Wer kennt ihn nicht, den Zündfunk? Auf einer Frequenz, die man normalerweise nur aus Versehen oder auf der hoffnungslosen Suche nach besserer Radiomusik wählt, findet man Geniales!

Und das ist der Zündfunk, auf der UKW-Frequenz des Senders BR2, der wenige ausgesuchte Stunden in der Woche sehr gute independent Musik und wirklich sinnvolle Beiträge mit jungen Moderatoren liefert.
Und Zündfunk soll abgeschafft werden! Am 27. April entscheiden die Großen und Klugen des Senders über die Zukunft des Programms. Vorneweg: es gibt eine Möglichkeit, diese sicherlich auch auf wirtschaftliche Ziele ausgerichtete Diskussion zu beeinflussen, empfehlenswert ist dabei eine Petition, die ihr unbedingt unter http://www.petitiononline.com/
zundfunk/petition.html unterzeichnen solltet.
Und nun zum Grund, diese Petition zu unterschreiben und das Programm zu erhalten:
Betrachtet der aufmerksame Hörer des allseits geschätzten Mediums Radio Sender des Landes, stellt er fest, dass es wenig Radioformate gibt, die den Geschmack der jungen Menschen zwischen 16 und 30 wirklich treffen. Wollen wir uns mit dem Radio ein wenig die Zeit vertreiben, die eine oder andere wichtige Nachricht erfahren und eventuell sogar noch Hintergrundinformationen zu wirklich spannenden Non-Mainstream-
Berichten
erhaschen – dann haben wir ein Problem! Zwar gibt es sehr viele Radiosender, aber 80% davon unterscheiden sich voneinander in keinster Weise hinsichtlich Musikauswahl und dem immergleichen Format – Toller Rockhit aus den 80-er bis 90-er Jahren – Moderation – Toller Rockhit aus den 80-er bis 90-er Jahren – Nachrichten – wieder ein wirklich toller Rock-Hit aus den 80-er Jahren- voneinander. Die restlichen 20% der Radiosender sind zum einen reine Nachrichtensender (die wir als Börsenmakler-in-Spe und Freizeit-Politologe natürlich sehr schätzen) sowie auf klassische Musik fokussierte Sender (die wir als ehemaliger Blockflötenschüler ebenfalls sehr schätzen) und zum anderen nur regional verfügbare Sender, die sich zwar redlich bemühen, sich jung zu geben, aber dabei dem Kommerz auch nur die Füße lecken – also: wo ist die Frequenz, welches Knöpfchen muss ich drücken, damit ich ein paar gute Stunden lang ohne Rauschen wirklich die Musik meines Geschmacks genießen kann? – Im Zündfunk! Zumindest noch.
Der Zündfunk hat eine lange und erfolgreiche Geschichte – ein weiterer Grund, ihn zu retten! Am 2. Januar 1974 ging Zündfunk das erste Mal auf Sendung als junges Szenemagazin, das kritisch recherchierte und als Alternative zu Mainstream-Programmen auf dem Äther coole Musik abspielte: der Zündfunk begann als erstes Programm im bundesweiten öffentlich-rechtlichen Rundfunk auch, eine reine Technosendung zu gestalten (Samstags und Sonntags von 22:03 bis 23:00, UKW-Frequenz für München: 88,4). Durch eine junge, innovative und immer überlegte Berichterstattung erhielt er zahlreiche Preise, wie z.B. den Axel Springer-Preis für junge Journalisten oder den New York Radio Festival Award in Silber und Gold.
Wie aber kommt es zur Bedrohung des Programms?
Wie weiter oben erwähnt, spielen wirtschaftliche Überlegungen dabei eine Rolle. Haben die Münchener und Nürnberger im letztem Jahr schon die Bekanntschaft mit neuen digitalen Medien in Form von DTVB gemacht, müssen dies nun alle tun, die Zündfunk weiterhin hören möchten: mit DAB, einem digitalen Übertragungsstandard für terrestrische Hörfunkprogramme. DAB-Programme sind in Deutschland kostenlos zu empfangen. Allerdings ist die Sendeabdeckung bei gerade mal 80%, die Signale sind noch schwach und zusätzlich ist eine Außenantenne nötig, um überhaupt in den Genuss dieser neuen Technologie zu kommen.
Das hat Implikationen für den Zündfunk, der nach dem 27. April eventuell nur noch über DAB zu empfangen sein wird: die Zielgruppe wird nicht mehr fähig sein, das Programm zu empfangen, schließlich gibt es nach aktuellen Hochrechnungen in Bayern gerade mal 900 Haushalte, die mit DAB ausgestattet sind. Wie fein! Natürlich ist es den Machern großer Rundfunkanstalten äußerst gelegen, DAB in die heimischen Wohnzimmer zu bringen, ist damit doch der Kauf neuer Antennen und Empfangsgeräte verbunden. Zugegeben eine lukrative Überlegung. Aber auch eine Überlegung, die den ganz ursprünglichen Zielen des Mediums Radio – jeden zu jeder Zeit zu informieren und zu unterhalten – absolut widerspricht.
Überlegungen zum Weiterleben des Zündfunks werden trotz Recherchen nicht klar: zwar will der Bayerische Rundfunk als Alternative zur Verschiebung der Sendung auf DAB ein über UKW zu empfangendes Jugendprogramm anbieten, andererseits würde dieses Vollprogramm natürlich den Ansprüchen des Zündfunks – gut recherchierte Beiträge, ausgewählte Musik – widersprechen müssen, um der Konkurrenz auf dem Markt standhalten zu können; es würde also zur Aufrechterhaltung des Status Quo und einer Verflachung in der deutschen Radiolandschaft führen.
Momentan geht es rund, was die Diskussion um Zündfunk betrifft und ihr könnt dem Ganzen noch ein bisschen mehr Drive geben, wenn ihr euch engagiert, das Programm zu erhalten. Dabei ist man dann kein Idealist, denn die Petitionen und Briefe an den Bayerischen Rundfunk werden tatsächlich in die Entscheidung der Macher einfließen! Man ist kein Idealist, sondern ein wenig mehr der junge Mensch, dem es heutzutage schwer gemacht wird, seine Individualität zu erhalten und seine Rechte zu verteidigen.
Also rafft euch auch auf!

Kommentar verfassen, Diskossion starten, Meinung melden‽