Wenn vor einem Club der Krankenwagen steht, dann hat das oft einen ganz bestimmten Grund: Mischkonsum von GHB und Alkohol. Schön ist das nicht: Für die Betroffenen heißt das häufig Lebensgefahr, für die Freunde große Sorge, für den Clubbesitzer oder Veranstalter Ärger.

ghb chemische Zusammensetzung Häufen sich Vorfälle mit GHB oder Liquid Ecstasy? Wissen die User zu wenig über GHB? Ist GHB ein Teufelszeug? Partysan hat mit Hans Cousto darüber gesprochen – er gilt als einer der besten Experten in Sachen Drogen und gibt sein Wissen unter anderem bei „www.eve-rave.net“ oder „www.drogenkult.net“ weiter…

Hans, GHB kursiert unter vielen Namen, unter anderem auch Liquid oder Liquid Ecstasy. Was ist GHB für ein Stoff?

GHB ist ein Stoff, der auf die Gaba-Rezeptoren wirkt – da wirkt auch Alkohol oder Valium zum Beispiel. Darum hat die Kombination dieser Substanzen, weil sie auf die gleichen Neurotransmitter Einfluss nehmen, einen potenzierenden Effekt. GHB hat die Eigenschaft zu entspannen; die Adern unter der Haut, auch im Genitalbereich, werden gut durchblutet.

Damit ist GHB in niedrigen Dosierungen ein Stoff, der sensibler macht. Wenn man GHB etwas höher dosiert, dann ist es schon richtig hallizunogen, Farben werden intensiver. Man sieht nichts, was nicht da ist, aber die Dinge, die man sieht, werden anders und intensiver gesehen. In der Medizin wird GHB als Anästhetikum verwendet, als Schlaf- und Betäubungsmittel. Früher hat man das lange bei Kaiserschnitten eingesetzt, weil die Mütter ansprechbar blieben, ohne Schmerzen zu verspüren.

Mit Ecstasy hat das aber nichts zu tun, worauf der Name „Liquid Ecstasy“ scheinbar schließen lässt?

Nein, chemisch haben diese Substanzen überhaupt nichts miteinander zu tun. Sie reagieren auch mit unterschiedlichen Neurotransmittern. Der Name „Liquid Ecstasy“ ist eine Erfindung, wer weiß von wem…

Wir haben den Eindruck, die Kombination GHB und Alkohol erweitert sich häufig auf die Kombination GHB und Alkohol und Krankenwagen. Siehst du das auch so?

Das ist leider schon seit zehn oder zwölf Jahren so. Wenn der Krankenwagen wegen Drogen vor Partys vorfährt, dann meistens wegen dieser Kombination. Diese Knock-Outs sind ja eigentlich das Gegenteil von dem, was sich die Leute vom Drogenkonsum erwarten.

Warum diese Probleme? Ist GHB so schwierig zu dosieren?

Das liegt in erster Linie an Unwissenheit. Viele denken zum Beispiel nicht an die richtige Reihenfolge. Wenn man erst GHB nimmt und dann, wenn die Wirkung verflaut ist, mal einen Jägermeister trinkt, läuft man kaum Gefahr, dass man medizinische Hilfe braucht. GHB gilt als ziemlich sicheres Medikament, es liegt in jedem Krankenhaus rum und heißt Somsanit.

Aber in der Kombination mit Alkohol oder auch Valium und ähnlichem Zeugs ist das ein zu starker lähmender Effekt. Dann gibt’s ’ne Atemdepression und dazu, was dann richtig gefährlich ist, eine Steigerung des Brechreizes. Wenn nun jemand halb im Koma liegt und kotzen muss, dann ist die Erstickungsgefahr recht groß. Wenn jemand nach dem Mischkonsum mit Alkohol und GHB im Krankenhaus liegt, müssen die dort echt arbeiten, da muss für jeden Patienten ein Betreuer da sein, der aufpasst.

In Amsterdam war das mal so schlimm, dass Krankenhäuser große Inserate in großen Tagezeitungen geschaltet haben mit dem ganz klaren Hinweis, sie hätten am Wochenende auf den Notfall- und Intensivstationen so viel mit Alkohol und GHB zu tun, dass sie nicht mehr gewährleisten können, die anderen Patienten korrekt zu behandeln. Sie baten darum, die Kombination sein zu lassen. Die ist gefährlich.

Das schaffen aber viele nicht, das sein zu lassen…

Ich glaube nicht, dass der Mischkonsum extremer geworden ist, aber viele Leute sind beim Konsum leichtsinniger geworden. Auch ein Aufklärungsproblem: Das Thema Drogen wird oft in einer Art und Weise dargestellt, ja oft so verteufelt, dass viele Jugendliche, die schon die eine oder andere Droge genommen haben, wissen: „Was die uns erzählen, das stimmt gar nicht, ich erlebe das ganz anders.“ Viele Präventionsmaßnahmen sind so einfach unglaubwürdig. Nach neutraler Information muss man suchen – aber man findet sie, bei drogenkult.net oder bei eve-rave.net zum Beispiel.

Du hast mal bei einem großen Festival Sanitätern über die Schultern geschaut und interessante Dinge erfahren: Die Ambulanz kommt unterschiedlich oft, je nach Musik-Style…

Ja, die Sanis hatten einen großen Festival-Plan und haben mit Punkten markiert, wo sie hingerufen wurden. Am Trance-Floor waren relativ viele Punkte, und, sagen wir, bei Electro oder Gabber waren keine Punkte. Es gibt bestimmte Szenen, die gehen einfach bewusster mit sich um. Dort engagiert man sich oft auch politisch, nach außen, wogegen man bei der Trance-Szene oft mit sich selbst beschäftigt ist, es geht um die Deko oder esoterisch-psychedelische Geschichten.

Gehört zum Engagement nicht auch, sich mehr um die Leute um einen herum zu kümmern, beim Feiern auf Freunde aufzupassen; fehlt dazu nicht oft der Mut?

Das trifft wohl vor allem in kommerziellen Läden zu. Je unkommerzieller, desto mehr achten die Leute aufeinander. Touristen oder Leute aus dem Umland kriegen nun mal, je nach dem, an wen sie geraten, diesen oder jenen Stoff angeboten – und denen fehlt die Information dazu. Dann liegen die plötzlich da, mit verdrehten Augen, Schweißausbrüchen und übel is’. Das ist ja nicht nur für einen selbst unangenehm, sondern auch für die anderen Partyteilnehmer.

Was ist das für eine Party mit alle zwei Stunden „Tatütatütatü“? Mehr Interaktion, mehr Sozialverhalten ist schon gefragt. Das ist Kultur! Kultiviert ist nicht der, der ab und zu ins Opernhaus geht. Der kann auch kultiviert sein. Kultiviert sein zeigt sich in der Art, wie man lebt und wie man auch mit anderen lebt. Da muss man sich auch gegenseitig unterstützen.

Hans Cousto, danke für das Gespräch.

Informiert euch bei drogenkult.net und eve-rave.net. Dort gibt es auch aktuelle Meldungen über böse Pillen…

GHB + Alkohol = Tatütata
by: pozor!

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