Holgi Star: Ich sitze gerade, während ich dieses Interview beantworte, in Curitiba in Brasilien

Interview: Holgi Star Partysan StuttgartHi Holgi, du lebst ja seit mittlerweile +/- 20 Jahren in Berlin, warst also auch lang vor vielen  anderen in der „deutschen Techno-Hauptstadt“. Was hat damals für dich den Ausschlag gegeben, das schöne, beschauliche  Frankenland zu verlassen, um nach Berlin zu ziehen?

 

Ich liebe mein beschauliches Frankenland, zum Entspannen, gut essen, lecker Bier trinken und Urlaub machen, aber zu dort leben war und ist nix für mich, vieles ist so provinziell und engstirnig, außerdem steh ich überhaupt nicht auf CSU Regierungen mit ihrem ganzen konservativen Gelaber  und Gehabe!

Berlin passt einfach besser zu mir, die Stadt ist weltoffen, liberal, cool und spannend und ich hab es nie bereut, dass ich damals dort hingezogen bin!

Ist Berlin denn auch für dich wirklich DIE Techno-Stadt  in Deutschland?

Auch wenn es viele nicht hören wollen, so ist die Antwort eindeutig Ja und nicht nur für Deutschland, ich behaupte jetzt einfach mal weltweit! Das soll andere Städte, Länder nicht abwerten aber Berlin ist in Sachen Techno und Musik allgemein gerade der Hotspot schlechthin!!

Du bist ja nicht nur DJ, sondern zu gleich auch noch Boss bzw. (Mit-)betreiber mehrere Labels. Heißt, du hast deine Finger unter anderem bei Kiddaz, Stylerockets und Rompecabeza mit drin. Erzähl uns doch mal bitte, was genau bei welchem Label deine jeweiligen Aufgaben sind?

Du hast micro.fon und playwithus vergessen lol! Ich mach die Labels ja nicht alleine, sondern hab da 2 fähige Partner, DJ Emerson und Harry Crumb! Ich kümmere mich ums A&Ring bei Kiddaz, Rompecabeza und playwithus! Em macht das bei micro.fon und bei Stylerockets machen wir das gemeinsam! Rompecabeza betreibe ich mit der Gitta, da kümmern wir uns beide ums A&Ring.

Harry kümmert sich um die Sachen, die wir nicht so gerne machen, Abrechnungen, Gema Meldungen, Steuer, etc. pp, also den ganzen Papierkram, der unendlich wichtig ist, aber nicht soo viel Spaß macht wie Produktionen aussuchen und sie dann für den Markt bereit zu machen.

Auch als Veranstalter seid ihr in Berlin sehr aktiv. Hier würde uns interessieren was bzw. welche Events ihr macht und vor allem auch wo?

Wir haben eine reguläre Kiddaz-Nacht im Tresor, im Raw und in der Maria nun Ads. Dann machen wir noch ab und an Events in wechselnden Locations wie dem Mikz, Levee club etc.!

Heutzutage musst du als Label umtriebig und gut aufgestellt sein, also auch das Veranstalten nicht vergessen, das ist wichtig für deine Außendarstellung, für die Künstler, die du vertrittst etc.!

Als DJ bist du ja seit Jahren national wie international viel unterwegs. Vor kurzem erst warst du wieder mal auf Südamerika-Tour. Wie unterscheid sich denn die Szene dort von der deutschen oder europäischen?

Ich sitze gerade, während ich dieses Interview beantworte, bei meinem Kumpel und Bro DJ Animal in Curitiba in Brasilien. Feiern ist feiern, da gibt es weltweit aus meiner Erfahrung heraus nicht so viele Unterschiede! Die Brasilianer sind vielleicht einen Tick euphorischer, freundlicher, herzlicher als ich das aus Berlin kenne, aber am Ende des Tages ist es one world, one party, lol!

Was sich hier auf alle Fälle geändert hat, ist der Zugang zur Musik dank des digitalen Zeitalters. Als ich hier das erste Mal vor 10 Jahren gespielt habe, kannte der normale DJ nicht die Platten, die z.B. ich gespielt habe, denn es war ziemlich teuer, sich diese aus Europa zu besorgen, jetzt hat sich das natürlich gewandelt, die DJs hier sind auf dem gleichen Stand wie wir!

Holgi Star hat ja auch ein bisschen das typische „Rampen-Sau“ Image. Du feierst auch gern mit, bist etwas früher im Club oder bleibst bis zum Schluss und länger lach  … Kann man das so stehen lassen ?!

Auflegen und feiern sind für mich eine Einheit und auch wenn ich jetzt schon ein gewisses Alter erreicht habe, feiere ich immer noch gerne, bleibe gerne in Clubs bis zum Ende und manchmal länger lol! Es kommt halt immer auf die Party und den Club an und mit wem ich unterwegs bin, nech Rapha.

Aber ich kenne meine Grenzen und weiß auch, wenn ich genug habe und mich regenerieren muss, denn nur feiern geht nicht, darum treibe ich unter der Woche viel Sport, gehe laufen, pumpen, schwimmen, Sauna etc.! Und eine ganz wichtige Maxime von mir ist, die Arbeit darf darunter nicht leiden und auch der Rest des Lebens nicht ! Aber klar, einmal Rampensau immer Rampensau.

Was das Produzieren angeht,  bist du jemand, der da gern und regelmäßig mit anderen Kollegen zusammenarbeitet und kooperiert. Mit wem arbeitest du aktuell und wie kann man sich diese Sessions vorstellen?

Da ich selber kein „vollwertiger“ Produzent bin, also nicht am Rechner sitze, arbeite ich immer mit befreundeten Produzenten zusammen! Circuit Breaker, Stereo Jack, Holger Flinsch, Andomat 3000, Daniel Steinberg, Falko Niestolik – um mal die wichtigsten zu nennen! Seit ca. 1 Jahr arbeite ich mit ma män Pierre Deutschmann zusammen, wir verstehen und blendend und es läuft prima!

Wie muss man sich das vorstellen??

Ich hab eine Idee, einen Sound, sample, irgendwas im Kopf, bespreche mich mit meinem Producer und gemeinsam finden wir einen Weg, das musikalisch umzusetzen, also quasi ein dauerhafter Kompromiss zwischen Artist und Producer. Ich denke, das ist ein Modell, welches von vielen Künstlern in der Szene favorisiert wird, aber nicht nur da, im Hip Hop z.B. geht ohne einen Producer gar nix und da ich auf Teamwork stehe, ist das auch für mich die optimale und spannenste Lösung.

Was stehen in den nächsten Wochen und Monaten für Releases von dir an? Worauf dürfen wir uns freuen?

Nächsten Monat kommt eine neue Kiddaz von mir, Statement 1, das wird eine Reihe – deshalb auch der Name. Dann bereite ich grade eine Ep auf Stylerockets und eine auf Rompecabeza vor! Dann kommt eine solo Ep von mir auf Keymono, ein junges tolles Label aus Berlin / München, die steht quasi in den Startlöchern und wird in ein paar Tagen erscheinen! Dann hab ich ja noch mein side project Superpingpong mit Toni Haupt, da wird es bald ein follow up geben! Dann steht mal wieder eine micro.fon von mir an, die ich zusammen mit meinem österreichischem Kumpel Falko Niestolik gemacht habe, mit geilen Rmxen von Tim Xavier und Norman Zube! Dann hab ich grad ne Menge Rmxe gemacht, unter anderem für ein georgisches Label, dann für Tony Casanova, Steve Looney!

Eine Kiddaz Mix-Cd hab ich auch grad compiled, gemischt und veröffentlicht!

Mittlerweile bist du ja auch nicht nur an der Technofront zu Gange. Mit Hoodrich hast du ein HipHop Label gestartet. Allen voran pusht ihr da gerade Said, der jetzt bei euch auch ein Album gemacht habt. Wie kam es dazu, dass du/ihr nun auch auf diesem Markt aktiv werdet?

Said habe ich mal in Berlin bei mir im Gym kennengelernt, er ist ein extrem talentierter Rapper und hatte zu der Zeit grade sein Album auf Aggro veröffentlicht !

Er wollte aber schon immer sein eigenes Ding machen, kannte sich aber im Biz nicht so gut aus und so haben wir beschlossen, das Label namens „HOODRICH“ gemeinsam aufzubauen. Er kümmert sich um den künstlerischen Teil, also signing von Künstlern, Videos drehen, die musikalische Richtung bestimmen und ich kümmere mich ums Geschäft, also Herstellung der Tonträger, Vertrieb, merch etc. pp!

Für mich war das eine total neue Erfahrung, da ein HipHoplabel schon etwas anders laufen muss als ein Technolabel und ich habe viel Lehrgeld bezahlt und zahl es immer noch! Aber wir haben gerade den 2ten Tonträger veröffentlicht, den ersten Hoodrich Label-Sampler und es läuft ordentlich! Es macht eine Menge Spaß und ich freue mich, neben meiner Tätigkeit in der elektronischen Musik ein weiteres musikalisches Feld zu beackern, so wird’s nie langweilig.

Wo soll mit Hoodrich eure Reise hingehen und was sind denn eigentlich die größten Unterschiede zwischen dem Techno- und dem HipHop-Business ?

Na die Reise soll ganz an die Spitze führen, das muss ja wohl der Anspruch sein. Das Genre HipHop in Deutschland ist gerade wieder auf der Überholspur, du, da wollen wir natürlich dabei sein!

Ich denke der allergrößte Unterschied ist der Aufwand, den man betreiben muss, um wahrgenommen zu werden. Hier reicht es nicht, einfach mal ne 12“ auf den Markt zu schmeißen und diese mit ein paar Marketingaktionen zu flankieren. Da wir keinen major Deal haben und dies auch nicht mehr wollen, muss man alles selber machen, was einem sonst ein major Label abnehmen würde.

Da die HipHop Szene mehr visueller Natur ist, sprich die Kommunikation viel über Youtube und andere Kanäle läuft, muss man Videos drehen und davon viele, was ein erheblicher Aufwand persönlicher und finanzieller Art ist.

Dann ist natürlich auch der Aufwand, also das Aufnehmen der Musik viel größer. Wir haben bei uns im Kiddaz-büro ein kleines Studio eingerichtet wo wir die Hoodrich Member produzieren, sprich aufnehmen und abmischen – quasi alles in Eigenregie aus einem Guss machen!

Aber das hier jetzt exakt auszuführen, würde ein neues Interview erfordern, ich denke dazu reicht jetzt der Platz nicht aus! Es macht auf alle Fälle Spaß, trotz der vielen Arbeit und wie ich schon erwähnte, ist es für mich eine willkommene Abwechslung zum Techno-Geschäft! Am Anfang ist die Umstellung da doch sicher recht schwer bzw. ungewohntes Terrain.

Gibt’s da vielleicht schon die oder andere spaßige, schräge Anekdote?

Kein Kommentar, lol!

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