Drumcell ist der Gründer von Droid Recordings, Co-Gründer von Droid Behavior und hat zahlreiche Veröffentlichungen auf namhaften Labels wie Chris Liebings CLR-Label, Sleaze, Silent Steps oder Speedy J’s Electric Deluxe Label.

Wohnhaft in Los Angeles / USA betreibt er dort sein Studio, formiert sich mit seinem besten Freund Audio Injection zu dem Duo Cell Injection, arbeitet bei Native Instruments oder startet von dort aus zu seinen zahlreichen, weltweiten Gigs.  Zwischen all dem hatte er kurz Zeit für uns und ein paar Fragen.

Obwohl Droid und dein Künstlername eher neu sind, bist Du schon eine Weile in der Szene unterwegs. Was hast du vor „Drumcell“ gemacht?

Das meiste davon war nicht auf Techno fokussiert. Ich legte in Clubs und auf lokalen Raves auf, und hab auch ’ne Menge Wüstenparties in der Mojave Wüste geschmissen. Nebenbei habe ich noch bei verschiedenen Recordlabels die Produktion bei verschiedenen Trance Tracks gemacht. Ich habe auch das Label Mad 12 betrieben, was allerdings mehr ein experimentelles Ding für mich war und wo wir auch hauptsächlich experimentellen Sound auf Vinyl herausbrachten. Hauptsächlich habe ich aber, bevor Droid als Label etabliert war, Gitarre gespielt und in diversen Post-Punk, Punk und Industrial Bands gespielt.

Wie war Techno in LA und weshalb bist Du dazu gekommen?

Nun, meiner Meinung nach hat sich seit früher ziemlich viel geändert, oder zumindest an der amerikanischen Westküste. Es ist definitiv nicht so groß wie andere Genres von Dance-Musik wie Progressive, Electro oder sogar Dubstep. Aber als wir Droid gestartet haben, hatte LA eine sehr große Rave-Szene. Es gab dort Raves mit über 10.000 Menschen an jedem einzelnen Wochenende. Diese Kultur hat sich schon in den späten 80ern und frühen 90ern aufgebaut. Aber es gab nie einen Fokus auf Techno. Dieser lag immer auf einem Rave in 3 Räumen mit Drum ’n Bass, Trance und House. Einmal alle paar Monate gab es auch einen Techno DJ. Aber ich denke das Droid sich selbst etabliert hat, da es unsere ernste Intention war, eine sehr puristische Ansicht von Techno mit Fokus auf diesem besonderen Genre ins Spiel zu bringen.

Wir trafen immer wieder zufällig Menschen in der Stadt, die von anderen Teilen des Landes wie Chicago, Detroit oder New York kamen und die nach LA kommen würden, um nach coolen Technoparties zu schauen, die sie besuchen könnten.

Es gab einfach keine etablierte Szene für Techno. Deshalb haben mein Partner Vidal, der ein Teil von RAIZ ist, und ich beschlossen, das wir einen Newsletter herausbringen, um eine Community aufzubauen. Jedesmal, wenn wir einen gefunden hatten, der an Technoparties interessiert war, haben wir seine email-Adresse aufgeschrieben, um diese Menschen zusammen zu bringen. Die natürliche Entwicklung von der mailing Liste ging zu eigenen Veranstaltungen, weswegen es das erste Droid-Event gab. Also schickten wir die Emails raus und brachten jeden, den wir kannten und der Interesse an Techno hatte, in einer Location zusammen. Ich brauche nicht zu erwähnen, das es nach und nach größer und größer wurde und jeder noch einen Freund mitbrachte, der einen weiteren Freund usw.

Damit die Leute auch etwas über die Musik erfuhren, haben wir in unsere Website und unsere Newsletter DJ Mixe angehängt, genauso wie Interviews mit Künstlern und unser Dnode Magazine war erhältlich, um auch Leuten die nicht soviel mit Techno am Hut hatten die nötigen Informationen zu geben.

Ich denke, einer der Schlüssel eine starke Community aufzubauen, und was für uns in LA wirklich gut funktioniert hat war die Tatsache, das wir nicht Locations gesucht haben, die für 500 Raver geeignet gewesen wären um dann nur 50 Leute zu bringen

. Wir haben stattdessen richtig kleine Locations gesucht und selbst wenn nur 60 Leute kamen, war der kleine Raum voll und es waren die witzigsten Nächte. Ich denke, das sich dieser Vibe verbreitet hat und immer mehr Leute kamen, weshalb auch unsere Locations nach und nach gewachsen sind.

Drumcell DJ Producer Droid RecordingsUnd danach kamen dann die Vinyls?

Um ehrlich mit Dir zu sein, war die Intention hinter Droid von Anfang an ein Label. Aber es ist sehr hart, ein Label zu starten wenn man kein Fundament in der Stadt hat, wo man wohnt und dich die Leute nicht unterstützen und deine Musik nicht schätzen. Deshalb haben wir dieses Fundament davor aufgebaut sowie eine Community mit einem speziellen Sound, der von unserem Label kommt, entwickelt.

Spielst du hauptsächlich Live?

Ich habe einen Vinyl-Hintergrund und spiele Platten seit über 16 Jahren. Ich war immer ein puristischer Vinyl Liebhaber und ein Technics 1200 Snob. Auch heute kaufe ich nach wie vor Platten und Droid brachte am Anfang auch Platten raus. Mit der Zeit brachten wir dann auch digitale Releases heraus, da sich die Zeiten änderten.

Ursprünglich startete es für mich mit meiner Leidenschaft, ein DJ Set mit Turntables mit meiner Musik und meinen Produktionen zu spielen, ohne dabei jedes Mal eine Vinyl pressen zu müssen. Das war echt aufregend für mich. Einfach rauszugehen und so ein DJ-Set zu spielen, vor allem mit dem Hintergrund, das in LA viele kleine Produzenten wohnen, die gute Musik gemacht haben aber es einfach noch nicht genug war, um es auf Vinyl gepresst zu werden. Als Teil der aktiven Szene in LA war es natürlich auch logisch, die lokalen Talente und Produzenten zu unterstützen. Traktor spielte da natürlich eine große Rolle, weil es die einzige Möglichkeit war, so etwas ohne CDs zu realisieren… die ich persönlich hasse. Es gab eine sehr große Entwicklung im virtuellen DJ Sektor und ich spürte einfach, so hart es klingen mag, das es langsam aber sicher keine Verwendung mehr für Tuntables in meinen Sets gab.

Bei meinen Sets benutze ich die Maschine von Native, 2 Laptops, einen mit Traktor den anderen mit Ableton. Ich nutze 4 Decks in Traktor, wobei ich meist nur Fragmente von Tracks spiele. Es ist quasi eine Art Liveset, aber ich nenne es lieber Hybrid Set, da es auch Musik enthält, die nicht von mir ist. Was ich jetzt mit Traktor mache, hätte ich nie mit Plattenspielern machen können. Ich höre aber öfters den klassischen Satz „Oh, Du benutzt keine Plattenspieler, Du legst ja gar nicht richtig auf.“ Ich persönlich denke, die Geschwindigkeiten von Platten anzugleichen ist wie Fahrradfahren. Ich denke auch, das ich jedem bewiesen habe, BPMs angleichen zu können. Und das ist nur ein so kleiner Teil, den man beim auflegen können muss. Wenn ein Laptop mir diese Arbeit abnehmen kann, habe ich mehr Zeit Sachen mit meinen Händen zu erledigen, wie z.B. Live Remixe und andere verrückte Sachen, die ich nie mit Plattenspielern hätte machen können.

Dennoch habe ich immer noch eine verrückte Liebe zu Vinyl und das Label bringt auch nach wie vor Platten raus, was ich auch nicht stoppen will. Ich selbst gehe ja auch noch ganz normal Platten kaufen.

Weshalb magst du das Techno Genre?

Ich denke, das es für mich anders ist wie für andere Menschen. Seitdem ich ein Kind war, war ich betört, ja sogar besessen von der Zukunft und den Technologien. Ich habe immer Science-Fiction Filme angeschaut, die noch nicht erhältliche Technologien oder Bilder der Zukunft gezeigt haben. Ich habe mir immer gewünscht, das meine Zukunft genauso wäre, mit Hoverboards und Lichtschwertern.

Als ich jung war, und das erste Mal Techno gehört habe, klang es für mich wie eine Musik aus der Zukunft, es hörte sich einfach nicht nach unserer Zeit an. Eher nach dem Jahre 2030 oder so. Und das war auch das, was mich gefesselt hat. Ich war immer von der technologischen Seite von Techno sehr angetan. Deshalb ist Techno für mich auch eine Kurzform von Technologie. Ich war immer fasziniert von analogen und digitalen Synthesizern, Drum Computern, Effekt-Prozessoren und all dem technischen Kram, der bei der Produktion von elektronischer Musik eine Rolle spielt. Ich bin ein eifriger Sammler von analoger und digitaler Technik. Auch wenn ich Techno höre, achte ich mehr auf die vielen Aspekte der Produktion, was dort mit hinein fließt und auf die gedanklichen Aspekte dahinter als auf alles Andere.

Drumcell ist zusammen mit Audio Injection als Cell Injection am 2.3.2012 im ToY Stuttgart zu Gast, um ein extra langes Set zu spielen.

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