Am 16. April 2002 im Ministry of Sound Headquarter in Berlin zum Interview angetreten:FC Kahuna

 

MoS: Hallo Ihr zwei. Zuerst mal, woher habt Ihr Euren Namen „FC Kahuna?

Dan: „Kahuna kommt aus dem Film Pulp Fiction, da gibt es doch ein Burger-Restaurant, das so heisst.
Jon: Das ist diese Szene, in der Samuel L. Jackson alle Leute in dem Restaurant erschiesst, während er einen Big Kahuna Burger isst. Dieser Name klingt so cool, dass wir dachten „Ja, wir machen einen Club, der so heisst!“.
Dan: Das ist sowieso unsere Methode: Wenns gut klingt, machs einfach! Eigentlich kommt das Wort „Kahuna aus Hawai, so heisst da eine Welle, die angeblich Glück bringt… Positive Energie und Lebenskraft. Das mit dem „FC stammt aus einer Zeit, in der wir viel mit Drogen zu tun hatten, naja, es ist uns etwas peinlich…
Jon: Es ist ein Geheimnis!

Okay. Dann gab es also zuerst einen Club von Euch, der „Big Kahuna Burger hiess. Und wie gings dann los mit dem Produzieren?

Dan: Angefangen hat es eigentlich mit Remixen. Dabei lernt man viel. Bei den ersten, die wir gemacht haben, war es noch so, dass wir uns im Studio zurückgelehnt haben und jemand anders die ganze Arbeit für uns gemacht hat, wir also nur noch sagen mussten, was wir gut oder schlecht finden… Mit der Zeit trainiert man natürlich sein Gehör und entwickelt ein Gespür dafür, was cool und interessant klingt. Und nach und nach haben wir dann auch gelernt, wie man mit Samplern und Sequencern umgeht. An dem Album haben wir dann drei Jahre lang gearbeitet.

Was habt Ihr denn für eine Herangehensweise bei Remixen? Macht ihr nur Remixe von Tracks, die ihr toll findet?

Jon: Wenn du einen Track geschickt bekommst, suchst du dir ein paar Elemente, die dir gefallen, keine Ahnung, eine Bassline oder eine Melodie, und darum baust du deine eigene Interpretation. Du gibst dem ganzen deine eigene Note. Es soll ja nicht so klingen wie das Original.
Dan: Wir denken beim Remixen nicht unbedingt daran, ob wir einen Track besser oder schlechter machen, wir versuchen einfach, einen FC Kahuna-Track daraus zu machen. Mittlerweile ist es allerdings so, dass wir mehr Remixe angeboten bekommen, als wir tatsächlich machen können. Das ist fast schon ein Luxus, dass wir uns überlegen können, welche Tracks wir mögen und welche Tracks Elemente haben, mit denen wir etwas anfangen können. Wir haben schon von vielen guten Bands Remixe angeboten bekommen, die wir ablehnen mussten. Aber wir haben uns lieber auf das Album konzentriert…

Das Album trägt ja einen recht seltsamen Titel, Machine Says Yes… Seit wann können Maschinen denn reden?

Jon: Dan hat in einem Zeitungsartikel mal sowas gelesen. Der Titel fasst eigentlich zusammen, wie wir unsere Musik produzieren. Wir machen das ja mit Maschinen und Studio-Equipment, und im Endeffekt sind es die Geräte, die Ja oder Nein zu dem sagen, was wir machen… es ist Kommunikation.
Dan: In diesem Zeitungsartikel ging es um einen Mann und ein Programm, das er benutzt. Das Programm hat die Fähigkeit, zu reagieren, manchmal sagt es Nein zu ihm. Machine Says No war die Überschrift und ich fand, dass das gut zu unserer Herangehensweise passt. Wir versuchen ja, durch das Equipment, das wir benutzen, Stimmungen und Gefühle zu vermitteln, und Soul. Normalerweise sagen die Leute immer, Maschinen seien kalt und seelenlos, aber im Studio produzieren wir doch Musik, die Menschen bewegt, was bedeutet, dass sie einfach ein bestimmtes Mass an Seele haben muss. Wir müssen doch nicht mit Gitarren auf der Bühnne stehen und traurige Lieder singen, um Leuten Gefühle zu vermitteln und Stimmungen zu erzeugen.

Auf dem Album gibt es ja jede Menge Kollaborationen mit verschiedenen Sängern und Musikern… Erzählt doch mal kurz, wer dabei ist und wie Ihr die Leute getroffen habt!

Dan: Hafdis, die Sängerin von Gus Gus, und Eileen, die haben wir beide durch John Best getroffen, mit dem wir unser Label Kahuna Kuts gemacht haben. John hat dann Simon Jones von The Verve kennengelernt, weil der ein paar Türen weiter unter ihm gewohnt hat, und das war dann der billigste Bassist, den wir in der Nachbarschaft bekommen konnten. Da hatten wir nicht so viel Geld. Und Gruff Rhys von den Super Furry Animals, von denen sind wir schon lange Fans, den haben wir kennengelernt, als wir für einen Remix mal dasselbe Studio benutzt haben, in dem sie gerade eine neue Single aufnahmen. Irgendwann spät in der Nacht ist Gruff dann mal bei uns reingeschlichen, hat sich hinten hingesetzt und zugehört. Er mochte das ganz gerne und als wir ihn fragten, ob er nicht Lust hätte, etwas mit uns zu machen, sagte sofort Okay, wo und wann?.
Jon: Und dann ist da noch Rachel, sie kam immer in unserem Club Big Kahuna Burger vorbei, sprang wild herum und schrie die ganze Nacht.

Ist das die Sängerin bei diesem Track, der ein bisschen nach Chicks On Speed klingt?

Dan: Ja genau, bei „Nothing Is Wrong. Wobei es überhaupt keine Absicht war, dass das wie Chicks On Speed klingt, auch wenn wir zum Beispiel „Euro Trash Girl von denen ziemlich super finden. Das war ein totaler Zufall, das liegt wahrscheinlich an dem Sprechgesang von Rachel. Der Track ist im total besoffenen Zustand entstanden. Wir wollten, dass es irgendwie versaut klingt, und wir sagten Rachel dann Versuch doch jetzt mal so zu klingen, als ob du gerade richtig durchge****t wirst!. Erst wollte sie da nicht mitmachen, aber als wir ihr dann immer mehr Drinks gegeben haben…

Euer Album klingt teilweise ziemlich „Old School, mit Acid Sounds und Beats, die so klingen wie Ende der 80er…

Dan: Ja, genau darum ging es uns auch. Allerdings nicht, weil es gerade cool ist oder weil wir jemanden kopieren wollten, sondern weil es für uns einen persönlichen Bezug hat. Wir wollten etwas machen, das uns und die Zeit, in der wir angefangen haben, in Clubs zu gehen, repräsentiert. Und dann aber auch wieder eine moderne Perspektive reinbringen.

Jetzt mal was ganz anderes. Man konnte lesen, ihr hättet Daft Punk dafür kritisiert, dass sie bei einer GAP-Werbung mitgemacht haben?

Dan: Da sprechen uns gerade alle drauf an… so böse habe ich das gar nicht gemeint. Es geht überhaupt nicht darum, Daft Punk zu dissen, die sind auf der Liste der Dance-Produzenten, die ich toll finde, ziemlich weit oben. Was ich an dieser GAP-Sache aber nicht verstehe, ist, wie zwei intelligente, vorausdenkende Künstler mit einem so grossen Unternehmen zusammenarbeiten können, das Sweatshops betreibt und eine ziemlich scheisse Politik verfolgt. Die müssen doch davon gewusst haben, dass GAP weltweit Ungerechtigkeit und Sklaverei unterstützt. Ich war da ziemlich verwirrt. Zu dem Zeitpunkt, als sie das gemacht haben, war ja dieser Hype um das Buch „No Logo von Naomi Klein gerade auf dem Höhepunkt. Sie müssen auf jedem Flughafen, wo sie waren, blind an den Schaufenstern der Bücherläden vorbeigelaufen sein! Es ist sehr seltsam… Ich hätte gerne mal gehört, was sie selbst dazu sagen. Ich liebe Daft Punk und ich möchte gerne denken, dass sie gute Menschen sind. Ich mag halt den Gedanken nicht, dass Leute wie sie, die für die Entwicklung der Dance-Szene so wichtig sind, in Wahrheit Arschlöcher ist. Das will ich nicht glauben, ich bin sicher, dass da etwas falsch gelaufen ist. Bestimmt haben sie das ganze Geld nachher für einen guten Zweck gespendet. Die Beta Band hat die 250.000 Pfund abgelehnt, auch für eine GAP-Werbung.

Eine Frage noch. Ihr seid ja nun hier in Deutschland. Was verbindet ihr mit Deutschland?

Dan: Wenn ich an Deutschland denke, hmm… Elektro-Clash! DJ Hell! Gigolo!
Jon: Ist DJ Hell noch nicht Ministerpräsident von Deutschland? Ich bin mir sicher, in fünf Jahren wird er das sein… Meine bleibende Erinnerung an unsere Zeit in Deutschland ist eigentlich Erdbeerschnaps. Viel Erdbeerschnaps.
Dan:Wir hatten in Deutschland schon sehr gute, aber auch weniger gute Erlebnisse. Manche Clubs, in denen wir aufgelegt haben, waren richtig super, in andere Clubs haben wir nicht so reingepasst. Und manchmal haben wir Essen bekommen, das ganz toll war, und manchmal welches, das uns fast vergiftet hat! Musikalisch ist Deutschland natürlich sehr interessant, gerade im Moment, alle Sachen von Isolée zum Beispiel, oder Thomas Brinkmann, und dann so Labels wie Playhouse, Klang, Kompakt, oder Trapez. Die bringen alle sehr feinen, guten House heraus. Sehr emotional.
Jon: Ja, wir kaufen uns momentan eigentlich mehr deutsche als englische Platten.

 

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