als Kreativer sowieso immer mal wieder machen, sonst brennt man aus, der Spass geht verloren und alles ist Scheisse.

Der Release Deines Albums steht ja quasi vor der Tür, das zweite Album, das auf kiddaz.fm herauskommt. Wie würdest Du Dein Album beschreiben?
Mein Album ist, wenn ich mir das jetzt so anhöre, eine Reminiszenz an meine Older Days. Die Sounds, die wir für Starwars benutzt haben sind ziemlich Oldschool, ohne das wir das im Vorfeld so geplant hatten. Das ist einfach so passiert und Breaker und ich fanden die Sounds cool. Ansonsten ging es mir primär darum, ein Album zu machen, mit dem DJs etwas anfangen können, also
acht Tracks auf Vinyl, die alle spielbar sind. Ich finde zwar Konzeptalben auch interessant, aber kiddaz ist ein Label von DJs für DJs, und da ist es mir wichtig, den DJs ein Tool zu liefern, das sie gebrauchen können.

Ursprünglich sollte das Album Shooting Star heißen. Wie kam es zu der Umbenennung? Hast Du noch offene Rechnungen zu begleichen?
Shooting Star war nur der Arbeitstitel, den ich von Emerson verpasst bekommen habe. Starwars ist nun der richtige und wahrlich, ich habe in den letzten 10 Jahren im Biz ein paar Kandidaten kennen und nicht wirklich lieben gelernt, mit denen ich noch ein paar Rechnungen offen habe. Aber alles zu seiner Zeit. Vielleicht auch mal ganz spontan. Natürlich nur auf musikalischer Basis, denn Krieg ist nun mal Scheisse, da beisst die Maus keinen Faden ab! War und Battle im musikalischen Sinn dagegen sind doch was
Feines.

Gibt es über das Album hinaus noch Projekte, an denen Du verstärkt arbeitest?
Klar. Zum einen bin ich ja mit DJ Emerson und J. Breaker New Church of Moneymakers, ein Projekt auf kiddaz.fm, unter dem wir jetzt auch schon vier Platten rausgebracht haben. Da wird es in nächster Zeit noch viel zu hören geben. Dann habe ich noch mit DJ Doorkeeper und Stereo Jack aus Hamburg unser Spassprojekt Firewall, bei dem uns nichts heilig ist, weder bei Sounds noch sonst. Unser erster Erguss war ein P.I.L. Cover „This is not a Love Song. Der Track hat es bis auf die Kontor Compilation gebracht. Ich weiß nur nicht, ob ich da jetzt stolz drauf sein soll.
Meine Fernprojektzielvision ist eine elektronisch analoge Band so à la Kosheen, schöner elektronischer Sound in einem coolen Style mit schönen Vocs… einfach geil! Aber so was wächst nicht auf Bäumen, da muss man was für tun, und zwar viel Zeit im Studio und bei Underground Konzerten verbringen. Aber wir kriegen das hin, das weiss ich!

Es gibt ja auch noch Musik außerhalb von Techno. Was hört Holgi Star privat?
Kosheen! Ich bin Musik Channel Consumer und da steh ich auch zu. Ansonsten hör ich alles was mir gefällt, das kann ich nicht so genau benennen. Es gibt ne Menge Bands und Artists die ich höre neben Techno!

Mun Ju Kim KIM WILL KIFFEN KIDDAZ.FM
14.05.2003

Kommentar verfassen, Diskossion starten, Meinung melden‽